Internationalen Erhebungen zufolge leben fünf Jahre nach einer Lungentransplantation noch rund 60 Prozent der operierten Personen – und damit deutlich weniger als zum Beispiel nach einer
- Herztransplantation (75 Prozent) oder
- Nierentransplantation (90 Prozent).
15 Fachgesellschaften und Organisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben deshalb die weltweit erste S3-Leitlinie zur Nachsorge bei Erwachsenen nach einer Lungentransplantation entwickelt. An der Erstellung waren auch Vertreter:innen von Betroffenenorganisationen beteiligt.
Strukturierter Nachsorgeplan nach einer Lungentransplantation
Mit einem strukturierten Nachsorgeplan wollen die Autor:innen die Überlebensrate verbessern. Die Leitlinie enthält zwölf Empfehlungen auf Basis wissenschaftlicher Belege (evidenzbasiert) und zahlreiche Tipps von Expert:innen für die Praxis. Sie umfassen zentrale Bereiche der medizinischen Versorgung nach einer Lungentransplantation, darunter die Auswahl und Steuerung der Immunsuppression sowie das Vorgehen zur Vorbeugung
- einer Infektion mit dem Zytomegalie-Virus (CMV),
- einer sogenannten Pneumocystis-Pneumonie (Lungenentzündung infolge einer bestimmten Pilzinfektion) sowie
- eines chronischen Transplantatversagens (CLAD).
Off-Label-Gebrauch bei Lungentransplantationen
Außerdem geht die S3-Leitlinie auf den sogenannten Off-Label-Gebrauch von Medikamenten ein. „Off-Label“ bedeutet, dass es keine offizielle Zulassung des Wirkstoffs für den Anwendungsbereich gibt.
Bei seltenen Erkrankungen oder Eingriffen sind Betroffene und Fachleute häufig auf den Off-Label-Einsatz von Medikamenten angewiesen – so auch bei Lungentransplantationen. Für die Leitlinien-Gruppe wäre es daher wünschenswert, die Regeln zur Off-Label-Anwendung zu vereinfachen, um die Versorgung von Menschen nach einer Lungentransplantation zu verbessern.