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Lungentransplantation: Medikamenten-Schwankungen vermeiden

Schwankungen im Blutspiegel des Medikaments Tacrolimus, das zur Dämpfung des Immunsystems eingesetzt wird, können das Risiko einer Organabstoßung erhöhen. Diese Konzentrationsänderungen entstehen häufig durch Veränderungen der Nierenfunktion.

Ein Münchener Forschungsteam unter Beteiligung des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) hat die Daten von 509 Lungentransplantierten ausgewertet, die zwischen 2000 und 2018 am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München behandelt wurden. Von diesen verstarben 67 Personen innerhalb der ersten zwei Jahre nach dem Eingriff. Mehr als die Hälfte dieser Patientinnen und Patienten hatten zuvor ein sogenanntes CLAD10 entwickelt.

Die Abkürzung CLAD steht für „chronic lung allograft dysfunction“ und beschreibt eine chronische Abstoßung des transplantierten Organs. CLAD gilt als häufigste Ursache für langfristiges Versagen eines Lungentransplantats und beeinträchtigt die Überlebensrate der Betroffenen deutlich. Ein CLAD10 ist eine frühe Form der Organabstoßung, die sich durch einen Abfall der Lungenfunktion (FEV1) um mindestens zehn Prozent zeigt.

Immunsuppressivum Tacrolimus und Nierenfunktion im Fokus

Nach einer Transplantation müssen Betroffene Medikamente einnehmen, die das Immunsystem bremsen. Eines davon heißt Tacrolimus. Wenn der Tacrolimus-Spiegel im Blut stark schwankt, kann das riskant sein. 

Die Forschenden fanden ein wiederkehrendes Muster: 

  1. Zunächst steigen die Tacrolimus-Spiegel stark an. 
  2. Darauf folgt häufig ein akutes Nierenversagen.
  3. Das Nierenversagung führt wiederum dazu, dass die Medikamenten-Spiegel auf ein zu niedriges Niveau absinken. 

Die dritte Phase mit zu wenig Tacrolimus tritt oft wenige Wochen vor Beginn der CLAD10 auf. Die Forschenden vermuten deshalb, dass nicht nur das Nierenversagen selbst, sondern vor allem die daraus resultierenden Schwankungen im Spiegel des Immunsuppressivums das Risiko für eine frühe chronische Abstoßung erhöhen. 

Was bedeutet das für Betroffene? 

Die Studie zeigt, wie wichtig eine regelmäßige Kontrolle ist:

  • Tacrolimus-Spiegel müssen eng überwacht werden.
  • Auch die Nierenfunktion sollte häufig geprüft werden.
  • Ziel ist es, Abweichungen früh zu erkennen – bevor sie Schäden anrichten können.

Wenn Ärztinnen und Ärzte diese Entwicklungen rechtzeitig bemerken, können sie möglicherweise verhindern, dass sich frühe Abstoßungsreaktionen entwickeln. Das würde vielen Menschen helfen, länger und stabiler mit ihrer neuen Lunge zu leben, so die Forschungsgruppe.

Quelle

Hauber, R. et al.: The critical relationship between tacrolimus levels, acute kidney injury, and early chronic lung allograft dysfunction. In: Frontiers in Transplantation 2026, 4: 1704682

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