Webinar-Bühne

Online-Patientenforum Lunge: Besser leben mit chronischer Lungenerkrankung

Das Leben mit einer chronischen Lungenerkrankung kann herausfordernd sein. Beim Patientenforum Lunge am 12. November 2025 gaben Expert:innen Tipps für den Alltag, zeigten auf, wie Betroffene ihre Lebensqualität verbessern können und informierten über aktuelle Entwicklungen. Über 460 Interessierte verfolgten die Veranstaltung online.
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Hilfen für den Alltag und moderne Therapien

Im Mittelpunkt des Online-Patientenforums Lunge „Besser leben mit chronischer Lungenerkrankung“ standen

Doch auch Menschen mit anderen chronischen Lungenerkrankungen wie COPD, Lungenemphysem und Asthma konnten von den Empfehlungen der fünf Expert:innen profitieren.

Das Programm

16.30 Uhr

Begrüßung und technische Hinweise

Nadja Graßmeier, Lungeninformationsdienst

16.35 Uhr

Chronisch lungenkrank: Was hilft im Alltag?

Prof. Rembert Koczulla, Schön Klinik Berchtesgadener Land

17.05 Uhr

Atemphysiotherapie zum Mitmachen

Sabine Weise, Deutscher Verband für Physiotherapie - AG Atemphysiotherapie

 Aktuelles aus der Lungenforschung: Moderne Therapien bei …
17.20 Uhr

Bronchiektasen

Dr. Pontus Mertsch, LMU Klinikum München

17.50 Uhr

Lungenfibrose

PD Tobias Veit, LMU Klinikum München

18.20 Uhr

Lungenhochdruck

Prof. Khodr Tello, Universitätsklinikum Gießen

18.50 UhrVerabschiedung und Ende der Veranstaltung

Das Programm herunterladen (PDF)

Veranstalter: Lungeninformationsdienst von Helmholtz Munich in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung

Chronisch lungenkrank: Was hilft im Alltag?

Professor Rembert Koczulla von der Schön Klinik Berchtesgadener Land stellte die wichtigsten Wege zur Vorbeugung von Krankheiten und Krankheitsverschlechterungen (Exazerbationen) vor.

Dazu gehören:

Digitale Hilfe beim Rauchstopp

Dass es Menschen, die rauchen, nicht leichtfällt, damit aufzuhören, weiß auch der Wissenschaftler. Er stellte daher eine App vor, die Betroffenen den Rauchstopp erleichtern soll. Die App „NichtraucherHelden“ kann auf Rezept verschrieben werden. Sie unterstützt Nutzer:innen vor und nach dem selbst festgelegten „Tag X“, an dem der Rauchstopp erfolgt, rauchfrei zu bleiben. 

Impfungen schützen die Lunge

Außerdem verwies Prof. Koczulla auf die für Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen empfohlenen Impfungen gegen

Atemphysiotherapie zum Mitmachen

Wer sich regelmäßig bewegt und ein normales Gewicht anstrebt, trägt aktiv dazu bei, gesund zu bleiben beziehungsweise Krankheitsschübe zu vermeiden, erklärte Prof. Koczulla.

Geräte oder ein Fitness-Studio sind nicht unbedingt notwendig. Regelmäßige Übungen für zu Hause und zum Beispiel Laufen sind ebenso effektiv. Wie dies konkret gelingen kann, zeigte Sabine Weise, Atemphysiotherapeutin, in einem 15-minütigen Mitmachteil mit Übungen zur Mobilisierung der Brustwirbelsäule und Atemtechniken. 

Videos: Atemphysiotherapie zum Mitmachen

mit Sabine Weise

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Transkript: Atemphysiotherapie: Übungen zur Mobilisation der Brustwirbelsäule

Die Mobilisation der Brustwirbelsäule ist besonders wichtig, denn jede Veränderung dieser Brustwirbelsäule verändert auch die Stellung der Rippen und bewegt somit den Brustkorb und auch die Lungen.

Wenn wir anfangen, dann sollten wir uns in eine gute Ausgangsstellung bringen, am liebsten auf einem Hocker. Wenn Sie auf einem Stuhl sitzen, dann setzen Sie sich auf die vordere Sitzfläche, damit die Lehne nicht im Weg ist. Die Beine sollten hüftbreit auseinander sein, die Füße fest auf dem Boden unter den Knien und wenn die Füße fest auf dem Boden unter den Knien sind, dann können Sie die Wirbelsäule gut aufrichten und dies ist sehr... das ist sehr wichtig für diese Übung, denn eine gebeugte Wirbelsäule blockiert die Bewegung. Die Schultern sollten locker auf dem Brustkorb liegen. Und um das noch mal selber auszuprobieren, ziehen wir vielleicht alle mal die Schultern Richtung Ohren und lassen sie dann locker auf den Brustkorb sinken. Die Hände sollten sich jetzt seitlich neben dem Brustbein befinden. Ob Sie sie über Kreuz oder so hinlegen, ist egal. Die Atmung sollte während dieser Übungsserien unabhängig von dem Bewegungsrhythmus fließen und das Tempo können Sie langsam und ruhig bis zum Bewegungsende machen oder eben auch zügig und relativ schnell. Noch mal, wir beginnen jetzt mit der Rotationsbewegung der Brustwirbelsäule und dafür ist die Aufrichtung ganz besonders, denn die Beugehaltung würde die Rotationsbewegung blockieren. Haben Sie das Gefühl, dass ein Faden hier Ihre Wirbelsäule wie ein Marionettenfaden nach oben zieht? Jetzt beginnen wir mit der Drehung. Der Kopf sollte im Raum stehen bleiben. Um das zu gewährleisten, ist es sehr sinnvoll, wenn Sie einen einen Punkt mit den Augen fixieren, den Sie beibehalten. Und jetzt machen Sie erstmal eine weite langsame Drehung, unterm Kopf und überm Becken, weit hin und her. Und das kann jetzt auch zügig passieren. Unterm Kopf und überm Becken locker hin und her. Das machen Sie vielleicht mal zehn Mal zu jeder Seite.

Das mobilisiert Ihre Rippen, Ihren unteren Brustkorb und damit auch die Lungen. Und um das festzustellen, nehmen Sie jetzt vielleicht Ihre Hände und machen bei der Mobilisation... fassen Sie mal Ihren Brustkorb unten an und dann werden Sie sehen: Eine Seite wird eng, die andere Seite wird breit. Dabei heben und senken sich sogar auch die Rippen. Das heißt, kommen in Ein- und Ausatemstellung. Und jetzt bleiben wir mal rechts hinten stehen und dann werden Sie vielleicht merken, die rechte Brustkorbseite ist jetzt eng geworden und die linke Brustkorbseite hat sich weit aufgedehnt. Noch mal, noch mal ungefähr zehn Mal. Das ist eine schöne Übung, die man so täglich beim Aufstehen am Bettrand oder vor dem Frühstück noch durchziehen kann, so dass Sie, ja, mobil... Die ganzen Strukturen, nicht nur die Rippen, sondern eben auch die Interkostal-, die Zwischenrippenmuskeln, alles wird dabei aktiviert und gedehnt. Kurz zwischenatmen.

Möglichst freier Sitz. Beine, hüftbreit. Füße fest auf dem Boden. Wirbelsäule aufgerichtet. Schultern liegen locker auf dem Brustkorb und diesmal sollen jetzt die Hände so neben das Brustbein, dass sie das Brustbein so links und rechts wie so ein grober Kamm praktisch festhalten. Und jetzt bewegen Sie die Wirbel, die Brustwirbelsäule im Sinne der Seitneigung. Die Augenachse bleibt horizontal, sowie auch die Beckenachse. Unter dem Kopf und über dem Becken bewegen Sie nur den Brustkorb hin und her. Unter dem Kopf und über dem Becken, hin und her. Das ist eine Mobilisationsübung im Sinne der Seitneige, die nicht belastend ist, kein Krafttraining, sondern eine reine Mobilisationsübung. Dabei werden die Strukturen des Brustkorbs, auch die passiven Strukturen, Bindegewebsstrukturen bewegt und natürlich auch die Lunge. Und insofern sind diese beiden Übungen durchaus auch ganz sinnvoll, wenn Sekret in der Lunge besteht. Also so 10 bis 20 Mal, sowohl die Seitneige als auch die Rotation nach dem Aufstehen. Bei der Seitneige kann man auch noch mal spüren, was da... wie sich da die Rippen anfühlen. Die fühlen sich so ein bisschen an wie eine Ziehharmonika. Auf der einen Seite werden sie zusammengedrückt und auf der anderen Seite auseinander gebracht.

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Transkript: Atemphysiotherapie: Atemerleichternde Positionen und PEP-Atmung

Nach ein bisschen körperlicher Aktivität kann es sein, dass der eine oder andere in Atemnot kommt. Dann wäre, vor allen Dingen, wenn wir Kräftigungsübung machen würden, eine atemerleichternde Körperstellung sehr wichtig. Die zeichnet sich aus, dass die Arme abgestützt sind. Die können auf den Oberschenkeln abgestützt werden, sie können in der Taille abgestützt werden, man kann sich auch auf dem Kopf abstützen oder wo auch immer. Und wenn man forciert nach einer Anstrengung atmet, dann können Patienten mit Atemwegsenge zur Überblähung neigen, zur zusätzlichen dynamischen Überblähung und deswegen ist eine PEP-Atmung da sehr sinnvoll.

PEP steht für "positive expiratory pressure", also positiver Ausatemdruck. Das hält die Atemwege offen durch einen Rückstau, der durch eine Bremse am Mund erzeugt wird. Die wohl bekannteste PEP-Atmung ist die Lippenbremse. Sie entwickelt aber nur einen geringen PEP. Man kann das ein bisschen vergrößern, indem man den Fausttunnel nimmt zur Erhöhung des Ausatemdrucks. Den würde man... da würde man die Faust bündig über den Mund legen und dort reinblasen und es müssten sich die Wangen aufblasen. Den kann man so strukturieren, dass er sehr eng ist. Dann hat man einen hohen Widerstand. Oder man kann ihn auch ein bisschen lockerer machen.

So würde das...

Wenn man einen höheren PEP braucht, man kann auch kleine Röhrchen nehmen oder Geräte, die vom Handel angeboten werden.

Die Dosierte Lippenbremse ist sicher die bekannteste PEP-Technik und wenn ich meine Patienten frage, dann höre ich also sehr unterschiedlichste Ausführungsarten und vielleicht machen wir die gerade alle noch mal zusammen. Bei entspannten Wangen und locker aufeinanderliegenden Lippen möglichst ruhig durch die Nase ein kleines Atemzugvolumen einatmen. Und die Lippen... und jetzt durch die locker aufeinander liegenden Lippen ausströmen lassen. Und dabei kann so ein kleines "P" entstehen.

Dabei blähen sich die Wangen und die Oberlippen. Und das, was man hier so als Blähung sieht, das ist eben auch in den Atemwegen dann zu spüren, die dann aufgebläht werden durch diese Technik. Vielleicht spüren Sie das sogar ein bisschen in dem Zäpfchenbereich im Rachen. Bei der Lippenbremse sollte der Atemrhythmus nicht beeinflusst werden.

Bronchiektasen: Erst die Symptome definieren die Erkrankung

Dr. Pontus Mertsch vom LMU Klinikum München sprach über moderne Therapien bei Bronchiektasen. Er begann mit einer Definition der Erkrankung: Bronchiektasen sind Aussackungen (Erweiterungen) der Atemwege, die durch eine Computertomografie (CT) festgestellt werden können. Aber nur, wenn gleichzeitig zu diesen Aussackungen bestimmte Symptome auftreten, handelt es sich um eine Bronchiektasen-Erkrankung. Zu den Symptomen gehören:

Gestörte Selbstreinigung der Lunge führt zu Infektionen

Die Erweiterungen der Atemwege stören die Selbstreinigung der Lunge, erklärte Dr. Mertsch. In den Aussackungen kann sich Sekret ablagern. Darin können sich Krankheitserreger besser ansiedeln, die zu Infektionen führen. Diese Infektionen schädigen die Atemwege weiter. 

An diesen Punkten setzten Therapie-Maßnahmen an wie:

  • Atemphysiotherapie zur regelmäßigen Reinigung der Atemwege
  • Inhalation von Kochsalzlösung, um den Schleim zu verflüssigen
  • Gezielte Antibiotika gegen den häufigsten Erreger Pseudomonas aeruginosa 
  • Neue Wirkstoffe, die Entzündungen direkt hemmen – dazu gehört Brensocatib, das bereits von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zugelassen wurde

Geforscht wird auch an dem Antikörper Gremubamab sowie an Makrolid-Antibiotika, die gegen Pseudomanas aeruginosa wirken.

Lungenfibrose: Eine Krankheit mit vielen Ursachen

PD Dr. Tobias Veit vom LMU Klinikum München stellte die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten bei Lungenfibrose vor. Unter dem Begriff Lungenfibrose werden zahlreiche Erkrankungen zusammengefasst, bei denen es zu einer chronischen Schädigung und schließlich einer Vernarbung des Lungengewebes kommt. 

Zu den Ursachen gehören: 

  • Autoimmunerkrankungen
  • Rheumatologische Erkrankungen 
  • Expositionen (z. B. Schimmel oder Vogelhaltung) 
  • Medikamente
  • Infektionen

Bei einem großen Teil der Betroffenen bleibt die Ursache jedoch unklar. Diese Formen werden als idiopathische Lungenfibrosen (IPF) bezeichnet. 

Zwei antifibrotische Medikamente bereits zugelassen

In den vergangenen Jahrzehnten wurden zwei antifibrotische Wirkstoffe zugelassen: Pirfenidon (2011) und Nintedanib (2014).

Beide Medikamente verlangsamen den Verlust der Lungenfunktion etwa um die Hälfte und reduzieren akute Krankheitsschübe. Damit können sie den Verlauf der Erkrankung deutlich bremsen und die Überlebenschancen verbessern. 

Neue Medikamente in der klinischen Prüfung

Der neue PDE-4B-Hemmer Nerandomilast greift in Entzündungsprozesse ein und wirkt gleichzeitig antifibrotisch. Die Zulassung wird voraussichtlich im Sommer 2026 erwartet. 

Das zweite Medikament, Treprostinil, wird inhaliert und wirkt gefäßerweiternd, antientzündlich und antifibrotisch. Es zeigte in aktuellen Studien positive Effekte auf

  • Lungenfunktion, 
  • Lebensqualität und 
  • Belastbarkeit.

Eine Zulassung in Europa wird für Anfang 2027 erwartet.

Lungenhochdruck: Ein Prozent aller Menschen ist betroffen

Prof. Khodr Tello sprach im letzten Vortrag des Webinars über das Thema Lungenhochdruck. Prof. Tello ist stellvertretender Direktor des Universitätsklinikums Gießen und Chefarzt am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt. 

Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) steht für einen krankhaft erhöhten Blutdruck im Lungenkreislauf. Etwa ein Prozent der Weltbevölkerung ist betroffen – besonders Menschen über 65 Jahre. Der Lungenhochdruck wird in fünf Gruppen eingeteilt, je nach Ursache der Erkrankung. 

Typische erste Anzeichen für einen Lungenhochdruck sind:

  • Atemnot bei Belastung
  • Synkopen (Schwarzwerden vor Augen), Umkippen
  • Luftnot beim Vorwärtsbeugen
  • Bluthusten

Sotatercept: vielversprechender neuer Ansatz

Die Behandlung hängt von der Ursache des Lungenhochdrucks ab. Es gibt inzwischen mehrere Gruppen von Medikamenten, die die Gefäße erweitern und den Blutfluss verbessern. Dazu gehören:

  • Endothelin-Rezeptor-Blocker wie Macitentan
  • Phosphodiesterase-Hemmer wie Sildenafil
  • Prostazyklin-Analoga, die über Pumpen oder Inhalationen verabreicht werden

Ein besonders vielversprechender neuer Ansatz ist Sotatercept, eine sogenannte Activin-Liganden-Falle. Dieses Medikament blockiert bestimmte Signalstoffe im Körper, die für die Gefäßverengung verantwortlich sind.

Operative Behandlung bei speziellen Formen

Bei einer speziellen Form, der sogenannten chronisch thromboembolischen pulmonalen Hypertonie (CTEPH), bleiben Blutgerinnsel dauerhaft in den Lungengefäßen.

In solchen Fällen kann eine Operation helfen: Spezialisierte Chirurg:innen entfernen das Narbengewebe und stellen den Blutfluss wieder her.

Lebensqualität im Mittelpunkt

Neben medizinischen Messwerten spielt heute auch die Lebensqualität der Patient:innen eine große Rolle.

Dazu gehören 

  • körperliche Leistungsfähigkeit, 
  • seelisches Wohlbefinden und 
  • die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Immer häufiger werden Betroffene auch in medizinische Leitlinien einbezogen, damit ihre Perspektive berücksichtigt wird. „Das ist eine sehr gute Entwicklung“, betonte Prof. Tello. „Denn nur informierte Patientinnen und Patienten können ihre Behandlung aktiv mitgestalten.“

Die Vorträge zum Herunterladen

Prof. A. Rembert Koczulla

Sabine Weise

Dr. Pontus Mertsch

PD Tobias Veit

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