Hand von Großmutter und Enkel

COPD beginnt oft früher als gedacht

COPD galt lange als typische Folge von langjährigem Rauchen und einem fortschreitenden Verlust der Lungenfunktion im Erwachsenenalter. Doch eine neue internationale Übersichtsarbeit zeigt: COPD beginnt oft viel früher – und könnte künftig auch früher erkannt und gezielt aufgehalten werden.

Ein Forschungsteam hat die neuesten Erkenntnisse zur Entstehung und Entwicklung von COPD zusammengetragen. Dabei wird deutlich: COPD ist keine einheitliche Erkrankung. Sie ist ein Sammelbegriff für verschiedene Krankheitsverläufe, die durch genetische, immunologische und Umweltfaktoren beeinflusst werden – und oft schon in der Kindheit oder Jugend ihren Anfang nehmen.

Frühe Einflüsse auf die Lungenentwicklung

Die Studienautor:innen betonen, dass sich die Lungenentwicklung bei jedem Menschen unterschiedlich gestaltet. Manche erreichen nie eine „normale“ maximale Lungenfunktion, andere verlieren sie schneller als üblich. Beide Gruppen sind gefährdet, später eine COPD zu entwickeln – auch ohne je geraucht zu haben. Diese Erkenntnis stellt die bisherige Sichtweise auf den Kopf und eröffnet neue Möglichkeiten für Früherkennung und Prävention.

Risikofaktoren erkennen und handeln

Rauchen bleibt der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für das Auftreten einer COPD. Darüber hinaus ist es laut der aktuellen Publikation wichtig, weitere Risikofaktoren frühzeitig zu identifizieren – etwa 

  • genetische Veranlagungen,
  • wiederkehrende Atemwegsinfekte im Kindesalter oder
  • Belastungen durch Luftverschmutzung. 

Ziel ist es, die Krankheit möglichst schon im Entstehungsprozess zu stoppen, bevor sie zu bleibenden Schäden führt.

Ein lebenslanger Blick auf die Lunge

Die Forschenden plädieren für einen lebenslangen Blick auf die Lunge: von der pränatalen Phase über Kindheit und Jugend bis ins hohe Alter. Nur so könne man die unterschiedlichen Entstehungswege der COPD verstehen und gezielt eingreifen. Dazu gehören neue diagnostische Ansätze, etwa die Analyse individueller Lungenfunktionsverläufe, sowie personalisierte Therapien, die auf die jeweilige Krankheitsursache abgestimmt sind.

Neue Chancen für Prävention und Forschung

Für Menschen mit erhöhtem Risiko – etwa mit familiärer Vorbelastung oder chronischen Atemwegsbeschwerden – könnte dies bedeuten, dass künftig schon in jungen Jahren Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll sind. Auch für die Forschung ergeben sich neue Aufgaben: Es gilt, die komplexen Zusammenhänge zwischen Genetik, Umwelt und Immunabwehr weiter zu entschlüsseln.

COPD ist nicht nur eine Erkrankung des Alters, schreiben die Studienautor:innen. Früherkennung und ein besseres Verständnis könnten viel Leid verhindern – und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern.

Quelle

Faner, R. et al.: Towards early detection and disease interception of COPD across the lifespan. In: Eur Respir Rev. 2025, 34 (177): 240243

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