Das Atmen wird von einem komplexen Netzwerk von Nervenzellen im Gehirn gesteuert – dem sogenannten Atemzentrum. Da jedes Gehirn einzigartig ist, liegt nahe, dass auch die Atemmuster von Personen individuell unterschiedlich und charakteristisch sind. Dieser Vermutung sind Forschende aus Israel nachgegangen. Sie entwickelten hierfür ein Gerät, das am Körper befestigt werden kann und den Luftstrom aus jedem Nasenloch über 24 Stunden misst.
Für die Studie werteten die Forschenden die Daten von 97 gesunden Personen im Alter von 18 bis 35 Jahren aus, die das Gerät für 24 Stunden trugen. 42 der Personen führten auch einen zweiten Test mit einem zeitlichen Abstand von 5 Tagen bis 23 Monaten durch. Die Teilnehmenden protokollierten ihre täglichen Aktivitäten und füllten mehrere standardisierte Fragebögen aus.
Atemmuster zeigt körperliche und psychische Gesundheit
Die Wissenschaftler:innen konnten die Menschen anhand ihrer Atemmuster mit einer Genauigkeit von rund 97 Prozent identifizieren. Dies ist vergleichbar mit der Genauigkeit durch eine Identifizierung mithilfe von moderner Spracherkennung. Bei den Personen, die nach einem zeitlichen Abstand einen zweiten Test durchführten, blieben die Atemmuster stabil.
Die Atemmuster gaben auch Hinweise auf den körperlichen und emotionalen Zustand der Teilnehmenden. So erkannten die Forschenden Zusammenhänge mit
- dem Körpergewicht,
- dem Stresslevel sowie mit
- Ängsten und depressiven Verstimmungen.
Großes Potenzial für Medizin und Grundlagenforschung
Die Studienautor:innen sehen ein großes Potenzial für die Atem-Fingerabdrücke – sowohl in der medizinischen Diagnostik und Behandlung als auch in der Grundlagenforschung.
So könnte die Analyse von langfristigen Atemmustern neue Erkenntnisse über verschiedene Krankheiten liefern. Dies gilt besonders für Erkrankungen, bei denen die Atemsteuerung im Gehirn betroffen ist.
Quelle
Soroka, T. et al: Humans have nasal respiratory fingerprints, In: Current Biology 2025, (35), 13