Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) profitieren von Bewegung und Atemtraining. Forschende in China haben nun untersucht, ob eine zusätzliche Atemtechnik die Wirkung eines etablierten Trainingsprogramms verstärken kann. An der Studie nahmen 51 Menschen mit stabiler COPD teil.
Sie wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt:
- Beide Gruppen führten täglich ein sogenanntes Ganzkörper-Atemtraining durch.
- Die zweite Gruppe trainierte zusätzlich die Atemtechnik „Aktiver Atemzyklus“ oder „Active Cycle of Breathing Technique“ (ACBT). Das Training dauerte rund 90 Tage.
Bessere Belastbarkeit und weniger Atemnot mit ACBT
Nach Abschluss des Trainings konnten die Teilnehmenden der ACBT-Gruppe im Sechs-Minuten-Gehtest weitere Strecken zurücklegen als die Vergleichsgruppe. Außerdem berichteten sie über eine geringere Belastung durch Atemnot und eine bessere Lebensqualität. Auch ein Messwert der Lungenfunktion (FEV1) fiel etwas günstiger aus.
Nicht bei allen Messgrößen fanden die Forschenden Unterschiede. So zeigten sich bei einigen Lungenfunktionswerten, darunter dem Verhältnis von FEV1 zu forcierter Vitalkapazität (FVC), keine statistisch bedeutsamen Verbesserungen gegenüber dem Standardtraining.
Was bedeuten die Ergebnisse für Menschen mit COPD?
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass ACBT eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Bewegungs- und Atemprogrammen sein könnte. Die Teilnehmenden wurden nicht nur körperlich belastbarer, sondern empfanden auch ihren Alltag als weniger beeinträchtigt.
Allerdings weisen die Forschenden auf Einschränkungen hin. Die Gruppe mit ACBT trainierte insgesamt länger als die Vergleichsgruppe. Daher lässt sich nicht sicher sagen, welcher Anteil der Verbesserungen auf die Atemtechnik selbst und welcher auf den höheren Trainingsumfang zurückgeht. Zudem war die Anzahl der Teilnehmenden relativ gering und es wurden ausschließlich ältere Menschen mit stabiler COPD untersucht.
Künftige Studien sollten prüfen, wie häufig und wie intensiv Menschen mit COPD die ACBT anwenden sollten. Außerdem braucht es Untersuchungen, die die langfristigen Effekte der Methode bewerten, so die Forschungsgruppe.
Hintergrund: Wie funktioniert die Atemtechnik ACBT bei COPD?
Die ACBT-Atemtechnik soll das Lösen und Abhusten von Schleim erleichtern und die Atmung unterstützen. Der aktive Atemzyklus aus mehreren Schritten:
- Atemkontrolle: ruhiges, entspanntes Atmen mit normalem Atemzugvolumen.
- Übungen zur Erweiterung des Brustkorbs: tiefe Atemzüge mit kurzem Anhalten des Atems nach der Einatmung, dann langsames, entspanntes Ausatmen.
- Sogenanntes Huffing: kurze, kräftige Ausatmungen, die dabei helfen können, Schleim aus den Atemwegen zu lösen.
- Abhusten von Schleim (Coughing).
Die Forschenden vermuteten, dass sich diese Technik gut mit dem Ganzkörper-Atemtraining ergänzen könnte. Während ACBT vor allem die Atmung und die Atemwege anspricht, bezieht das Ganzkörperprogramm zusätzlich Arme, Beine und andere Muskelgruppen ein.
Hintergrund: Was ist Ganzkörper-Atemtraining bei COPD?
Das Ganzkörper-Atemtraining soll die Lungenkapazität erhöhen und Muskelverspannungen lösen. Es umfasst drei Kernbereiche:
- Weitung der Atemräume durch eine Mobilisation des Brustkorbs, der Wirbelsäule und der Zwischenrippenmuskulatur
- Aktivierung des Zwerchfells durch tiefe Bauchatmung
- Synchronisation der körperlichen Bewegung mit der Ein- und Ausatmung