Genetic engineering and gene manipulation concept. Hand is replacing part of a DNA molecule.

Was kann eine Gentherapie bei Alpha-1-Antitrypsin-Mangel leisten?

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass eine Gentherapie eine vielversprechende Methode zur Behandlung der erblich bedingten Lungenkrankheit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist.

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist eine seltene erbliche Erkrankung. Dabei ist das Gen verändert (mutiert), das für die Produktion des Eiweißes Alpha-1-Antitrypsin verantwortlich ist. Das entsprechende Protein wird dadurch nicht oder nicht in ausreichender Menge hergestellt. Der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel kann zu Schäden in der Leber und in der Lunge führen – zum Beispiel zu einem Lungenemphysem.

Einzelnes Gen für Alpha-1-Antitrypsin-Mangel verantwortlich

Da die Erkrankung durch ein einzelnes Gen verursacht wird, gilt sie als gutes Anwendungsgebiet einer Gentherapie. Dabei wird das defekte Gen durch ein gesundes ersetzt oder repariert.

Die Studienautor:innen werteten für ihre Übersichtsarbeit 14 Artikel aus, die sich mit der Wirkung der Gentherapie bei durch einen bei Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ausgelösten Lungenerkrankungen befassten. Darunter waren sowohl Untersuchungen an Tiermodellen als auch kleine klinische Studien der Phasen 1 und 2.

Was den Erfolg einer Gentherapie beeinflusst

In den ausgewerteten Studien wurden verschiedene Ansätze der Gentherapie beschrieben. Als vielversprechend gilt laut den Studienautor:innen zum Beispiel die Verwendung von Viren als „Transportmittel“, um das gesunde Gen in die Zellen bringen. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese Methode sicher und wirksam ist.

Die ausgewerteten Studien legten außerdem verschiedene Faktoren offen, die den Erfolg der Therapie beeinflussten, darunter

  • das verwendete „Transportmittel“ (Vektor), mit dem das Gen in die Zellen gelangt,
  • die Verabreichungsmethode und
  • die Therapiedauer.

Gentherapien könnten Behandlungserfolg deutlich verbessern

Bislang gibt es keine zugelassene Gentherapie für Menschen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel. Hierzu fehlen entsprechende klinische Studien. Nach Meinung der Studienautor:innen könnten sie die Behandlung des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels zukünftig aber erheblich verbessern, wenn sich die aktuellen Erkenntnisse bestätigen. Vorteil der Gentherapie ist, dass sie die Ursache der Erkrankung bekämpft und nicht nur an den Symptomen ansetzt.

Quelle

Afrin, S. et al.: The Role of Gene Therapy as an Emerging Treatment Strategy for Alpha-1-Antitrypsin Deficiency-Associated Lung Disease: A Systematic Review. In: Cureus 2025, 17 (2): e79286

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