Lungenentzündung: Aktuelle Forschungsansätze

Die Lungenentzündung (Pneumonie) ist die häufigste, zum Tod führende Infektionskrankheit in den Industrieländern. Die rasant steigende Zahl resistenter Erreger macht eine Pneumonie gefährlich und stellt weltweit ein gravierendes Problem dar.

 

Daher hat das Bundesforschungsministerium im Jahr 2001 das Kompetenznetzwerk „Ambulant erworbene Pneumonie“ (CAPNETZ) gegründet. Ziel dieses Netzwerkes ist es, Krankheitsrate und Sterblichkeit bei Lungenentzündungen zu reduzieren. In CAPNETZ arbeiten niedergelassene und klinisch tätige Ärzte mit Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen aus führenden Forschungseinrichtungen zusammen. In einer großen Datenbank werden klinische und mikrobiologische Daten von bislang über 8.000 Patienten (Stand 2010) erfasst. Etwa ein Drittel dieser Patienten befand sich in ambulanter Behandlung, der Rest wurde stationär aufgenommen.

Vernetzte Suche nach neuen Impfstoffen

13 internationale Forschungseinrichtungen aus zehn Ländern haben sich zusammengeschlossen und ein Projekt namens „CAREPNEUMO“ ins Leben gerufen. Ziel des von der Europäischen Union mit drei Millionen Euro geförderten Projekts ist es, neue Impfstoffe und Antibiotika gegen Pneumokokken zu entwickeln. Dazu gehört auch, die Mechanismen besser zu verstehen, über die S. pneumoniae seine Wirkung entfaltet. Denn dies eröffnet den Weg zu neuen Therapieansätzen. Unter der Koordination des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig gehen die Forscher vier wichtigen Fragen nach: 

  • Welche Bedeutung haben die einzelnen Pneumokokken-Arten weltweit?
  • Wie überwinden die Krankheitserreger das menschliche Immunsystem?
  • Welche Schlüsse kann man aus diesen Erkenntnissen für mögliche Medikamente, Impfstoffe und neue Therapien gewinnen?
  • Wie begegnet man einer drohenden Antibiotika-Resistenz?

Neue Behandlungsformen mit Enzymen

Einen neuen Therapieansatz haben Wissenschaftler der Charité Berlin gemeinsam mit Kollegen aus New York gefunden. Ihnen ist es gelungen, an einer schweren Pneumokokken-Pneumonie erkrankte Mäuse mit einer Substanz namens Cpl-1 zu heilen. Das interessante daran: Cpl-1 ist kein Antibiotikum, sondern ein Enzym, das von Bakteriophagen produziert wird. Bakteriophagen sind Viren, die in Bakterien eindringen, sich dort vermehren und dann das Bakterium zerstören, um es wieder verlassen zu können. 


Es handelt sich um eine völlig neue Behandlungsstrategie gegen Pneumokokken. Sie wirkt durch Cpl-1 hochspezifisch gegen S. pneumoniae und deshalb, im Gegensatz zu den Antibiotika, die nützliche Bakterienflora nicht angreift. Wie wirksam und verträglich das Enzym beim Menschen ist, muss allerdings noch untersucht werden. 

zum Seitenanfang
Druckversion