Gewitterasthma wurde bereits weltweit beobachtet. Fachleute bringen es vor allem mit den Pollen von Weidelgras (Ryegrass) in Verbindung.
Winzige Pollen-Partikel gelangen tief in die Atemwege
Schon länger ist bekannt, dass mechanische Kräfte wie Wind und Regen Pollen während eines Gewitters beschädigen können. Dabei entstehen sogenannte Subpollen-Partikel. Diese mikroskopisch kleinen Bruchstücke enthalten Allergene und sind klein genug, um tief in die Bronchien vorzudringen. Dadurch können sie bei Menschen mit empfindlichen Atemwegen starke Beschwerden auslösen.
Bislang war jedoch kaum erforscht, ob auch die elektrischen Prozesse in Gewitterwolken zur Zerstörung von Pollen beitragen. Dieser Frage gingen australische Forschende nun nach.
„Gewitter“ im Labor
Die Forschungsgruppe setzte Weidelgras-Pollen elektrischen Feldern aus, wie sie typischerweise in Gewitterwolken auftreten. Zusätzlich untersuchten sie den Einfluss verschiedener Luftfeuchtigkeiten sowie von Entladungen, die Blitzen ähneln sollten.
Die Experimente zeigten, dass die Pollen unter dem Einfluss elektrischer Ladungen zunehmend zerfielen. Je stärker das elektrische Feld und je höher die Luftfeuchtigkeit waren, desto stärker brachen die Partikel auseinander und verteilten sich.
Blitzähnliche Entladungen fördern Gewitterasthma
Besonders deutlich war die Wirkung bei simulierten elektrischen Entladungen. Unter diesen Bedingungen zerbrachen die Pollen noch stärker und setzten große Mengen unregelmäßig geformter Partikel frei. Mithilfe von Rasterelektronenmikroskopie konnten die Forschenden die beschädigten Pollen und die entstandenen Fragmente sichtbar machen.
Nach Einschätzung der Studienautorinnen und -autoren liefern die Ergebnisse erstmals Hinweise darauf, dass sowohl statische elektrische Felder als auch elektrische Entladungen in Gewitterwolken an der Bildung allergenhaltiger Subpollen-Partikel beteiligt sein können.
Was bedeutet das für Menschen mit Asthma und Pollenallergie?
Die Studie erweitert das Verständnis der Mechanismen, die hinter Gewitterasthma stehen könnten. Bisher wurden vor allem
- Regen,
- Wind und
- Luftfeuchtigkeit
als Auslöser diskutiert. Die neuen Ergebnisse legen nahe, dass auch elektrische Vorgänge in Gewitterwolken berücksichtigt werden sollten.
Die Forschenden weisen zudem darauf hin, dass schwere Gewitter im Zuge des Klimawandels in einigen Regionen häufiger oder intensiver werden könnten. Ein besseres Verständnis der Entstehung von Gewitterasthma könnte daher künftig helfen, Risiken genauer vorherzusagen und Menschen mit Asthma oder Pollenallergie gezielter zu schützen.
Quelle
Venkatesan, S. et al.: Impact of atmospheric electrical charges on ryegrass pollen rupture and sub-pollen particle release. In: Scientific Reports 2026, doi: 10.1038/s41598-026-54231-7