Ein Wissenschaftsteam unter Beteiligung von Forschenden des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) wertete die Daten von zwei umfangreichen Patientendatenbanken aus:
- das deutsche INSIGHTS-IPF-Register mit 1.232 Teilnehmenden mit idiopathischer Lungenfibrose und
- das kanadische CARE-PF-Register mit 490 Personen mit idiopathischer Lungenfibrose sowie weiteren Betroffenen mit fibrotischen interstitiellen Lungenerkrankungen.
Die Forschenden erfassten unter anderem
- die Lungenfunktion,
- die körperliche Fitness,
- den Ernährungsstatus und
- Begleiterkrankungen.
Dabei handelt es sich insgesamt um gut verfügbare klinische Messdaten aus der Routineversorgung.
Vier Schlüsselparameter bestimmen das Sterberisiko
Die Forschungsgruppe fand im INSIGHTS-IPF-Register vier Faktoren, die zuverlässig vorhersagten, wie hoch das Sterberisiko innerhalb eines Jahres ist:
- Forcierte Vitalkapazität (FVC)
- Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid (DLCO)
- Sechs-Minuten-Gehstrecke
- Body-Mass-Index (BMI)
Auf Basis dieser Werte definierten die Forschenden drei Risikogruppen:
- Niedriges Risiko: unter 15 Prozent
- Mittleres Risiko: 15 bis 30 Prozent
- Hohes Risiko: über 30 Prozent
Modell in zweitem Register erfolgreich bestätigt
Anschließend überprüfte das Wissenschaftsteam das Risikomodell mit den Daten des kanadischen CARE-PF-Registers. Dort zeigte es eine ähnlich gute Vorhersagekraft – sowohl für die idiopathische Lungenfibrose als auch für andere fibrotische interstitielle Lungenerkrankungen.
Messgrößen könnten zukünftige Behandlungsziele werden
Alle vier erkannten Parameter sind beeinflussbar – etwa durch medizinische Maßnahmen, Rehabilitationsprogramme oder angepasste Therapien. Die Studienautorinnen und -autoren sehen darin die Chance, künftig konkrete, messbare Therapieziele zu definieren und die Behandlung interstitieller Erkrankungen stärker individualisiert auszurichten. Ob der Ansatz künftig in die Versorgung integriert werden kann, müssen weitere Untersuchungen zeigen.
Quelle
Behr, J. et al.: Risk stratification as a guide to goal-oriented management of patients with fibrotic interstitial lung disease: a registry-based analysis. In: ERJ Open Res 2026, 12: 00570-2025