Der Bericht wurde von der Europa-Sektion der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der European Respiratory Society (ERS) herausgegeben. Demnach leben in der europäischen Region der WHO rund 81,7 Millionen Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen. Jährlich kommen rund 6,8 Millionen Neuerkrankungen hinzu.
WHO/Europa und ERS kritisieren, dass die Krankheiten trotz ihrer weiten Verbreitung von der Politik nicht genügend beachtet werden, sodass Millionen Menschen nicht die Versorgung und Aufmerksamkeit erhalten, die sie benötigen. Die mangelnde Aufmerksamkeit der Politik und eine unzureichende Finanzierung hätten zu Unterdiagnosen, Fehldiagnosen und unvollständigen Daten geführt, so die beiden Organisationen.
Mängel in Diagnose und Versorgung Betroffener
Dass chronische Atemwegserkrankungen europaweit unterdiagnostiziert und unzureichend behandelt sind, führen die beiden Organisationen auf verschiedene Faktoren zurück:
- Begrenzte Verfügbarkeit diagnostischer Möglichkeiten und Instrumente, wie zum Beispiel der Lungenfunktionsmessung mittels Spirometrie
- Häufige Fehldiagnosen und verzögerte Überweisungen in der primären Gesundheitsversorgung – also den ersten Anlaufstellen der medizinischen Versorgung, wie hausärztliche Praxen oder medizinische Versorgungszentren
- Unzureichende Schulung der Menschen in Gesundheitsberufen auf das frühzeitige Erkennen von chronischen Atemwegserkrankungen
WHO/Europa und ERS bemängeln zudem, dass das wahre Ausmaß unbehandelter chronischer Atemwegserkrankungen verzerrt werde, da Todesfälle aufgrund der häufig auftretenden Begleiterkrankungen und Komplikationen sowie schwacher Meldesysteme nicht richtig zugeordnet würden.
Lösungsstrategien für eine bessere Versorgung
Der aktuelle Bericht soll den Ländern praktische Lösungen die Hand geben, um diese Missstände zu beheben. Demnach sollen die Gesundheitssysteme gestärkt werden, indem die Behandlung chronischer Atemwegserkrankungen zu einem zentralen Bestandteil umfassenderer Strategien zur Bekämpfung nicht-übertragbarer Krankheiten werden.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Prävention. Die Organisationen nennen konkret die Bekämpfung von Risiken wie
- Rauchen,
- Luftverschmutzung und
- unsicheren Arbeitsbedingungen.
Forschungsförderung notwendig
Außerdem sollen Forschung und Innovation gefördert werden. Investitionen in Daten und Wissenschaft sind notwendig. Denn: Frühere Fortschritte in der Medizin führten zu einem Rückgang der Sterblichkeit aufgrund chronischer Atemwegserkrankungen. Diese Erfolge führten jedoch dazu, dass Forschungsmittel gekürzt und die Krankheitsüberwachung geschwächt wurden.
Hintergrund: COPD und Asthma besonders verbreitet
Chronische Atemwegserkrankungen gehören laut den Organisationen WHO/Europa und ERS zu den Hauptursachen für Behinderungen und Todesfälle in der Region. Bei den Todesursachen stehen sie an Rang sechs. COPD und Asthma machen einen Großteil der Fälle chronischer Atemwegserkrankungen in der Europäischen Region aus:
- COPD ist für acht von zehn der durch chronische Atemwegserkrankungen bedingten Todesfälle verantwortlich. Fachleute gehen davon aus, dass die Erkrankungszahlen zwischen 2020 und 2050 weltweit deutlich steigen werden.
- Auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte und Todesfälle aufgrund von Asthma ist weiterhin hoch, obwohl es wirksame Therapien gibt.
Quellen
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Neuer Bericht der WHO und der European Respiratory Society warnt: mehr als 80 Millionen Menschen von chronischen Atemwegserkrankungen betroffen und viele weitere undiagnostiziert. Pressemeldung vom 12.06.2025
- Weltgesundheitsorganisation (WHO) und European Respiratory Society (ERS): Chronic Respiratory Diseases in the WHO European Region. WHO Reference Number: WHO/EURO:2025-12340-52112-79990