Ein Forschungsteam mit Beteiligung des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) analysierte die Daten von 3.928 Menschen mit COPD, die zwischen Januar 2022 und September 2024 wegen einer schweren Symptom-Verschlechterung (Exazerbation) in einem von 85 Krankenhäusern einer Krankenhausgruppe behandelt wurden.
Laut GOLD-Klassifikation gehören diese Personen zu der Gruppe E, einer Hochrisikogruppe für weitere akute Krankheitsschübe. Deshalb sehen die Leitlinien eine Dauertherapie vor – in der Regel entweder:
- eine Kombination aus zwei langwirksamen bronchienerweiternden Medikamenten (LABA/LAMA) oder
- eine Dreifachtherapie aus LABA, LAMA und inhalativen Kortikosteroiden.
Welche Therapie geeignet ist, hängt unter anderem von der Zahl bestimmter Entzündungszellen, den sogenannten Eosinophilen, ab.
Verbesserte COPD-Therapie bei Entlassung – Versorgungslücken bleiben
Die Auswertung zeigt, dass sich die medikamentöse Versorgung während des Krankenhausaufenthalts insgesamt verbesserte:
- Bei der Aufnahme erhielten 61 Prozent bereits eine leitliniengerechte Doppel- oder Dreifachtherapie.
- Bei der Entlassung lag dieser Anteil bei 77 Prozent.
Gleichzeitig bedeutet dieses Ergebnis: Mehr als jede fünfte behandelte Person verließ das Krankenhaus ohne eine leitliniengerechte Therapie.
Fachabteilungen schneiden besser ab
Menschen, die auf einer pneumologischen Station behandelt wurden, erhielten häufiger eine leitliniengerechte Therapie als Patient:innen auf anderen Stationen. Auch ein längerer Krankenhausaufenthalt war mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, dass die Behandlung bei der Entlassung den Empfehlungen entsprach.
Die Studienautor:innen schließen daraus, dass organisatorische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Strukturiertes Entlassmanagement und die Einbindung von Lungenfachleuten könnten helfen, die Versorgung weiter zu verbessern, schreiben die Forschenden.
Diagnostik: Eosinophilen-Werte werden nicht immer bestimmt
Nur bei rund der Hälfte der Patient:innen wurde die Zahl der Eosinophilen erfasst. Dieser Laborwert kann wichtige Hinweise darauf geben, ob eine Dreifachtherapie besonders sinnvoll ist. Die Forschenden empfehlen deshalb, die Eosinophilen-Bestimmung systematischer in die Krankenhausversorgung einzubinden.
Potenzial zur Vermeidung weiterer COPD-Exazerbationen
Nach Ansicht des Studienteams bietet der Krankenhausaufenthalt eine wichtige Gelegenheit, die langfristige COPD-Behandlung zu optimieren: Dabei könnten
- eine konsequente Umsetzung der Leitlinien,
- eine bessere Nutzung von Biomarkern wie den Eosinophilen und
- stärker standardisierte Entlassungsprozesse
dazu beitragen, künftige Exazerbationen und erneute Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.
Quelle
Peukert, C. et al.: GOLD-concordant inhaled maintenance therapy at hospital discharge after hospitalization for severe COPD exacerbations: a multicentre retrospective observational study. In: The Lancet Regional Health – Europe 2026, 68: 101776