Sechs Blutproben in Teströhrchen

Bluttest soll Risiko für Lungenerkrankungen aufdecken

Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Person eine schwere chronische Lungenkrankheit entwickelt? Bislang sind aufwendige Lungenfunktionstests notwendig, um diese Frage zu beantworten. Forschende aus den USA haben nun einen Bluttest vorgestellt, der die Anfälligkeit von Erwachsenen für eine schwere Lungenerkrankung wie die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) bestimmen soll.

Im Laufe des Lebens nimmt die Lungenfunktion ab – das ist normal. Bei chronischen Atemwegserkrankungen lässt sie aber stärker und schneller nach als bei Menschen mit gesunder Lunge. In der Praxis kann dies bisher nur mit regelmäßigen Lungenfunktionstest festgestellt werden.

Langzeit-Beobachtungsstudie als Ausgangspunkt

Einer US-Forschungsgruppe ist nun gelungen, die schlechtere Lungenfunktion durch einen Bluttest abzubilden. Sie nutzten dazu Daten der CARDIA-Studie. An dieser Beobachtungsstudie nahmen über einen Zeitraum von 30 Jahren rund 2.500 Personen teil, die zu Beginn der Studie zwischen 18 und 30 Jahre jung waren.

Während des Studienzeitraums nahmen die Proband:innen an Tests zur Bestimmung der Lungenfunktion teil, um deren Veränderung über die Jahre zu beobachten. Außerdem wurden den Studienteilnehmenden Blutproben entnommen.

32 Bluteiweiße können Risiko vorhersagen

Die Forschenden suchten in diesen Blutproben nach Eiweißen (Proteinen), die mit einem Abfall der Lungenfunktion in Verbindung stehen. Sie identifizierten 32 Proteine, die den FEV1-Wert am besten voraussagten. Diese 32 Proteine fassten die Forschenden zu einem Risiko-Score zusammen. Damit ist es möglich, ein erhöhtes Risiko vorherzusagen für

  • die allgemeine Sterblichkeit (unabhängig von der Todesursache),
  • die Sterblichkeit durch Lungenerkrankungen,
  • das Auftreten einer COPD,
  • akute Symptomverschlechterungen (Exazerbationen) bei Lungenkrankheiten sowie
  • Krankenhausaufenthalte aufgrund von Krankheitsschüben.

Weitere Daten bestätigen Risiko-Score

Mithilfe der Daten von rund 40.000 Menschen aus älteren Studien konnten die Forschenden die Aussagekraft des Risiko-Scores bestätigen.

Noch ist der Bluttest nicht für die Anwendung außerhalb von Studien zugelassen. Hierzu sind weitere klinische Studien notwendig.

 

Quelle

Liu, G. Y. et al.: Proteomic Risk Score of Increased Respiratory Susceptibility: A Multi-Cohort Study. In: American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine 2024, doi: 10.1164/rccm.202403-0613OC

Verwandte Nachrichten

Genetic engineering and gene manipulation concept. Hand is replacing part of a DNA molecule.

Was kann eine Gentherapie bei Alpha-1-Antitrypsin-Mangel leisten?

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass eine Gentherapie eine vielversprechende Methode zur Behandlung der erblich bedingten Lungenkrankheit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist.

COPD Diagnosis. Medical Concept.

Erfolgreiches Webinar zum Welt-COPD-Tag

Anlässlich des Welt-COPD-Tags am 20. November fand unser kostenloses Webinar für Interessierte statt. Drei renommierte Lungenexpert:innen informierten über den aktuellen Stand der Behandlung, neue Therapieansätze und Tipps zum Leben mit der…

Junge Frau in Online-Therapie

20. November: Online-Patientenforum für COPD-Betroffene

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, kurz COPD, ist eine der weltweit häufigsten Erkrankungen. Mit dem Welt-COPD-Tag im November soll mehr Aufmerksamkeit für die Erkrankung geschaffen werden. Wir unterstützen dieses Anliegen und organisieren…

partial view of woman in white tshirt with paper crafted lungs on blue backdrop

Wem kann eine Behandlung gegen den Entzündungsbotenstoff Interleukin-33 helfen?

Der Botenstoff Interleukin-33 (kurz: IL-33) gilt als wichtiger Antreiber der Atemwegsentzündung bei COPD und Asthma. Bestimmte Wirkstoffe können IL-33 hemmen und dadurch die Entzündungsreaktion mindern. Forschende des Deutschen Zentrums für…

Breathing through a plastic nasal catheter during illness

High-Flow-Therapie bei COPD wird klinisch erprobt

Wirkt die sogenannte High-Flow-Therapie, ein Verfahren zur Atmungsunterstützung, bei COPD? Das wird nun in zwei klinischen Studien erprobt, die aktuell vorbereitet werden. Sie sollen die Grundlage für eine Nutzenbewertung des Gemeinsamen…

AdobeStock_46042626.jpeg

Herzprobleme bei COPD erfordern gezielte Behandlung

Zwei Hauptarten von Herzbeeinträchtigungen bei Menschen mit COPD können sich auf das Sterberisiko auswirken. Wird dies bei der Behandlung berücksichtigt, verbessert sich die Lebenserwartung deutlich – das haben Forschende des Deutschen Zentrums für…

COPD Diagnosis. Medical Concept.

Biologikum Dupilumab nun auch für die COPD-Therapie zugelassen

Der monoklonale Antikörper Dupilumab richtet sich gegen bestimmte Botenstoffe, die an Entzündungsreaktionen beteiligt sind. Bereits seit 2017 ist das Biologikum bei anderen entzündlichen Erkrankungen im Einsatz. Nun folgte die Zulassung für die…

Many pills scattered on a blue uniform background in the form of a silhouette lugs man 3d illustration

Dupilumab bei COPD: Neue Studie bestätigt Wirksamkeit

Eine aktuelle Phase-III-Studie hat die Ergebnisse einer vorangegangenen Studie bestätigt: Dupilumab kann die Exazerbationsrate senken und die Lungenfunktion bei COPD-Betroffenen mit Typ-2-Entzündung verbessern.

COPD Diagnosis. Medical Concept.

COPD-Exazerbationen: Fehlende Erhaltungstherapie steigert das Sterberisiko

COPD ist die dritthäufigste Todesursache weltweit. In einer groß angelegten Beobachtungsstudie untersuchte ein Forschungsteam nun den Zusammenhang von Krankheitsverschlechterungen und der Sterblichkeit.

Fall activities. Senior couple walking in autumn park. Middle-aged man and woman hugging and chilling outdoors

COPD: Auch kleine Bewegungseinheiten können helfen

Wie effektiv kleine Bewegungseinheiten sind, die COPD-Betroffene von zu Hause aus durchführen können, haben Forschende in einer systematischen Übersichtsarbeit untersucht.

The word copd written on a white notepad on a blue background near a stethoscope, syringe, electronic thermometer and pills. Medical concept

Mehrfacherkrankungen bei COPD verhindern

COPD betrifft nicht nur die Lunge, sondern kann sich auf viele Organe auswirken. Viele Betroffene leiden daher an mehreren Erkrankungen gleichzeitig. Forschende haben nun untersucht, welche beeinflussbaren Risikofaktoren in der Versorgung von…

["AdobeStock_KGsIIv.jpg","AdobeStock_155170858.jpeg"]

Senkt Rote-Bete-Saft den Blutdruck bei COPD?

Studien haben gezeigt, dass Rote-Bete-Saft, der reich an Nitrat ist, kurzfristig den Blutdruck senken kann. Eine neue Studie untersuchte, ob diese Vorteile auch langfristig bei COPD-Betroffenen bestehen.

News aus der Lungenforschung

Jetzt unseren Newsletter abonnieren und unserem WhatsApp-Kanal folgen!