Die Forschenden aus China und den USA analysierten Daten von mehr als 100.000 Erwachsenen aus der sogenannten PLCO-Kohorte. Diese umfasst Menschen mit Prostata-, Lungen-, Darm- und Eierstockkrebs. Die Teilnehmenden waren im Durchschnitt 62,5 Jahre alt und wurden über einen Zeitraum von rund zwölf Jahren beobachtet.
Mithilfe eines validierten Fragebogens erfasste das Wissenschaftsteam die Ernährung und klassifizierte die Lebensmittel nach dem NOVA-System. Das NOVA-System bewertet den Grad der Verarbeitung (mehr zu der Klassifizierung im Hintergrund am Ende dieses Textes).
Insgesamt wurden 1.706 Fälle von Lungenkrebs dokumentiert, darunter
- 1.473 Fälle von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) und
- 233 Fälle von kleinzelligem Lungenkrebs (SCLC).
Lungenkrebs-Risiko bei hohem Fertigprodukte-Verzehr deutlich erhöht
Die Personen, die am meisten hochverarbeitete Lebensmittel verzehrten, hatten ein statistisch eindeutig (signifikant) erhöhtes Risiko für Lungenkrebs im Vergleich zu denen mit dem niedrigsten Konsum. Die Risiko-Erhöhung lag
- für Lungenkrebs insgesamt bei 41 Prozent,
- für nicht-kleinzelligen Lungenkrebs bei 37 % und
- für kleinzelligen Lungenkrebs bei 44 %.
Diese Zusammenhänge blieben auch bestehen, nachdem weitere wichtige Einflussfaktoren berücksichtigt wurden, etwa
- ob die Personen rauchten,
- das Alter,
- das Geschlecht und
- die allgemeine Ernährungsqualität.
Bessere Ernährung zur Lungenkrebs-Vorbeugung
Die Studienautor:innen schreiben, dass die Studie neue Hinweise liefert, dass auch die Ernährung eine Rolle bei der Entstehung von Lungenkrebs spielen kann. Zwar sind weitere Untersuchungen nötig, um die Ergebnisse zu bestätigen und die genauen Mechanismen zu verstehen. Doch schon jetzt unterstreichen die Daten die gesundheitlichen Vorteile einer möglichst ausgewogenen Ernährung mit unverarbeiteten Lebensmitteln.
Für Menschen mit erhöhtem Risiko für Lungenkrebs – etwa durch Rauchen oder eine familiäre Vorbelastung – könnte eine bewusste Ernährung ein Schutzfaktor sein. Auch für die allgemeine Gesundheitsförderung lohnt sich ein kritischer Blick auf den Konsum von Fertigprodukten und stark verarbeiteten Lebensmitteln.
Eine frische, abwechslungsreiche Ernährung mit möglichst wenig industriell veränderten Produkten könnte helfen, das Lungenkrebs-Risiko zu senken – und ist ohnehin ein Gewinn für die Gesundheit.
Hintergrund: Das NOVA-System
Das NOVA-System unterteilt Lebensmittel in vier Klassen mit jeweils unterschiedlichem Verarbeitungsgrad:
- Unverarbeitet bis minimal verarbeitet:
Hierzu zählen Lebensmittel, deren ursprünglicher Charakter erhalten bleibt, zum Beispiel essbare Teile von Pflanzen (Samen, Früchte, Blätter, Stängel, Wurzeln) oder Tieren (Muskeln, Innereien, Eier, Milch) - Verarbeitete Zutaten:
Sie werden durch Pressen, Raffinieren, Zerkleinern, Mahlen und/oder Trocknen aus Lebensmitteln der ersten Stufe gewonnen. Dazu zählen zum Beispiel pflanzliche Öle, Butter oder Zucker. - Verarbeitete Lebensmittel:
Dabei handelt es sich um Lebensmittel, die durch eine Kombination der ersten beiden Stufen entstehen und meist aus drei bis vier Zutaten bestehen. Dazu zählen zum Beispiel frisches Brot, gereifter Käse, Gemüse-, Obst- oder Fisch-Konserven - Hoch verarbeitete Lebensmittel:
Hierzu gehören Fertigprodukte, die aus vielen verschiedenen Produkten zusammengesetzt sind. Beispiele sind Fertigprodukte, viele Snackprodukte, Erfrischungsgetränke und Süßigkeiten.
Quellen
- Wang, K. et al.: Association between ultra-processed food consumption and lung cancer risk: a population-based cohort study. In: Thorax 2025, doi: 10.1136//thorax-2024-222100
- Ernährungs-Umschau: Lebensmittelkennzeichnung: 4-Stufen-System für Lebensmittel nach dem Verarbeitungsgrad. Online-Meldung vom 8.4.2020