Wie wird die COPD-Diagnose gestellt?

Anhaltender Husten und Auswurf sind Anlass genug, um den Verdacht des Arztes oder der Ärztin auf die chronisch obstruktive Lungenerkrankung zu lenken. Nach der aktuellen Leitlinie soll die COPD-Diagnose zunächst anhand von drei Punkten gestellt werden:

  • Anamnese (Arzt-Patienten-Gespräch)
  • Charakteristische Symptome (Atemnot unter Belastung, Husten, Auswurf)
  • Lungenfunktionsprüfung vor und nach Bronchodilatation

Besonders wichtig ist es, auch andere obstruktive Atemwegskrankheiten auszuschließen. Durch weitere Untersuchungen wie Ganzkörperplathysmopraphie (GKP), Blutgasanalyse (BGA), Diffusionskapazität für Kohlenmonoxid, Bildgebung und standardisierte Belastungstests kann die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD weiter charakterisiert werden.

Am Anfang steht das Gespräch mit dem Arzt

In einem ausführlichen Gespräch mit dem Patienten oder der Patientin werden zunächst alle Beschwerden und die Krankheitsgeschichte besprochen (Anamnese). Wichtig ist dabei zu klären, ob Risikofaktoren vorliegen, also etwa ob der Patient/die Patientin raucht beziehungsweise geraucht hat, oder im Beruf potenziell schädigenden Substanzen ausgesetzt ist. Auch die Häufigkeit und Intensität der Beschwerden sowie das Ausmaß der Beeinträchtigung im Alltag werden abgeklärt.

COPD-Diagnose. Arzt hört Atemgeräusche eines Patienten ab.
© Rido - Fotolia.com

Daran schließt sich eine körperliche Untersuchung an. Diese kann bei gering ausgeprägter COPD allerdings meist unauffällig ausfallen. Kennzeichen einer Atemwegsobstruktion wie eine verlängerte Ausatmung und Atemgeräusche wie Pfeifen und Brummen treten in der Regel erst bei mittelschwerer und schwerer COPD auf.

COPD-Diagnose: Untersuchungen

Die bedeutendste und aussagekräftigste Untersuchung im Zusammenhang mit COPD ist die Lungenfunktionsprüfung – auch Spirometrie genannt. Dieses einfach durchzuführende und schmerzlose Verfahren gibt Auskunft über Funktions- und Leistungsfähigkeit der Lunge, und somit auch über eventuell vorliegende Einschränkungen. Zudem erlaubt die Spirometrie, den Schweregrad der COPD zu bestimmen und die Krankheit von anderen Erkrankungen zu unterscheiden.

Lungenfunktionsprüfungen sollten nach der COPD-Diagnose fester Teil der Verlaufsuntersuchungen sein, um die Entwicklung und ein eventuelles Voranschreiten der Erkrankung im Auge zu behalten.

Je nach Fragestellung können sich an Anamnese und Lungenfunktionstests noch weitere Untersuchungen anschließen:

So liefert beispielsweise die Ganzkörperplethysmografie zusammen mit der Diffusionskapazitätsmessung Anhaltspunkte, ob es sich eher um eine COPD mit chronischer Bronchitis oder eine COPD mit Lungenemphysem handelt. In einigen Fällen ist die COPD in der Spirometrie nicht erkennbar, zeigt sich aber in der Ganzkörperplethysmographie.

Der Reversibilitätstest mit bronchienerweiternden Medikamenten hilft dabei, COPD vom Asthma bronchiale zu unterscheiden, bei dem die Atemwege ebenfalls verengt sind.

Untersuchungen bei COPD. Grafik von zwei laufenden Schuhen.
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Mit kontrollierten Belastungstests kann die körperliche Belastbarkeit der COPD- Patienten beurteilt werden. Außerdem können diese Tests auch dabei helfen die Wirkung der Therapie zu testen oder ein geeignetes Trainingsprogramm auszuwählen. Der 6 Minuten Gehtest ist der am häufigsten eingesetzte Belastungstest.

Auch bildgebende Verfahren wie der Röntgen-Thorax oder - bei Verdacht auf ein Lungenemphysem - die Computertomografie (CT) gehören zur Standard-Diagnostik bei COPD. Im fortgeschrittenen Stadium kann es außerdem sinnvoll sein, die arteriellen Blutgase zu messen, um Störungen beim Gasaustausch in der Lunge festzustellen.

Mit einer Endoskopie der Bronchien, einer so genannte Bronchoskopie, können andere Krankheiten wie beispielsweise ein Lungentumor (Bronchialkarzinom) ausgeschlossen werden.

Wie erfolgt die diagnostische Einteilung in COPD-Schweregrade?

Die COPD-Schweregrade richten sich nach dem jährlichen Report der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD). 2017 wurde das Bewertungsschema zuletzt grundlegend überarbeitet und verfeinert, um noch besser auf einzelne Patienten eingehen zu können und individuellere Therapieentscheidungen zu ermöglichen. So richtet sich die medikamentöse Stufen-Therapie nun nicht mehr ausschließlich nach dem Schweregrad der Atemwegsverengung, sondern vielmehr nach dem Ausmaß der Symptome und der Anzahl akuter Verschlechterungen (Exazerbationen).

Die Bewertung der COPD erfolgt somit in zwei Schritten:

Gut zu wissen:

Der individuelle FEV1-Sollwert kann anhand von Alter, Geschlecht und Größe berechnet werden.

1) Schweregrad der Atemwegsverengung anhand der Lungenfunktion (GOLD I bis IV)

Durch eine Spirometrie-Untersuchung kann der Arzt oder die Ärztin herausfinden wie stark die Bronchien der Patienten verengt sind (Obstruktion).  Ausschlaggebend ist hier der Lungenfunktionswert FEV1, die sogenannte Einsekundenkapazität. Dieser Wert gibt an, wie viel Luft ein Patient oder eine Patientin nach vollständigem Einatmen innerhalb einer Sekunde so schnell wie möglich wieder ausatmen kann.

Der gemessene Wert wird dann mit dem individuellen Sollwert der Patienten verglichen. So kann die Atemwegsverengung in die Schweregrade  GOLD I (leicht) bis GOLD IV (schwer) eingeteilt werden.

Schweregrade der Obstruktion bei COPD nach GOLD (nach: Vogelmeier, C. et al., 2018)
GOLD I (leicht) FEV1 ≥ 80 % des Sollwertes
GOLD II (mittelgradig) FEV1< 80 % und ≥ 50 % des Sollwertes
GOLD III (schwer) FEV1 < 50 % und ≥ 30 % des Sollwertes
GOLD IV (sehr schwer) FEV1 < 30 % des Sollwertes

Schweregrade der Obstruktion bei COPD nach GOLD (nach: Vogelmeier, C. et al., 2018)

2) Einteilung in die Gruppen A bis D, anhand der Symptome und Zahl von Exazerbationen

Einteilung der COPD-Schweregrade nach GOLD 2017

Da die Lungenfunktion bzw.  der FEV1-Wert nicht unbedingt direkt mit der Lebensqualität, den Symptomen oder der Häufigkeit von akuten Krankheitsverschlechterungen (Exazerbationen) zusammenhängt, richtet sich die COPD-Therapie seit 2017 in erster Linie nach der „ABCD-Klassifikation“.  Die Einteilung in die Gruppen A bis D baut auf patientenrelevanten Faktoren, wie den Symptomen und dem Exazerbationsrisiko auf. Beurteilt werden:

Aus dieser Bewertung ergeben sich die vier Gruppen:

     

2) Einteilung der COPD in die Gruppen A bis D, anhand der Symptome und Zahl von Exazerbationen
Gruppe A - 0 bis 1 Exazerbation im letzten Jahr, die nicht im Krankenhaus behandelt werden musste
- wenige Symptome (CAT kleiner 10; mMRC 0 bis 1)
Gruppe B - 0 bis 1 Exazerbation im letzten Jahr, die nicht im Krankenhaus behandelt werden musste;
- mehr Symptome (CAT mindestens 10; mMRC mindestens 2)
Gruppe C - mindestens zwei Exazerbationen im letzten Jahr oder mindestens eine Exazerbation, die im Krankenhaus behandelt werden musste;
- wenige Symptome (CAT kleiner 10; mMRC 0 bis 1)
Gruppe D - mindestens zwei Exazerbationen im letzten Jahr oder mindestens eine Exazerbation, die im Krankenhaus behandelt werden musste;
- mehr Symptome (CAT mindestens 10; mMRC mindestens 2)

Ein Beispiel: Ein Patient und eine Patientin stellen sich beim Arzt vor, beide haben weniger als 30 Prozent der erwarteten Lungenfunktion und eine ähnliche (relativ hohe) Symptomlast. Der Patient allerdings hatte im vergangenen Jahr drei Exazerbationen, während die Patientin gar keine hatte. Mit der alten Regelung wären beide als GOLD D  klassifiziert worden. Nach der neuen Gruppierung würde der eine Fall (drei Exazerbationen) jedoch als GOLD 4D, der andere (ohne Exazerbationen) als GOLD 4B klassifiziert. Hier sollen dann entsprechende Behandlungsentscheidungen aufsetzen.

Begleiterkrankungen bei COPD

COPD geht häufig mit anderen Erkrankungen einher. Daher gehört zur Diagnose der COPD auch eine umfangreiche und gezielte Diagnostik bezüglich der Begleiterkrankungen.

Die folgende Tabelle zeigt die häufigsten Erkrankungen, die zusammen mit COPD auftreten:

Begleiterkrankungen bei COPD
Organsystem Begleiterkrankungen
Herz-Kreislaufsystem - Koronare Herzerkrankung
- Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
- Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie)
Zentrales Nervensystem - Angststörung
- Depression
Muskuloskelettales System - Muskelschwund (Atrophie)
- Knochenschwund (Osteoporose)
Endokrines System/ Stoffwechsel - Metabolisches Syndrom
- Diabetes mellitus Typ 2
- Gewichtsverlust, bis hin zu Kachexie (krankhaft starker Gewichtsverlust)
Neoplasien - Bronchialkarzinom (Lungenkrebs)
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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Wissenschaftliche Beratung: PD Dr. med. Timm Greulich, Universitätsklinikum Gießen und Marburg

  • Vogelmeier, C. et al.: Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). Stand 01.01.2018 
  • GOLD Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease: Global Strategy for Diagnosis, Management, and Prevention of Chronic Obstructive Pulmonary Disease, Update 2017
  • Arand, M.: Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD): Klassifikation geändert. Dtsch Arztebl 2017; 114(9): [18]; DOI: 10.3238/PersPneumo.2017.03.03.04 
  • Klemmer, A. et al.: Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), In: Der Internist, 2014, 55:401-414

 

 

 

Letzte Aktualisierung:

22.02.2019

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