Untersucht wurden Daten aus der FLAME‑Studie, an der mehr als 3.300 Menschen mit mittelschwerer bis schwerer COPD und früheren Krankheitsschüben teilgenommen hatten. Die Forschenden analysierten nachträglich, was passiert, wenn Patientinnen und Patienten ihre Medikamente nicht weiter einnehmen. Im Fokus standen zwei häufig eingesetzte Wirkstoffgruppen:
- LAMA (langwirksame muskarinische Antagonisten), die die Atemwege erweitern
- ICS (inhalative Kortikosteroide), die Entzündungen in den Atemwegen dämpfen
Risiko für COPD-Verschlechterungen steigt überdurchschnittlich stark
Setzten die Studienteilnehmenden LAMA ab, kam es in den ersten drei Monaten zu deutlich mehr mittelschweren bis schweren COPD‑Verschlechterungen als später im weiteren Verlauf – teilweise sogar mehr als doppelt so oft. Bei schweren Verschlechterungen war dieser Effekt weniger klar als bei mittelschweren – möglicherweise, weil solche Ereignisse insgesamt seltener waren.
Beim Absetzen von inhalativen Kortikosteroiden stieg vor allem das Risiko für schwere Krankheitsschübe kurzfristig deutlich an. Die Ergebnisse waren allerdings statistisch nicht eindeutig (signifikant).
„Absetzeffekt“: Körper reagiert besonders empfindlich
Die Studienautorinnen und -autoren sprechen von einem „Absetzeffekt“: Der Körper reagiert offenbar empfindlich, wenn eine wirksame Dauertherapie plötzlich beendet wird.
Für den Alltag bedeutet das: Medikamente sollten nicht eigenständig abgesetzt oder pausiert werden, auch wenn man sich gerade stabil fühlt. Bei Änderungen der Therapie sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden.
Die Studienergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine regelmäßige und zuverlässige Anwendung der verordneten Inhalatoren ist, so die Studienautorinnen und -autoren. Gleichzeitig machen sie darauf aufmerksam, dass Absetzeffekte künftig in klinischen Studien berücksichtigt werden sollten.
Quelle
Mathioudakis, A. G. et al. : Disproprionate increase in COPD exacerbation risk for 3 months after discontinuing LAMA or ICS: insights from the FLAME trial. In: Thorax 2025, doi: 10.1136/thorax-2025-223282