Lungenkrebs: Begleiterkrankungen

Pleuraerguss: Krebszellen sind schuld

19. Mai 2017

Bei einem Pleuraerguss sammelt sich Flüssigkeit zwischen Lungen- und Rippenfell an. Auch viele Menschen mit Lungenkrebs leiden an dieser Begleiterkrankung. Wissenschaftler haben jetzt einen neuen Mechanismus entdeckt, der erklärt wie und warum sich die Flüssigkeit im Brustraum ansammelt. In ihrer Studie, die in ‚Nature Communication‘ veröffentlich wurde, testeten sie einige Wirkstoffe, die vielleicht als Therapie bei einem Pleuraerguss in Frage kommen.

Mikroskopaufnahme von isolierten Zellen aus einem Pleuraerguss. Die Krebszellen im unteren Bildbereich sind mehr ausgefranst und tragen das mutierte KRAS-Gen

Das Bild zeigt isolierte Zellen aus einem Pleuraerguss. Die Krebszellen unten tragen mutiertes KRAS. Quelle: Helmholtz Zentrum München

Jährlich sind etwa zwei Millionen Menschen mit Krebs von einem malignen Pleuraerguss (MPE) betroffen. Besonders häufig leiden Patienten mit metastasierendem Brust- und Lungenkrebs daran. Der Begriff Pleuraerguss leitet sich von der Pleura, also dem Brustfell ab. Das Brustfell ist eine dünne Haut in der Brusthöhle, die in zwei Bereiche unterteilt wird. Das sogenannte Lungenfell überzieht die Lunge und das Rippenfell kleidet die Brusthöhle von innen aus. Sammelt sich Flüssigkeit im schmalen Spalt zwischen Rippen- und Lungenfell, der Pleurahöhle, spricht man von einem Pleuraerguss. Die Flüssigkeitsansammlung um die Lunge kann zu Atemnot und Brustschmerzen, bis hin zum Tod führen.

Bis heute gibt es für einen Pleuraerguss keine wirksame medikamentöse Behandlung. Größere Flüssigkeitsansammlungen (mehr als ein Liter) können mittels einer Lungenpunktion entfernt werden, sodass die Lunge entlastet wird. Die Autoren der aktuellen Studie arbeiten deshalb daran, die Ursachen für einen Pleuraerguss zu verstehen, um eine mögliche Therapie zu entwickeln.

Krebszellen lösen den Pleuraerguss aus

In ihren neuesten Forschungsarbeiten am Tiermodell untersuchten die Wissenschaftler Krebszellen, die sie aus  Pleuraergüssen gewonnen hatten. Die Zellen besaßen alle eine Mutation im sogenannten KRAS-Gen. Dieses Gen ist dafür bekannt, beim Wachstum unterschiedlicher bösartiger Tumore eine wichtige Rolle zu spielen. In ihren Untersuchungen konnten die Forscher zeigen, dass Krebszellen mit mutiertem KRAS-Gen einen Botenstoff (CC-Chemokinligand 2, CCL2) ins Blut abgeben. Dieser Botenstoff aktiviert einen Signalweg, der dazu führt, dass Immunzellen in die Pleurahöhle einwandern und dort den Pleuraerguss auslösen.

In Krebszellen von Patienten mit Lungenkrebs, die auch an einem Pleuraerguss leiden, konnten die Wissenschaftler ebenfalls die bösartige Mutation im KRAS-Gen nachweisen. Somit könne das Gen auch im Menschen für die Pleuraerguss-Entstehung verantwortlich sein, so die Autoren.

Pleuraerguss: Behandlung bald möglich?

Ob das neu gewonnene Wissen auch in der Praxis angewendet werden kann, überprüften die Forscher in einem weiteren Experiment. Im Versuchsmodell testeten sie zwei Wirkstoffe, die den Mechanismus an zwei verschiedenen Stellen unterbrechen. Die Substanzen waren Deltarasin, das die Funktion von KRAS verhindert und ein Antikörper gegen den Botenstoff CCL2. Das Ergebnis: Beide Wirkstoffe konnten eine Pleuraerguss-Entstehung verhindern.

Die Forscher hoffen nun darauf, dass über den von ihnen gefundenen Mechanismus in Zukunft Medikamente für die Behandlung eines Pleuraergusses entwickelt werden können. Weitere Studien müssten dies aber noch bestätigen.

Quellen:

Αgalioti, T. et al.: Mutant KRAS promotes malignant pleural effusion formation. In: Nature Communications, 2017, 8:15205, DOI: 10.1038

Helmholtz Zentrum München: Pleuraerguss – wie Krebszellen die Lunge fluten. Pressemitteilung vom 19.5.2017


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