Welche akuten Komplikationen können auftreten?

Wie jede andere Operation ist auch die Lungentransplantation mit bestimmten Risiken verbunden. Dazu gehören Blutungen und Undichtigkeiten an den Nahtstellen. Anders als in den „Pionierzeiten“ von Mitte bis Ende der 1980er Jahre gilt der Eingriff selbst heute als etabliertes und sicheres Verfahren, über 90 Prozent der Empfänger überleben den Krankenhausaufenthalt.

Kritischer ist die Zeit nach der Transplantation. Laut Statistik machen im ersten Jahr nach der Operation etwa 30 Prozent der Patienten mindestens eine Episode einer akuten Abstoßung durch. Dabei kommt es vereinfacht gesagt zu einer Entzündungsreaktion in und um die kleinen Blutgefäße der Lunge. Klinisch sichtbare Anzeichen sind:

  • Fieber,
  • Müdigkeit,
  • trockener Husten,
  • Atemnot und
  • eine Einschränkung der Lungenfunktion, die sich an Parametern wie einem Abfall der Einsekundenkapazität FEV1 (eine Messgröße bei der Spirometrie) erkennen lässt.

Zur Behandlung werden Glukokortikoide in hoher Dosierung eingesetzt. Diese synthetischen Abkömmlinge des körpereigenen Hormons Cortisol dämpfen das Immunsystem und wirken so entzündungshemmend. Außerdem erhöht man die Dosierung der anderen Immunsuppressiva. Durch diese Maßnahmen lässt sich die akute Abstoßung meist in den Griff bekommen, ohne dass an der Lunge bleibende Schäden entstehen.

IN KÜRZE:

Akute Abstoßungsreaktionen und Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen zählen zu den häufigsten Komplikationen in den ersten Monaten nach einer Transplantation.

Infektionen nach Lungentransplantation

Im ersten Jahr nach Erhalt einer neuen Lunge häufen sich auch Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen: Da die Immunabwehr der Patienten unterdrückt ist, sind sie vor den Erregern schlechter geschützt als gesunde Menschen. Oder umgekehrt formuliert: Gefährliche Krankheitskeime können leichter in den Organismus eindringen und sich dort ausbreiten.

Ein weiteres Problem nach Lungentransplantationen sind so genannte obstruktive Atemwegskomplikationen – Verengungen der Atemwege, die von den Nahtstellen, an denen die Spenderlunge mit dem Bronchialsystem des Empfängers verbunden wird, ausgehen. Neue Verfahren wie medikamentenbeschichtete Ballons und abbaubare Stents haben die Behandlung verbessert.

Um all die frühen Komplikationen bei Lungentransplantierten rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen zu können, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen mit Blutabnahmen, Lungenfunktionstests und Bronchoskopien enorm wichtig. Gerade in den ersten besonders kritischen Monaten nach der Lungentransplantation werden sie deshalb in relativ kurzen Abständen durchgeführt.

Langfristige Komplikation: Das chronische Transplantatversagen (CLAD)

Leider ist noch sehr wenig über die Entstehung und die Behandlungsmöglichkeiten des chronischen Transplantatversagens (CLAD, engl.: chronic lung allograft dysfunction) bekannt. Dabei sind 50 Prozent der Lungentransplantierten innerhalb der ersten fünf Jahre nach dem Eingriff betroffen. Zehn Jahre nach der Operation waren sogar 76 Prozent betroffen. Das chronische Transplantatversagen ist deshalb die wichtigste langfristige Komplikation, die nach einer Lungentransplantation auftreten kann.

Trotz vieler Fortschritte bei der Behandlung von Transplantationspatienten hat sich das Auftreten in den vergangenen Jahren kaum verändert. CLAD ist definitiv die wichtigste langfristige Komplikation bei Lungentransplantationen und gilt als Hauptgrund dafür, dass die Überlebensraten nach wie vor deutlich unter denen anderer Organtransplantationen liegen.

CLAD gilt als Überbegriff für verschiedene Ausprägungen des chronischen Transplantatversagens. Klinisch werden anhand der Lungenfunktion und Bildgebung verschiedene Erscheinungsformen unterschieden. Der Begriff Bronchiolitis obliterans Syndrom (BOS) wird etwa verwendet, um eine sich verschlechternde Organfunktion (verringerte FEV1) als Folge einer Obstruktion der Atemwege zu bezeichnen. 

IN KÜRZE:

Die häufigste später auftretende Komplikation ist das chronische Transplantatversagen. Bei dieser chronischen Abstoßung verhärtet und vernarbt das Lungengewebe - mit der Folge, dass sich die Lungenfunktion verschlechtert.

Woran erkennt man das chronische Transplantatversagen CLAD?

Die Vorgänge beim chronischen Transplantatversagen (CLAD) betreffen vor allem die kleinen Atemwege. Zunächst bilden sich Entzündungsherde, dann wachsen und wuchern die Zellen und eine Art Vernarbungsprozess setzt ein, wodurch sich die kleinen Atemwege verengen. Unter Umständen kann es bis zu einem vollständigen Verschluss kommen (obliterierende Bronchiolitis).

Die Symptome des chronischen Transplantatversagens sind:  

  • trockener Husten,
  • Atemnot (vor allem bei körperlicher Belastung) und
  • eine Verschlechterung der Lungenfunktionswerte.

Die Beschwerden können sowohl schleichend beginnen und voranschreiten, als auch plötzlich auftreten. Das Syndrom bezeichnet eine sich verschlechternde Funktion der transplantierten Lunge in Folge einer Obstruktion (Verengung) gemessen in der Lungenfunktion. Bei Verdacht auf CLAD bedarf es immer einer sorgfältigen Abklärung, weil es von den Symptomen her mit einer akuten Abstoßung, einer Bronchitis oder einer Lungenentzündung verwechselt werden kann.

Wie kommt es zu einem chronischen Transplantatversagen (CLAD)?

Wie es genau zum chronischen Transplantatversagen (CLAD) kommt, ist nicht im Detail bekannt, wird aber intensiv erforscht. Transplantationsbedingte Verletzungen des Gewebes und Entzündungen, die im Zusammenhang mit akuten Abstoßungsereignissen auftreten, gelten aber als Risikofaktoren.

Das chronische Tranplantatversagen kann bis heute nicht ursächlich behandelt oder gar geheilt werden. Die Therapiemöglichkeiten beschränken sich vor allem darauf, das Entstehen oder Fortschreiten zu verhindern. Arbeiten der Medizinischen Hochschule Hannover zeigen, dass hierbei Makrolidantibiotika (z.B. Azithromycin) und die extrakorporale Photopherese wirksam sind. Lässt sich der Verlauf der chronischen Abstoßung nicht aufhalten, kommt es über kurz oder lang zu einer Zerstörung der Lunge, die eine erneute Transplantation erforderlich machen kann.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. med. Jens Gottlieb, Medizinische Hochschule Hannover


Letzte Aktualisierung:

03.04.2018

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