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Brensocatib: Erster Wirkstoff speziell zur Bronchiektasen-Therapie

Forschende haben in einer klinischen Studie getestet, wie gut der Wirkstoff Brensocatib bei der Behandlung von Bronchiektasen hilft. Die Ergebnisse sind so vielversprechend, dass das Medikament bald zugelassen werden könnte.

Ein internationales Wissenschaftsteam unter Beteiligung von Forschenden des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) führte eine Phase-3-Studie mit mehr als 1.700 Menschen mit Bronchiektasen durch. Unter den Teilnehmenden waren auch 41 Jugendliche. An der Studie waren 390 Standorte in 35 Ländern beteiligt.

Die Forschenden teilten die Teilnehmenden in drei Gruppen ein. Sie erhielten über 52 Wochen zusätzlich zur üblichen Therapie einmal täglich entweder

  • eine Tablette mit 10 mg Brensocatib,
  • eine Tablette mit 25 mg Brensocatib oder
  • ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff (Placebo).

Brensocatib vermindert Krankheitsschübe bei Bronchiektasen

Die Personen, die Brensocatib einnahmen, hatten weniger Krankheitsschübe als die Teilnehmenden in der Kontrollgruppe:

  • In der 10-mg-Gruppe gab es im Durchschnitt 1,02 Schübe pro Jahr, die antibiotisch behandelt werden mussten.
  • In der 25-mg-Gruppe waren es 1,04 Schübe, die eine Antibiotika-Therapie erforderten.
  • In der Placebo-Gruppe traten 1,29 behandlungsbedürftige Schübe auf.

Damit senkte Brensocatib die Häufigkeit der Krankheitsschübe, die mit Antibiotika behandelt werden mussten, um etwa 20 Prozent. Außerdem blieben fast die Hälfte der Teilnehmenden in den Brensocatib-Gruppen (48,5 %) während der gesamten Studiendauer von 52 Wochen schubfrei, verglichen mit 40,3 % in der Placebo-Gruppe.

Die Lungenfunktion verschlechterte sich zudem in den Brensocatib-Gruppen langsamer als in der Placebo-Gruppe. Die Lebensqualität verbesserte sich dagegen deutlich.

Vielversprechende Wirkung – wenig Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen hielten sich in Grenzen. Obwohl Brensocatib in die bakterielle Infektabwehr eingreift, erkrankten die Teilnehmenden nicht häufiger an behandlungsbedürftigen bakteriellen Infektionen als die Proband:innen in der Kontrollgruppe. Nur die Fälle von trockener Haut nahmen leicht zu.

Brensocatib ist damit der erste Wirkstoff, der die Ursache der Bronchiektasen direkt bekämpft. Die Forschenden gehen davon aus, dass er im Sommer 2025 in den USA auf den Markt kommt. In Europa erwarten sie die Zulassung für Ende des Jahres 2025 bis Anfang 2026.

Hintergrund: So wirkt Brensocatib

Brensocatib ist ein Medikament, das Entzündungen in den Atemwegen verringern soll. Es wirkt gegen Bronchiektasen, indem es bestimmte Enzyme blockiert, die diese Entzündungen verursachen. Der Wirkstoff hemmt die Dipeptidylpeptidase-1 (DPP-1). Dieses Enzym aktiviert die sogenannten neutrophilen Serinproteasen. Diese werden im Rahmen der bakteriellen Infektabwehr von den neutrophilen Granulozyten freigesetzt. Bei chronischen Atemwegsentzündungen wie einer Bronchiektasen-Erkrankung setzen die neutrophilen Granulozyten zu viele Serinproteasen frei. Diese schädigen dann nicht nur die zu bekämpfenden Bakterien, sondern auch die Atemwege und das umliegende Lungengewebe.

Brensocatib verhindert dies – allerdings nur vorübergehend. Wird das Medikament abgesetzt, blockiert es die Dipeptidylpeptidase-1 nicht länger.

Quelle

Chalmers, J. D. et al.: Phase 3 Trial of the DPP-1 Inhibitor Brensocatib in Bronchiectasis. In: N Engl J Med 2025, 392: 1569 – 1581

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