Asthma und COPD

Viele Patienten inhalieren falsch

06. Apr 2017

Viele Menschen mit COPD und Asthma wenden inhalative Medikamente mittels Dosier-Aerosolen falsch an. Dadurch inhalieren die Betroffen zum Teil nur die Hälfte der bestmöglichen Dosis, wodurch die Wirksamkeit der Medikamente stark herabgesetzt ist. Dies zeigen zwei amerikanische Studien, die in den Fachzeitschriften ‚Chest‘ und ‚Journal of Aerosol Medicine and Pulmonary Drug Delivery‘ veröffentlicht wurden.

Foto: @Martin Barraud/ fotolia

Dosier-Aerosole gehören für viele Menschen mit Lungenerkrankungen wie COPD und Asthma zur Standardtherapie. Der Wirkstoff befindet sich bei diesen Geräten, zusammen mit einem Treibgasmittel, in einem Druckbehälter und wird über einen Sprühstoß in die Lunge eingeatmet. Schätzungen gehen davon aus, dass 70 bis 90 Prozent der Betroffenen ihre Inhalatoren falsch benutzen und so zu wenig Wirkstoff einatmen. Die Studien der Rice University, Houston Texas, haben untersucht, was die häufigsten Fehler bei der Anwendung der Dosier-Aerosole sind und welche Auswirkungen diese haben können.

Kein Patient wendete das Spray völlig korrekt an

Das Team analysierte die Inhalationstechnik von 23 Menschen mit Asthma oder COPD. Sie fanden heraus, dass kein Patient das Dosier-Aerosol in allen Punkten völlig korrekt anwendet. Drei von vier Betroffenen missachten sogar mindestens drei Empfehlungen für die Anwendung. Besonders oft vergaßen die Betroffenen, das Spray vor der Anwendung zu schütteln (48 Prozent). Und nur etwa jeder dritte löste den Sprühstoß zum richtigen Zeitpunkt, also nach dem Start des Einatmens, aus. Auch sei es wichtig, den Inhalator im richtigen Winkel zu halten (in möglichst aufrechter Position), sodass die Wirkstoffe auch sicher in die Lunge gelangen und nicht an Zunge oder Mund hängen bleiben. Zudem sollten die Betroffenen nach jedem Sprühstoß für zehn Sekunden die Luft anhalten, damit die Medikamente in die Lunge eindringen können.

"Das Wichtigste beim Inhalieren ist die richtige Koordination"

In der aktuellen ergänzenden Studie des Forscherteams untersuchten die Wissenschaftler mit Hilfe eines Modells der Atemwege, welche Auswirkungen eine falsche Inhalationstechnik auf die Strömungsverhältnisse und somit auf die Menge an Wirkstoff hat, die in die Lunge gelangt. Das Ergebnis: Atmen die Patienten nur eine halbe Sekunde zu spät ein, kann dies dazu führen, dass nur die Hälfte der maximal möglichen Menge an Wirkstoff in die Lunge eindringen kann.

Dies könne deutliche Auswirkungen auf die Therapie haben, sagt Rajoshi Biswas, Erstautorin der Studie. Das Wichtigste beim Inhalieren sei die richtige Koordination. Um die bestmögliche Menge an Wirkstoff zu inhalieren, sollten die Betroffenen, ihrer Ansicht nach, über drei Sekunden tief und schnell einatmen und das Spray etwa eine halbe Sekunde nach Start des Atemzugs aktivieren.

Biswas betonte auch, dass die Ergebnisse der Studie nicht mit den bisherigen Empfehlungen der ‚Global Initiative for Asthma Inhaler Use Guidelines‘, zur richtigen Anwendung von Inhalatoren übereinstimmen. Eine Überprüfung der Empfehlungen sei deshalb sinnvoll.

Quellen:

Biswas et al.: Factors Determining In Vitro Lung Deposition of Albuterol Aerosol Delivered by Ventolin Metered-Dose Inhaler. In: Journal of Aerosol Medicine and Pulmonary Drug Delivery, online publiziert am 3. Fabruar 2017

Rice University: Inhaler study: How much medicine makes it to lungs? Pressemitteilung vom 28.2. 2017 

Biswas et al.: Measuring Competence in Metered Dose Inhaler Use Using Capmedic Electronic Inhaler Monitoring Tool. In: Chest, 2016, 150 (4): 11A

COPD News Today: Patients Make Common Mistakes Using Inhalers, Limiting Medication’s Effectiveness (Letzter Abruf: 5.4.2017)


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