Legionellen und Legionärskrankheit: Gefahr im Trinkwasser?

Legionellen sind Bakterien, die sich über fein zerstäubtes Wasser in der Luft verbreiten. Gelangen sie in die Lunge, können sie eine schwere Lungenentzündung (Legionärskrankheit) auslösen.

Wissenschaftliche Beratung:
Dr. med. Susanne Simon, Medizinische Hochschule Hannover

Pulmonary research - Lungs preparation

Wo kommen Legionellen vor?

In geringen Konzentrationen finden sich Legionellen in natürlichen Gewässern, in feuchter Erde und sogar im Grundwasser; besonders wohl aber fühlen sie sich in vielen menschgemachten Wasseranlagen. Durch feinen Wassernebel – etwa in Duschen und Klimaanlagen – können die Bakterien in die Atemwege gelangen. Die Folge sind grippeähnliche Erkrankungen bis hin zu schweren Lungenentzündungen: die sogenannte Legionärskrankheit.

In ihren natürlichen Verbreitungsgebieten wie Seen, Teichen und Flüssen verursachen Erreger aus der Gattung Legionella Menschen in der Regel keine Probleme. Allerdings werden künstlich geschaffene Bassins und Leitungen schnell zu einer regelrechten Brutstätte für die stäbchenförmigen Bakterien, denn Legionellen bevorzugen ähnliche Wassertemperaturen wie Menschen: Besonders gut vermehren sie sich im Bereich zwischen 25 und 45 Grad Celsius. In schlecht gewarteten Rohren oder Gefäßen mit Sedimenten und Kalkablagerungen bildet sich zudem rasch ein schleimiger Biofilm, der Legionellen und ihren Wirten eine optimale Lebensgrundlage bietet.

Wie kommt es zur Legionellen-Infektion?

Legionellen übertragen sich durch fein zerstäubtes beziehungsweise vernebeltes Wasser. Diese flüssigen Schwebepartikel in der Luft bezeichnen Fachleute als Aerosole. Mit diesen gelangen die Bakterien tief in die Atemwege und bis in die Lungenbläschen (Alveolen). Eine Infektion mit Legionellen bezeichnet man als Legionellose.

Mögliche Infektionsquellen sind alle Wasseranlagen, in denen sich Aerosole bilden können. Zu den häufigsten zählen:

  • Duschen
  • Zerstäuber (wie Luftbefeuchter und Inhalatoren)
  • Lüftungs- und Klimaanlagen
  • Whirlpools
  • Schwimmbäder (etwa mit Rutschen und Fontänen)
  • Springbrunnen
  • Kühltürme in industriellen Anlagen

Etwa jede fünfte Legionellose tritt in Zusammenhang mit Reisen auf, zum Beispiel nach einem Aufenthalt in einem Hotel, auf einem Campingplatz oder einem Kreuzfahrtschiff. Infektionen kurz nach der Urlaubsrückkehr können aber auch durch angesammeltes Wasser in den Rohren der heimischen Wohnung entstehen. Infektionen in Krankenhäusern und Pflegeheimen sind möglich, aber vergleichsweise selten.

Grundsätzlich kann sich jeder Mensch mit Legionellen infizieren. Männer erkranken jedoch zwei- bis dreimal häufiger an einer Legionellose als Frauen, insbesondere im fortgeschrittenen Lebensalter. Als besonders gefährdet durch eine Legionellen-Infektion gelten:

  • Raucherinnen und Raucher
  • Menschen mit chronischen Grunderkrankungen (wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
  • Personen mit einer geschwächten Immunabwehr (etwa durch Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken)

Insgesamt kommt es aber vergleichsweise selten zu Erkrankungen durch Legionellen. Laut dem Robert-Koch-Institut erkrankten im Jahr 2024 in Deutschland 2.217 Personen an einer klinisch-labordiagnostisch nachgewiesenen Legionellose.

Symptome der Legionellose

Bei einer Legionellen-Infektion lassen sich zwei wichtige Krankheitsbilder unterscheiden. Die mildere Verlaufsform ist das sogenannte Pontiac-Fieber. Es geht mit grippeähnlichen Symptomen einher, die sich oft nicht von anderen Infekten unterscheiden. Die deutlich schwerer verlaufende Legionärskrankheit ist eine Form der Lungenentzündung (Pneumonie).

Pontiac-Fieber

Das Pontiac-Fieber ist benannt nach der US-amerikanischen Stadt Pontiac (Michigan), wo im Jahr 1968 erstmals ein großer Ausbruch beschrieben wurde. Dabei kommt es wenige Stunden bis Tagen nach der Ansteckung mit Legionellen zu grippeähnlichen Beschwerden wie:

  • Fieber
  • Abgeschlagenheit
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Brustschmerzen
  • Trockener Husten
  • Manchmal Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen

Meist erholen sich die Erkrankten nach zwei bis fünf Tagen wieder. Fachleute gehen davon aus, dass das Pontiac-Fieber zehn- bis hundertmal häufiger vorkommt als die schwer verlaufende Legionärskrankheit. Aufgrund der unspezifischen Symptome wird es aber oft nicht als Legionellose erkannt.

Legionärskrankheit (Legionellen-Pneumonie)

Deutlich bekannter ist die sogenannte Legionärskrankheit. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Form der Lungenentzündung; Fachleute sprechen auch von einer Legionellen-Pneumonie. Die ersten Symptome zeigen sich zwei bis zehn Tage nach der Infektion. In manchen Fällen beginnt die Legionärskrankheit ähnlich wie das Pontiac-Fieber mit Kopf- und Gliederschmerzen, Husten und gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden. Bei vielen Betroffenen allerdings treten sehr plötzlich schwere Symptome auf:

  • Hohes Fieber (über 40°C), oft mit Schüttelfrost
  • Starker Husten; erst trocken, dann mit Auswurf
  • Herzrasen
  • Atemnot
  • Bläulich verfärbte Nägel und Schleimhäute (Zyanose)
  • Manchmal wässriger oder blutiger Durchfall

Typisch für die Legionärskrankheit ist der schnelle und schwere Verlauf der Lungenentzündung. Magen-Darm-Symptome wie Durchfall zeigt nur ein Teil der Betroffenen, vermehrt ältere Personen. Diese Beschwerden können ein wichtiger diagnostischer Hinweis sein, da Durchfall bei anderen Formen der Lungenentzündung eher seltener vorkommt.

Bis heute ist nicht vollständig geklärt, warum sich in manchen Fällen ein Pontiac-Fieber, in anderen eine Legionellen-Pneumonie entwickelt. Für beide Erkrankungen sind dieselben Legionellen-Stämme – in Europa überwiegend Legionella pneumophila – und auch dieselben Untertypen verantwortlich.

Diagnostik mit Legionellen-Test

Typische Beschwerden wie Fieber, Schüttelfrost, Husten und Atemnot wecken oft rasch den Verdacht auf eine Lungenentzündung.

  • Der erste Diagnose-Schritt ist meist eine körperliche Untersuchung, inklusive Abhören und Abklopfen der Lunge.
  • Zudem stellt die Ärztin oder der Arzt wichtige Fragen nach den Beschwerden und ihrem Verlauf, möglichen Vorerkrankungen und Infektionsquellen.
  • Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs sichert die Diagnose Lungenentzündung und kann eventuelle Begleiterscheinungen wie etwa Flüssigkeitsansammlungen im Lungenspalt, einen sogenannten Pleuraerguss, sichtbar machen.
  • Alternativ kann eine Ultraschalluntersuchung des Brustkorbs erfolgen, welche allerdings sehr viel seltener angewandt wird.

Um bei einer mittelgradigen oder schweren Lungenentzündung die auslösenden Erreger zu ermitteln, hilft die Laboruntersuchung einer Blut- und Urinprobe. Speziell Legionellen lassen sich auf verschiedenen Wegen nachweisen; am gängigsten ist aber ein Urin-Antigen-Test. Hier binden im Labor hergestellte Antikörper an die Oberfläche der im Urin ausgeschiedenen Legionellen. Im Einzelfall können weitere Laboruntersuchungen notwendig sein, da der Urin-Antigen-Test nur den Legionellen-Subtyp (L. pneumophila der Serogruppe 1) nachweisen kann.

Beim Pontiac-Fieber lassen sich die Erreger ebenso im Urin nachweisen. Eine Labordiagnostik ist bei den milden und unspezifischen Symptomen dieser Erkrankung aber meist nicht notwendig.

Behandlung der Legionellen-Infektion

Bei einer Legionärskrankheit ist eine rasche Therapie wichtig, da die Lungenentzündung sehr schnell und schwer verlaufen kann. Daher empfiehlt sich eine Behandlung im Krankenhaus. Als wichtigste Maßnahme erhalten die Betroffenen Antibiotika – zumeist als Infusion in die Vene. Die wichtigsten Wirkstoffe bei einer Legionellen-Pneumonie sind:

  •  Azithromycin (Makrolid-Antibiotikum)
  •  Levofloxacin (Fluorchinolon-Antibiotikum)

Je nach Verlauf dauert die antibiotische Therapie mindestens fünf bis zehn Tage, gegebenenfalls länger. Oft ist nach einigen Tagen eine Umstellung von Infusionen auf Tabletten möglich (orale Sequenztherapie).

Unterstützend ist es wichtig, dass die Betroffenen ausreichend trinken und sich körperlich schonen. Fiebersenkende Schmerzmittel können dabei helfen, die Symptome zu lindern. In schweren Fällen können weitere Maßnahmen notwendig sein, zum Beispiel Sauerstoffgabe oder Flüssigkeitsinfusionen. Im weiteren Verlauf kann eine Atemphysiotherapie dabei helfen, den Schleim zu lösen und die Atmung zu erleichtern.

Beim Pontiac-Fieber ist meist keine Antibiotika-Therapie notwendig. Die normalen symptomlindernden Maßnahmen bei einem grippalen Infekt reichen in der Regel aus.

Legionellen im Wasser: Vorbeugende Maßnahmen

Zwar gibt es keine Impfung gegen Legionellen, allerdings einige wichtige Maßnahmen, um einer Infektion vorzubeugen. In Deutschland sieht etwa die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) vor, dass Wasserversorgungsanlagen etwa in Mietshäusern und öffentlichen Gebäuden in regelmäßigen Abständen auf Legionellen untersucht werden.

Darüber hinaus können Sie sich mit folgenden Maßnahmen vor einer Legionellose schützen:

  • Vermeiden Sie sogenannte „Totleitungen“ mit stehendem Wasser. Wenn Sie über mehrere Wochen nicht zu Hause waren, drehen Sie bei Ihrer Rückkehr alle Wasserhähne auf, bis kühles Wasser hinauskommt.
  • Die Wassertemperatur sollte am Boiler auf 60°C eingestellt sein und auch im Leitungssystem mindestens 55°C aufweisen.
  • Auch in Kaltwasserleitungen können sich Legionellen vermehren. Lassen Sie die Leitungen regelmäßig durchlaufen und achten Sie bei warmen Außentemperaturen auf eine gute Isolierung.
  • Reinigen Sie wasserzerstäubende Geräte wie Inhalatoren regelmäßig und lassen Sie sie vor der Lagerung vollständig trocknen.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Trinkwasser mit Legionellen belastet sein könnte, können Sie eine Probe des Leitungswassers bei verschiedenen Labors auf die Keime untersuchen lassen.

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Quellen

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  • Bundesministerium für Gesundheit: Trinkwasserverordnung und Legionellen (PDF). Stand 10/2023 (Letzter Abruf: 13.02.2025)
  • Cordes, A., Krause, M.: Zwischen Pontiac-Fieber und Legionärskrankheit. In: Swiss Medical Forum 2019; 19 (33–34): 558 – 559
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  • Lück, C.: Pontiac-Fieber: Diagnostische Möglichkeiten zum Nachweis von Legionellen als Ursache. In: Epid Bull 2011; (28): 253 – 255
  • Robert Koch Institut (RKI): Epidemiologisches Bulletin 1/2025 (Stand: 02.01.2025)
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  • Winn WC Jr. Legionnaires disease: historical perspective. In: Clin Microbiol Rev. 1988; 1(1): 60 – 81
  • Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein: Gefährliches Sparen: Legionellenrisiko bei geringer Wassertemperatur. Pressemeldung vom 03.01.2023

Letzte Aktualisierung: 09.07.2025

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