Lungs disease with virus ,bacteria

Ursache für schwere Influenza-Verläufe entdeckt

Influenza-Viren, die Auslöser der Grippe, können die Abwehr der Lunge schwächen. Dadurch können schwere Krankheitsverläufe entstehen. Forschende haben nun herausgefunden, wie genau Influenza-Viren das Immunsystem angreifen und damit einen möglichen neuen Therapieansatz entdeckt.

Eine Influenza-Erkrankung (Grippe) kann sehr unterschiedlich verlaufen – von mild bis lebensbedrohlich. Schwere Verläufe entstehen unter anderem, weil die Influenza-Infektion die Lunge anfälliger macht für bakterielle Infektionen. Schwere Lungenentzündungen oder sogar eine Sepsis („Blutvergiftung“) sind mögliche Folgen.

Influenza-Virus schwächt das Immunsystem

Ein Wissenschaftsteam unter Beteiligung von Forschenden des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) hat nun herausgefunden, wie die Influenza-Viren die Abwehrmechanismen aushebeln und damit einen möglichen neuen Therapieansatz aufgezeigt.

Eine wichtige Rolle bei der körpereigenen Abwehr der Lunge spielen „Fresszellen“, die in den Lungenbläschen angesiedelt sind. Bei einer schweren Influenza-Infektion sterben diese schützenden Zellen oft ab.

Körpereigene Abwehrzellen bringen den Zelltod

Das Forschungsteam ist nun dem dahinterstehenden Mechanismus auf die Spur gekommen. Es konnte zeigen, dass bei einer schweren Grippe vermehrt neutrophile Granulozyten in die Lunge einwandern. Dabei handelt es sich um eine Unterart von weißen Blutkörperchen. Diese neutrophilen Granulozyten setzen einen Signalstoff frei, der zum Zelltod führt. Nehmen die Fresszellen in den Lungenbläschen diesen Botenstoff auf, sterben sie ab und die Lunge verliert einen wichtigen Schutzmechanismus gegen Bakterien und schwere Krankheitsverläufe.

Immunsystem frühzeitig unterstützen

Die Erkenntnisse verdeutlichen, wie entscheidend bei einer Virusinfektion eine frühzeitige Unterstützung der Immunmechanismen der Lunge ist, schreiben die Forschenden. Gleichzeitig eröffnen sie Ansatzpunkte für die Entwicklung neuer Therapien, die gezielt in diesen Vorgang eingreifen könnten. 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass solche Strategien nicht nur bei Lungenentzündungen durch Influenza-Viren, sondern auch bei anderen schweren Virusinfektionen wie COVID-19 relevant sind. Hierzu ist jedoch noch weitere Forschung notwendig.

Quellen

  • Malainou, C. et al.: TNF Superfamily Member 14 Drives Post-Influenza Depletion of Alveolar Macrophages Enabeling Secondary Pneumococcal Pneumonia. In: The Journal of Clinical Investigation 2025, e185390
  • Ein Unglück kommt selten allein: Wie eine Grippevirusinfektion das Immunsystem schwächt. Pressemeldung Nr. 205 der Justus-Liebig-Universität Giessen vom 9.12.2025

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