Masken, Abstand halten und weniger Kontakte sollten während der Corona-Pandemie vor allem das Coronavirus SARS-CoV-2 eindämmen. Doch diese Maßnahmen wirkten sich offenbar auch auf die Verbreitung der Grippe (Influenza) aus.
Ein internationales Team unter Beteiligung von Forschenden des Deutschen Zentrums für Lungenforschung hat untersucht, wie sich die Zahl der Grippe-Fälle während der Pandemie veränderte. Dafür werteten die Forschenden in einer Metaanalyse 115 Studien aus 98 Ländern aus.
Das Ergebnis: Weltweit sank die Zahl neuer Grippe-Fälle während der Pandemie um durchschnittlich 92 Prozent im Vergleich zur Zeit davor.
Grippe während Corona: Große Unterschiede zwischen den Ländern
Der Rückgang zeigte sich in allen untersuchten Weltregionen. Allerdings fiel er unterschiedlich stark aus. In einigen Ländern traten zeitweise fast keine Grippe-Fälle mehr auf (zum Beispiel in Deutschland, Norwegen, Singapur oder der Schweiz). In Südkorea sank die Zahl dagegen nur um etwa 61 Prozent.
Im Zusammenhang mit dem Rückgang wurden die folgenden Faktoren diskutiert:
- In Ländern mit hohem Einkommen gingen die Grippefälle stärker zurück als in Ländern mit niedrigem Einkommen.
- Bei Kindern sanken die Zahlen weniger stark (um 66 Prozent) als bei Erwachsenen (um 80 Prozent).
- Die Infektionszahlen für Grippe sanken stärker in Ländern mit strengerer Umsetzung der Corona-Schutzmaßnahmen wie Tragen von Masken, Abstand halten und Kontakte reduzieren, Schulschließungen oder verbesserter Hygiene.
- Influenza-A-Viren gingen offenbar stärker zurück als Influenza-B-Viren.
Was bedeuten die Ergebnisse für den Schutz vor Infektionen?
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Schutzmaßnahmen während der Corona-Pandemie nicht nur die Verbreitung des Coronavirus, sondern auch die Übertragung von Grippe-Viren deutlich verringert haben. Wie viel einzelne Maßnahmen wie Masken oder Kontaktbeschränkungen dazu beigetragen haben, lässt sich aus der Studie jedoch nicht ableiten.
Die Forschenden empfehlen, Atemwegsinfektionen künftig weltweit besser und einheitlicher zu erfassen. So könnten Fachleute künftig schneller erkennen, wie sich Viren verbreiten und welche Maßnahmen bei einer neuen Pandemie sinnvoll sind.
Quelle
Böhler, L.I. et al.: Impact of Non-Pharmaceutical Interventions Targeted at COVID-19 Pandemic on Influenza Burden — A Systematic Review and Meta-Analysis. In: Influenza and Other Respiratory Viruses. 2026; 20 (8): e70301