Wie wird COPD diagnostiziert?

Anhaltender Husten und Auswurf sind Anlass genug, um den Verdacht des Arztes oder der Ärztin auf eine COPD zu lenken. Zunächst werden in einem ausführlichen Gespräch mit dem Patienten oder der Patientin alle Beschwerden und die Krankheitsgeschichte besprochen. Durch gezieltes Fragen versucht der Arzt/die Ärztin, den Verdacht zu erhärten. Wichtig ist dabei zu klären, ob Risikofaktoren vorliegen, also etwa ob der Patient/die Patientin raucht beziehungsweise geraucht hat, oder im Beruf potenziell schädigenden Substanzen ausgesetzt ist. Auch die Häufigkeit und Intensität der Beschwerden sowie das Ausmaß der Beeinträchtigung im Alltag werden in diesem Gespräch abgeklärt. Daran schließt sich die körperliche Untersuchung an. Diese kann bei gering ausgeprägter COPD allerdings meist unauffällig ausfallen. Kennzeichen einer Atemwegsobstruktion wie eine verlängerte Ausatmung und Atemgeräusche wie Pfeifen und Brummen treten in der Regel erst im moderaten Stadium auf.

Unterschiede COPD, chronische Bronchitis, Asthma

Das bedeutendste und aussagekräftigste diagnostische Hilfsmittel im Zusammenhang mit der COPD ist die Lungenfunktionsprüfung – auch Spirometrie genannt. Dieses einfach durchzuführende und schmerzlose Verfahren gibt Auskunft über Funktions- und Leistungsfähigkeit der Atmungsorgane, und somit auch über eventuell vorliegende Einschränkungen. Zudem erlaubt die Spirometrie, den Schweregrad der COPD zu bestimmen und die Krankheit von anderen Erkrankungen zu unterscheiden.

Je nach Fragestellung können sich dann noch weitere Untersuchungen anschließen. So liefert beispielsweise die Ganzkörperplethysmografie Anhaltspunkte, ob es sich eher um eine COPD mit chronischer Bronchitis oder eine COPD mit Lungenemphysem handelt. Der Reversibilitätstest mit bronchienerweiternden Medikamenten hilft dabei, eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung vom ebenfalls mit einer Verengung der Atemwege einhergehenden Asthma bronchiale zu unterscheiden.
Auch bildgebende Verfahren wie der Röntgen-Thorax oder - bei Verdacht auf ein Lungenemphysem - die Computertomografie gehören zur Standard-Diagnostik. Im fortgeschrittenen Stadium kann außerdem eine Messung der arteriellen Blutgase sinnvoll sein, um Störungen des respiratorischen Gasaustausches festzustellen. Eine Endoskopie der Bronchien, eine so genannte Bronchoskopie, dient zum Ausschluss anderer Krankheiten wie beispielsweise dem Bronchialkarzinom bei blutigem Sputum.

Wie erfolgt die diagnostische Einteilung in COPD-Schweregrade?

Die diagnostische Einteilung der Schweregrade der COPD-Erkrankung ist in der Nationalen Versorgungsleitlinie und den Richtlinien Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) vorgenommen worden. Entscheidendes Kriterium sind dabei die in der Lungenfunktionsprüfung ermittelten Parameter FEV1, Vitalkapazität und relative Einsekundenkapazität (FEV1/VK). Aber auch das Ausmaß der Symptome und die Anzahl an akuten Krankheitsschüben (Exazerbationen) fließt in die Bewertung mit ein.

2017 haben die Experten des GOLD-Wissenschaftskomitees ihre Richtlinien überarbeitet und die Aufteilung der COPD-Schweregrade verfeinert, um noch besser auf einzelne COPD-Patienten eingehen zu können. Der Lungenfunktionswert (FEV1 in Prozent des Sollwertes) wird jetzt von den bisherigen ABCD-Graden getrennt beurteilt. Die neue Klassifizierung ermöglicht eine getrennte Sicht auf Lungenfunktion einerseits und klinische Parameter andererseits. Zugleich möchte das GOLD-Komitee den Symptomen und den Exazerbationen größere Bedeutung verleihen und noch individuellere Therapieentscheidungen ermöglichen.

Die Einteilung der Schweregrade erfolgt jetzt in zwei Schritten.

 

 

Erster Schritt: Einteilung der COPD-Patienten in die spirometrischen Schweregrade GOLD 1 bis GOLD 4, anhand des FEV1-Wertes

GOLD 1: FEV1 ≥ 80 % des Sollwertes
GOLD 2: FEV1< 80 % und ≥ 50 % des Sollwertes
GOLD 3: FEV1 < 50 % und ≥ 30 % des Sollwertes
GOLD 4: FEV1 < 30 % des Sollwertes

Zweiter Schritt: Einteilung der COPD-Patienten in die Gruppen A bis D, anhand der Anzahl von Exazerbationen und des Ausmaßes der Symptome

Zusätzlich zur spirometrischen Klassifikation fließen im zweiten Schritt auch die Zahl der Exazerbationen sowie das Ausmaß der Symptome mit in die Schweregradeinteilung ein. Beurteilt werden:

Aus dieser Bewertung ergeben sich vier Gruppen:

Gruppe A: 0 bis 1 Exazerbation im letzten Jahr, die nicht im Krankenhaus behandelt werden musste; wenige Symptome (CAT <10; mMRC 0-1)

Gruppe B: 0 bis 1 Exazerbation im letzten Jahr, die nicht im Krankenhaus behandelt werden musste; mehr Symptome (CAT ≥ 10; mMRC ≥ 2)

Gruppe C: ≥ 2 Exazerbationen im letzten Jahr oder ≥ 1 Exazerbation, die im Krankenhaus behandelt werden musste; wenige Symptome (CAT <10; mMRC 0-1)

Gruppe D: ≥ 2 Exazerbationen im letzten Jahr oder ≥ 1 Exazerbation, die im Krankenhaus behandelt werden musste; mehr Symptome (CAT ≥ 10; mMRC ≥ 2)

Einteilung der COPD-Schweregrade nach GOLD 2017

Ein Beispiel: Ein Patient und eine Patientin stellen sich beim Arzt vor, beide haben weniger als 30 Prozent der erwarteten Lungenfunktion und eine ähnliche (relativ hohe) Symptomlast. Der Patient allerdings hatte im vergangenen Jahr drei Exazerbationen, während die Patientin gar keine hatte. Mit der alten Regelung wären beide als GOLD D  klassifiziert worden. Nach der neuen Gruppierung würde der eine Fall (drei Exazerbationen) jedoch als GOLD 4D, der andere (ohne Exazerbationen) als GOLD 4B klassifiziert. Hier sollen dann entsprechende Behandlungsentscheidungen aufsetzen.

Begleiterkrankungen bei COPD

Darüber hinaus versteht man immer besser, dass die COPD häufig mit anderen Erkrankungen einhergeht. Daher gehört zur Diagnose der COPD auch eine umfangreiche und gezielte Diagnostik bezüglich der Begleiterkrankungen. Die Tabelle zeigt die häufigsten dieser Erkrankungen:

OrgansystemBegleiterkrankungen
Herz-KreislaufsystemKoronare Herzerkrankung
Herzinsuffizienz
Arterielle Hypertonie
Zentrales NervensystemAngststörung
Depression
Muskuloskeletales SystemMuskelschwund (Atrophie)
Osteoporose
Endokrines System /
Stoffwechsel
Metabolisches Syndrom
Diabetes mellitus Typ II

Gewichtsverlust, Kachexie
NeoplasienBronchialkarzinom
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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Wissenschaftliche Beratung: Dr. med. Timm Greulich, Universitätsklinikum Gießen und Marburg

Letzte Aktualisierung:

10.07.2017

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