Die Speläotherapie in Salzhöhlen oder Heilstollen ist eine ergänzende nicht-medikamentöse Maßnahme bei chronischen Atemwegserkrankungen. In den Heilstollen ist die Luft kühl, feucht und nahezu frei von Staub, Pollen und anderen Allergenen.
Nun hat eine internationale Forschungsgruppe unter Beteiligung des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) in einer randomisierten kontrollierten Studie untersucht, ob eine dreiwöchige Speläotherapie zusätzlich zur Standardtherapie Menschen mit Asthma, COPD oder Long-COVID helfen kann.
Speläotherapie bei Asthma, COPD und Long-COVID
An der Studie nahmen insgesamt 208 Personen zwischen 18 und 80 Jahren teil, darunter
- 107 mit Asthma,
- 59 mit COPD und
- 42 mit Long-COVID.
Alle Teilnehmenden führten ihre Standardtherapie fort. 98 erhielten eine dreiwöchige Speläotherapie mit sechs Sitzungen (zweimal pro Woche). Die Sitzungen dauerten jeweils 1,5 bis 2 Stunden. In den ersten fünf bis zehn Minuten führten die Teilnehmenden Atem- und Bewegungsübungen durch.
Die Forschenden untersuchten unter anderem
- Entzündungszeichen in den Atemwegen mittels FeNO-Messung,
- Lungenfunktionswerte und
- die Atemmuskelkraft.
Außerdem beantworteten die Teilnehmenden verschiedene Fragebögen zu Symptomen und Lebensqualität.
Die Befragungen und Messungen fanden vor der Behandlung, direkt danach und drei Monate nach der Behandlung statt.
Asthma: Bessere Kontrolle der Erkrankung
Bei den Menschen mit Asthma zeigte sich bei einem Entzündungsmarker der Atemwege (Stickstoff in der Ausatemluft – FeNO) keine statistisch eindeutige (signifikante) Verbesserung.
Dennoch berichteten die Teilnehmenden über spürbare Vorteile im Alltag: Demnach verbesserten sich
- die Asthmakontrolle sowie
- die krankheitsspezifische Lebensqualität.
Zusätzlich fanden die Forschenden statistisch signifikante Verbesserungen bei einzelnen Lungenfunktionswerten wie
- der forcierten Vitalkapazität (FVC),
- dem Spitzenfluss (PEF) und
- bei manchen jüngeren Teilnehmenden auch beim FEV₁-Wert.
COPD: Eher subjektive Verbesserungen
Bei Menschen mit COPD zeigte sich ein anderes Bild:
- Die subjektive Belastung durch die Erkrankung nahm ab, was laut den Studienautor:innen auf eine Verringerung der Symptome hindeutet.
- Verbesserungen der Lungenfunktion konnten jedoch nicht festgestellt werden.
Die Ergebnisse sprechen daher eher für einen positiven Effekt auf das subjektive Befinden als auf messbare Veränderungen der Atemwegsfunktion.
Long-COVID: Verbesserungen bei Atemnot und Belastbarkeit
Auch bei Long-COVID berichteten die Teilnehmenden von Vorteilen: Nach der Speläotherapie verbesserten sich
- die Anzeichen einer gestörten Atmung,
- die Atemnot sowie
- Beschwerden bei körperlicher Belastung, etwa beim Treppensteigen.
Darüber hinaus beobachteten die Forschenden Verbesserungen bei
- Erschöpfung (Fatigue),
- Angstgefühlen und
- schlafbezogenen Symptomen.
Diese positiven Effekte waren teilweise noch drei Monate nach der Behandlung nachweisbar. Messbare Veränderungen der Lungenfunktion gab es allerdings auch in dieser Gruppe nicht.
Speläotherapie als ergänzende Maßnahme
Die Studienautor:innen schlussfolgern, dass die Speläotherapie insbesondere die von den Menschen mit Atemwegserkrankungen selbst wahrgenommenen Beschwerden und die Lebensqualität verbessern kann. Dagegen zeigten sich nur wenige oder keine Veränderungen bei objektiven Messwerten wie Entzündungsmarkern oder der Lungenfunktion. Die Speläotherapie könnte daher als ergänzende Maßnahme zur Standardbehandlung infrage kommen, ersetzt diese jedoch nicht.
Quelle
Schwarz, J. et al.: A randomized controlled trial of adjunctive speleotherapy in asthma, COPD and long COVID. In: Scientific Reports 2026, 16: 15986