Stethoscope and Advanced AI Technology in Healthcare Innovation_AdobeStock_810682484

Asthma und COPD: Mit modernen Datenanalysen zu individualisierter Therapie

Asthma und COPD gehören zu den häufigsten chronischen Lungenkrankheiten. Wie sie verlaufen und wie Therapien anschlagen, ist individuell sehr unterschiedlich. Computergestützte Methoden könnten den Weg für eine individualisierte Therapie ebnen.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit hat 117 wissenschaftliche Studien aus den Jahren 2010 bis 2024 darauf untersucht, wie systembiologische Ansätze in der Asthma‑ und COPD‑Forschung eingesetzt wurden. Die Zahl solcher Studien ist über die Jahre kontinuierlich gestiegen – ein Hinweis auf ihre wachsende Bedeutung in der Lungenforschung.

Hintergrund: Was ist Systembiologie?

Die Systembiologie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Statt einzelne Faktoren zu betrachten, werden viele biologische Ebenen gleichzeitig analysiert – zum Beispiel 

  • Gene, 
  • Botenstoffe, 
  • Eiweiße und 
  • Stoffwechselprodukte. 

Diese Daten werden mithilfe leistungsfähiger Computerprogramme gemeinsam ausgewertet. Ziel ist es, komplexe Krankheitsmechanismen sichtbar zu machen, die mit klassischen Methoden verborgen bleiben.

Präzise Diagnose – aber noch keine Routine

In mehreren der für die aktuelle Übersichtsarbeit ausgewerteten Studien gelang es, Untertypen von Asthma oder COPD klar voneinander abzugrenzen: Computergestützte Modelle konnten Asthma‑ und COPD‑Typen mit einer Genauigkeit von 82 bis 91 Prozent unterscheiden. Auch mögliche Krankheitsmarker wurden identifiziert, die Hinweise auf Entzündungsprozesse geben.

Allerdings zeigt die Übersichtsarbeit auch klare Grenzen der bisher verfügbaren Studien: Viele basierten auf kleinen Teilnehmendenzahlen, die häufig aus ähnlichen Bevölkerungsgruppen stammten (89 Prozent europäische Abstammung). Zudem wurden die Ergebnisse nur selten in unabhängigen Gruppen überprüft. Für den Einsatz im klinischen Alltag sind daher weitere, größere Studien notwendig.

Was bringt Systembiologie für Betroffene?

Langfristig könnten systembiologische Ansätze dazu beitragen, Therapien besser auf einzelne Betroffene zuzuschneiden – etwa indem sie vorhersagen, welche Behandlung bei welchem Krankheits­typ besonders gut wirkt. Noch sind diese Methoden vor allem ein Forschungsinstrument. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass sie das Potenzial haben, die Versorgung von Menschen mit Asthma und COPD nachhaltig zu verbessern.

Quelle

Alahmari, M. A.: Systems Biology and Multi-Omics in Asthma and COPD: A Systematic Review of Computational Approaches (2010-2024). In: J Asthma Allergy 2026, 19: 575312

Verwandte Nachrichten

Man having asthma attack, difficulties with breathe, feeling severe pain

Positionspapier: Atemtest könnte Asthmaversorgung deutlich verbessern

Die Messung von Stickstoffmonoxid in der Ausatemluft liefert wichtige Hinweise auf Entzündungen in den Atemwegen. Fachleute fordern nun, diese Untersuchung in die Regelversorgung aufzunehmen. Die Vorteile: eine bessere Versorgung für Betroffene und…

Eine Frau sitzt auf dem Sofa vor einem Ventilator.

Atemnot: Handventilatoren können bei akuten Beschwerden helfen

Atemnot ist ein häufiges und belastendes Symptom bei Menschen mit schweren Atemwegserkrankungen. Betroffene berichten, dass der Luftstrom von Hand- und Tischventilatoren die Atemnot lindern kann. Eine neue Übersichtsstudie hat diesen Effekt…

Eine virtuelle Lunge schwebt über den Händen einer Persone mit weißem Kittel

Neue Einblicke in die Selbstheilung der Lunge

Die Lunge muss sich ständig gegen Schadstoffe und Krankheitserreger wehren. Neue Forschungsergebnisse zeigen, wie spezialisierte Zellen flexibel auf Schäden reagieren – und warum genau diese Fähigkeit auch Krankheiten fördern kann. Die Ergebnisse…

Frau mit Brille sitzt im Schneidersitz auf einem Bett und hustet ihn ihre linke Hand. Die rechte Hand liegt auf ihrer Brust.

Warum verschlechtert sich COPD bei Grippe?

Eine Grippeerkrankung kann bei Betroffenen mit COPD akute Krankheitsverschlechterungen auslösen. Forschende haben nun einen zugrundeliegenden Mechanismus entdeckt. Dieser könnte ein Ansatzpunkt für Therapien sein.

Man coughs during consultation

Erster langwirksamer Antikörper gegen Asthma zugelassen

Seit kurzem können Menschen mit schwerem Asthma in der EU den Antikörper Depemokimab erhalten. Das Besondere: Das Biologikum muss nur zweimal im Jahr gespritzt werden.

Prevention of pulmonary disease. Lung symbol with magnifier on a blue background. Healthcare and medicine concept.

Selbsttests zur Früherkennung von COPD‑Schüben

Forschende haben untersucht, wie gut zwei Selbsttests akute Verschlechterungen bei COPD frühzeitig erkennen können: das etablierte Tagebuch EXACT und die kürzere CERT‑Checkliste. Das CERT kann punkten – und ist nun als Online-Selbsttest beim…

Young physiotherapist assisting senior man on treadmill

COPD: Bewegung bringt das Immunsystem wieder ins Gleichgewicht

Regelmäßige Bewegung hat bei COPD einen doppelt positiven Effekt. Eine neue Studie zeigt: Wer gezielt trainiert, stärkt nicht nur Muskeln und Ausdauer, sondern unterstützt auch sein Immunsystem – und kann so Entzündungen in der Lunge vermindern.

Pills and inhalers for asthma, bronchitis, lungs diseases

COPD: Inhalationsmedikamente nicht einfach absetzen

Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) wenden häufig dauerhaft inhalative Medikamente an. Eine neue Auswertung einer großen klinischen Studie zeigt, dass das Absetzen bestimmter inhalativer Therapien kurzfristig das Risiko für…

News aus der Lungenforschung

Jetzt unseren Newsletter abonnieren und unserem WhatsApp-Kanal folgen!