Der Wirkstoff Nintedanib ist in Kapselform bereits zur Behandlung verschiedener Formen von Lungenfibrose zugelassen. Er verursacht allerdings häufig Nebenwirkungen – insbesondere im Magen-Darm-Bereich, zum Beispiel:
- Bauchschmerzen
- Durchfall
- Übelkeit und Erbrechen
- verminderten Appetit und Gewichtsabnahme
US-amerikanische Forschende haben deshalb eine neue Form des Wirkstoffs entwickelt: ein Trockenpulver zur Inhalation. Ziel ist es, den Wirkstoff möglichst genau dorthin zu bringen, wo er gebraucht wird, und gleichzeitig die Belastung für den restlichen Körper zu verringern.
Vorklinik: Inhalierbares Nintedanib gut verträglich
In vorklinischen Studien zeigte sich insgesamt eine gute Verträglichkeit. Schwere unerwünschte Wirkungen wurden nicht beobachtet. Es traten keine bedeutenden Magen-Darm-Nebenwirkungen auf. Außerdem wurden in der Lunge Wirkstoffkonzentrationen erreicht, die für eine therapeutische Wirkung notwendig sind.
Anschließend wurde die neue Pulverform in einer Phase-1-Studie an gesunden Erwachsenen untersucht. Die Teilnehmenden erhielten unterschiedliche Dosierungen des inhalierbaren Nintedanibs oder ein Scheinmedikament (Placebo). Die Studie war randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert.
Lungenfibrose-Behandlung: Schnelle Wirkstoffaufnahme in der Lunge
Die Ergebnisse zeigen, dass der Wirkstoff nach dem Einatmen sehr schnell aufgenommen wurde. Die höchsten Konzentrationen im Blut maßen die Forschenden bereits wenige Minuten nach der Inhalation. Dies spricht laut den Studienautor:innen dafür, dass das Medikament die tieferen Bereiche der Lunge erreicht.
Die gemessenen Wirkstoffspiegel stiegen wie erwartet mit der verabreichten Dosis an. Die Forschenden bewerteten die Behandlung insgesamt als sicher und gut verträglich.
Zukunft der Lungenfibrose-Therapie: Klinische Studien sollen Wirksamkeit prüfen
Die Forschenden sehen in der inhalierbaren Form von Nintedanib einen vielversprechenden Ansatz für die Behandlung von idiopathischer Lungenfibrose und anderen fibrotischen Lungenerkrankungen. Durch die gezielte Abgabe in die Lunge könnten Nebenwirkungen, die durch die Verteilung des Wirkstoffs im gesamten Körper entstehen, möglicherweise reduziert werden.
Allerdings stammen die jetzt veröffentlichten Daten überwiegend aus Tierstudien und einer ersten Untersuchung an gesunden Erwachsenen. Ob die inhalierbare Therapie Menschen mit Lungenfibrose tatsächlich besser hilft als die bisherige Tablettenbehandlung, müssen weitere klinische Studien zeigen.
Die Finanzierung der Studie erfolgte durch ein biopharmazeutisches Unternehmen.
Quelle
Fares, H. und Castagna, M.: Safety and Pharmacokinetic Data for Inhaled Administration of Nintedanib Dry Powder Inhalation for Treatment of Pulmonary Fibrotic Diseases. In: J Aerosol Med Pulm Drug Deliv 2026; 39 (4): 185 – 197