Schätzungen zufolge leben in Deutschland mehr als 100.000 Menschen mit Bronchiektasen – also dauerhaft bestehenden Aussackungen und Erweiterungen der Bronchien.
Späte Diagnose und unstrukturierte Versorgung von Bronchiektasen
Symptome wie Husten und Luftnot werden häufig mit anderen chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD verwechselt. Dadurch vergehen oft Jahre, bis Betroffene die richtige Diagnose erhalten.
Doch selbst wenn die Erkrankung festgestellt ist, bleibt die Versorgung in vielen Fällen unzureichend: Es gibt bislang keine spezifischen Versorgungsmodelle, um die Behandlungsqualität zu sichern.
Auch psychische Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen, die rund ein Drittel der Menschen mit Bronchiektasen betreffen, werden häufig vernachlässigt. Die Leitlinie „Management erwachsener Patientinnen und Patienten mit Bronchiektasen-Erkrankung“ empfiehlt zwar ein Screening auf psychische Erkrankungen – dies findet in der Realität jedoch kaum statt.
Für Betroffene bedeutet dies häufig wiederkehrende Krankheitsschübe, Erschöpfung und psychische Belastungen, was die Lebensqualität erheblich einschränken kann.
Acht Handlungsempfehlungen des Deutschen Bronchiektasen Netzwerks
Das Deutsche Bronchiektasen Netzwerk setzt sich daher für acht konkrete Handlungsempfehlungen ein:
- Wissen systematisch verankern für eine bessere Diagnosesicherheit und Versorgungsqualität
- Verbindliche Früherkennung, um den Krankheitsverlauf durch eine frühzeitige Behandlung zu stabilisieren und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden
- Strukturierte Qualitätsstandards etablieren, um die ambulante Versorgung zu stärken und Krankenhausaufenthalte zu reduzieren
- Interdisziplinäre Begleitstrukturen stärken, um Innovationen schneller in die Versorgung zu bringen
- Zugang zu spezialisierter Atemphysiotherapie sichern, um Infektionen vorzubeugen und die Lebensqualität zu verbessern
- Digitale Versorgung gezielt integrieren, um das Selbstmanagement zu stärken und Betroffene zu unterstützen, ihre Behandlung gut einzuhalten
- Nationales Bronchiektasen-Register verankern, um Innovationen und eine gute Ressourcensteuerung zu ermöglichen
- Transparenz durch belastbare Versorgungsdaten schaffen, um die Qualität zu verbessern sowie Ressourcen besser zu planen und nachhaltig zu steuern
Wer steckt hinter dem Deutschen Bronchiektasen Netzwerk?
Das Deutsche Bronchiektasen Netzwerk ist ein Zusammenschluss von Menschen mit Bronchiektasen und Fachleuten aus Wissenschaft, Selbstverwaltung und Medizin. Dabei steht die Perspektive der Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt.
Das Netzwerk versteht sich als aktiver und selbständiger politischer Akteur und sucht den gezielten Austausch mit Politik, Krankenkassen und Verbänden. Es arbeitet ergänzend zu bestehenden Strukturen und Initiativen im Bereich der Bronchiektasen-Erkrankung und Lungenerkrankungen allgemein.
Finanzielle Unterstützung erhält das Deutsche Bronchiektasen Netzwerk von einem Pharmazie- und Biotechnologieunternehmen.
Quellen
- Deutsches Bronchiektasen Netzwerk: White Paper zur besseren Versorgung von Menschen mit Bronchiektasen-Erkrankung, Stand: Juni 2026
- Deutsches Bronchiektasen Netzwerk: Wege aus der Unterversorgung: Deutsches Bronchiektasen Netzwerk (DBN) strebt strukturelle Verbesserungen für über 100.000 Betroffene an. Pressemeldung vom 16.09.2026