Large city with visible air pollution and smog or fog

Schadstoffbedingte Sterblichkeit trotz besserer Luftqualität unverändert

Zwischen 1995 und 2016 hat der Schadstoffgehalt der Luft abgenommen. Die schadstoffbedingte Sterblichkeit ist jedoch weitgehend unverändert geblieben. Dies zeigt eine aktuelle internationale Studie.

Daten aus 380 Städten über mehr als 20 Jahre

Die aktuelle Studie unter der Leitung von Forschenden bei Helmholtz Munich basiert auf den Daten eines weltweiten Forschungsnetzwerks. Dieses untersuchte zwischen 1995 und 2016 für 380 Städte, wie sich die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Sterblichkeit verändert haben. Bereits 2021 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Richtwerte für die Luftqualität überarbeitet und verschärft. Die Europäische Union (EU) plant ähnliches. Die verschärften WHO-Richtwerte kommen demnach in der aktuellen Auswertung noch nicht zum Tragen.

Verschiedene Ursachen für gleichbleibende Sterblichkeit

Im untersuchten Zeitraum habe die Konzentration von Schadstoffen in der Luft wie Feinstaub und Stickstoffdioxid zwar abgenommen, so die Forschenden. Auf die dadurch verursachte Sterblichkeit habe sich dies jedoch kaum ausgewirkt. Die Wissenschaftler:innen führen dies auf verschiedene mögliche Ursachen zurück, zum Beispiel:

  • alternde Bevölkerung in vielen Regionen, die tendenziell stärker gesundheitlich vorbelastet ist
  • Veränderungen in Zusammensetzung und Ursprung der Luftschadstoffe, die sich anders auswirken können

Die Studie zeigt darüber hinaus, dass sich die gesundheitlichen Folgen je nach geografischer Region und durch das Zusammenwirken verschiedener Schadstoffe unterscheiden.

Flächendeckendes Monitoring der Luftqualität wünschenswert

Ausgewertet wurde der Einfluss von Schadstoffen, die durch Richtwerte geregelt sind. Dazu zählen Feinstäube der Größenklassen PM10 und PM 2,5 sowie Stickstoffdioxid. Für andere möglicherweise relevante Schadstoffe – zum Beispiel noch kleinere, ultrafeine Partikel – stehen kaum Daten zur Verfügung. Die Forschenden machen daher darauf aufmerksam, dass aus ihrer Sicht ein weltweites, möglichst flächendeckendes und erweitertes Monitoring sinnvoll wäre.

Hintergrund Luftschadstoffe: Was ist Feinstaub?

Feinstaub-Partikel sind winzige Teilchen in der Luft. Sie können fest oder auch flüssig sein. Je nach Größe dieser Teilchen werden die Partikel unterschiedlich benannt:

  • PM10 bezeichnet Teilchen mit einem Durchmesser von höchstens 10 und mehr als 2,5 Mikrometern.
  • Noch kleinere Teilchen werden als PM2,5 bezeichnet: Sie haben einen Durchmesser von höchstens 2,5 Mikrometern und mehr als 0,1 Mikrometern.

PM2,5-Teilchen können tief in die Lunge eindringen: Sie sind mit einer Reihe von Gesundheitsrisiken verbunden, darunter für

Ultra-Feinstaub – gefährlich, aber gesetzlich unreguliert

Ultra-Feinstaub-Partikel sind noch kleiner als PM2.5: Ihr Durchmesser beträgt weniger als 0,1 Mikrometer. Sie sind so klein, dass sie nicht nur tief in die Atemwege eindringen können. Sie können über die Lungenbläschen in das Blut gelangen und sich so im gesamten Körper verteilen. Studien zufolge erhöht Ultra-Feinstaub das Risiko für

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • neurologische Störungen und
  • eine Verschlechterung bestehender Atemwegserkrankungen.

Obwohl Ultra-Feinstaub erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben kann, sind die Partikel oft schwieriger zu messen und werden derzeit nicht durch Grenzwerte reguliert.

Stickstoffdioxid – selbst in geringer Dosis gesundheitsgefährdend

Stickstoffdioxid (NO2) ist ein Gas. Es entsteht vor allem durch Verbrennungsprozesse wie den Straßenverkehr oder in der Industrie. Stickstoffdioxid reizt die Atemwege und kann Entzündungen in der Lunge verursachen. Das wiederum kann zu verschiedenen Erkrankungen führen, wie

  • Atemwegserkrankungen,
  • einer Verschlechterung von Asthma und
  • einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Stickstoffdioxid ist selbst in geringen Konzentrationen gesundheitsschädlich.

Quellen

  • Helmholtz Munich: Luftverschmutzung und Sterblichkeit: Globale Studie zeigt anhaltende Gesundheitsrisiken trotz sinkender Schadstoffwerte. Meldung vom 5.9.2024
  • Schwarz, M. et al.: Temporal variations in the short-term effects of ambient air pollution on cardiovascular and respiratory mortality: a pooled analysis of 380 urban areas over a 22-year period. In: The Lancet Planetary Health 2024, 8 (9): E657 – E665

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