Wie werden Bronchiektasen behandelt?

Therapie von Bronchiektasen

In der Bronchiektasen-Therapie werden zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten genutzt. Allerdings sind die Aussackungen der Atemwege nicht rückgängig zu machen und damit noch nicht heilbar. Auch existieren keine Medikamente, die speziell für die Behandlung von Bronchiektasen zugelassen sind, was die Therapie zusätzlich erschwert.

Wenn möglich sollte zunächst immer die Grunderkrankung, durch die die Bronchiektasen entstanden sind, behandelt werden. Ist die zugrundeliegende Ursache nicht bekannt oder die ursächliche Therapie alleine nicht ausreichend, steht die symptomatische Therapie im Vordergrund der Bronchiektasen-Behandlung.

Wichtige therapeutische Ziele sind:

  • Verbesserung der Selbstreinigung der Lunge (mukoziliäre Clearance)
  • Behandlung von Atemwegsinfektionen
  • Behandlung der Atemwegsobstruktion (-Verengung)
  • Behandlung der chronischen Entzündung in der Lunge
  • Vorbeugung und Behandlung von plötzlich auftretenden Verschlechterungen (Exazerbationen)
  • Vorbeugen einer voranschreitenden Strukturschädigung von Lunge und Bronchien
  • Vorbeugen von Krankenhausaufenthalten
  • Verbesserung der Lebensqualität und Belastbarkeit, falls diese eingeschränkt sind

Inhalation und tägliche Atemphysiotherapie

Viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen und regelmäßiges Inhalieren, beispielsweise mit Kochsalzlösung, hilft, das oft sehr zähe Bronchialsekret in der Lunge zu verflüssigen. So können Betroffene den Schleim leichter abhusten.

Um das Sekret aus den Bronchien zu mobilisieren, sollten Patienten zudem spezielle atemphysiotherapeutische Übungen erlernen. Zum Einsatz kommen verschiedene Techniken wie die autogene Drainage oder Lagerungsdrainagen. Auch ein stationärer Aufenthalt in einer spezialisierten Rehabilitationseinrichtung kann helfen, die erlernten Fähigkeiten effizient im Alltag umzusetzen.

Infektionen vermeiden und behandeln

Antibiotika werden zur Bekämpfung akuter Infektionen und der chronischen Infektion durch den "Nasskeim" Pseudomonas aeruginosa eingesetzt. Auch inhalative Antibiotika kommen zum Einsatz. Leider sind diese bislang nur zur Behandlung der chronischen Lungeninfektion durch Pseudomonas aeruginosa bei Patienten mit Mukoviszidose zugelassen. Vor einer Antibiotikatherapie müssen die Mediziner*innen daher genau prüfen, welche Patienten davon profitieren.

Auch die Infektprophylaxe ist wichtig, beispielsweise durch Impfungen gegen

Behandlung von Exazerbationen, Entzündungen und Atemwegsverengungen

Antibiotika kommen auch bei der Behandlung von akuten Verschlechterungen (Exazerbationen) zum Einsatz – hier meist in Form von Tabletten oder als Infusion.

Liegt eine Verengung der Atemwege (Obstruktion) vor, kann eine atemwegserweiternde Therapie, ähnlich der COPD-Therapie, eingesetzt werden.  Zum Beispiel durch Inhalation bronchienerweiternder Medikamente (Betamimetika, bzw. Anticholinergika), die individuell an die verminderte Lungenfunktion der Betroffenen angepasst werden.

Entzündungshemmende Medikamente wie zum Beispiel das Makrolid-Antibiotikum Azithromycin können die chronischen Entzündungen in der Lunge bekämpfen. 

Letzte Option: Operation oder Transplantation

Chirurgische Eingriffe sollten die letzte Wahl der Bronchiektasen-Behandlung sein und nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden. Sie können generell nur bei Patienten in Erwägung gezogen werden, bei denen die Bronchiektasen lokal auf einen Lungenabschnitt begrenzten sind. Im Einzelfall kann dieser dann operativ entfernt werden. Allerdings ist jeder Eingriff auch mit Risiken und Komplikationen verbunden, zudem scheinen nicht alle Patienten von einer operativen Behandlung zu profitieren.

Bei weit fortgeschrittenen Bronchiektasen und stark eingeschränkter Lungenfunktion kann auch eine Lungentransplantation sinnvoll sein.

Bronchiektasen-Leitlinie

Eine offizielle Leitlinie zur Diagnose und Behandlung von Bronchiektasen gab es lange nicht. 2017 hat eine multidisziplinäre Expertengruppe der European Respiratory Society (ERS) auf Basis von Literaturdaten die erste europäische Leitlinie zum Management von Bronchiektasen bei erwachsenen Betroffenen entwickelt. Die Leitlinie gibt Antworten auf neun Fragen rund um die Diagnose und Therapie bei Bronchiektasen. Aufgrund der begrenzten Datenlage ist die Aussagefähigkeit der einzelnen Empfehlungen jedoch beschränkt.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Wissenschaftliche Beratung: Dr. Felix C. Ringshausen, Medizinische Hochschule Hannover; Dr. Jessica Rademacher, Medizinische Hochschule Hannover; Dr. Isabell Pink, Medizinische Hochschule Hannover

  • Herold G. (Hrsg.) et al. (2007): Innere Medizin, erschienen im Eigenverlag
  • Rademacher J. et al.: Bronchiektasen – Diagnostik und Therapie. In: Deutsches Ärzteblatt Int., 2011, 108(48): 809-15  
  • PROGNOSIS – Bronchiektasen-Register 
  • Polverino, E. et al.: European Respiratory Society guidelines for the management of adult bronchiectasis. In: European Respiratory Journal, online publiziert am 9. September 2017

Letzte Aktualisierung:

04.02.2019

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