Lungs preparation

Langzeit-Sauerstofftherapie (LTOT)

Bei einer Langzeit-Sauerstofftherapie oder LTOT (Englisch: long term oxygen therapy) erhält eine Person für mindestens 15 Stunden am Tag zusätzlichen Sauerstoff, zumeist über eine Nasenbrille.

Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. med. Andreas Rembert Koczulla, Schön Klinik Berchtesgadener Land, Philipps-Universität Marburg, DZL
Dr. Tessa Schneeberger, Schön Klinik Berchtesgadener Land, Philipps-Universität Marburg, DZL

Wann wird die Langzeit-Sauerstofftherapie angewendet?

Die LTOT ist eine bewährte Behandlungsmethode bei Menschen mit chronischem Sauerstoffmangel im Blut (Hypoxämie). Für die Sauerstoffzufuhr stehen verschiedene Systeme zur Verfügung:

  • Stationäre Sauerstoffgeräte für zu Hause, 
  • aber auch tragbare Geräte, die Anwender:innen mehr Bewegungsfreiheit bieten. 

Eine Langzeit-Sauerstofftherapie kommt bei Menschen in Frage, die unter einem chronischen Sauerstoffmangel (Hypoxämie) leiden. Das heißt, in ihrem arteriellen Blut ist zu wenig Sauerstoff an die roten Blutkörperchen gebunden, um die Organe und Zellen des Körpers gut zu versorgen.

Eine solche chronische Hypoxämie kann eine Reihe von Ursachen haben. An erster Stelle zu nennen sind schwere Lungenerkrankungen wie

Auch Krankheiten, die den Atemvorgang mechanisch behindern, können zu einem chronischen Sauerstoffmangel führen. Wenn etwa die Rippen oder die Wirbelsäule verformt sind und den Brustkorb einengen oder die Atemmuskulatur nicht richtig arbeitet, kann die Lunge ebenfalls nicht genug Sauerstoff aufnehmen.

Aber nicht nur Erkrankungen der Atmungsorgane können einen chronischen Sauerstoffmangel bedingen, sondern auch Herz- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu gehören der Lungenhochdruck, das so genannte Cor pulmonale (Lungenherz) sowie die schwere chronische Herzinsuffizienz.

Der Nutzen der LTOT wurde in verschiedenen wissenschaftlichen Studien untersucht, vor allem im Zusammenhang mit der COPD. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Langzeit-Sauerstofftherapie die Lebenserwartung der Patient:innen signifikant erhöht. Die Behandelten müssen darüber hinaus seltener wiederholt ins Krankenhaus.

Auch in Hinblick auf körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zeigten sich in Studien positive Effekte. Oft ist unter der Langzeit-Sauerstofftherapie wieder eine erheblich verbesserte körperliche Betätigung möglich.

Typische Anzeichen bei dauerhaftem Sauerstoffmangel

Nahezu alle Organe und Zellen sind auf eine stetige Versorgung mit sauerstoffreichem Blut angewiesen. Entsprechend weitreichend sind die Auswirkungen, wenn die Lunge über einen längeren Zeitraum nicht genügend Sauerstoff aufnimmt. Die ersten Anzeichen eines chronischen Sauerstoffmangels sind meist

  • Müdigkeit, Kopfschmerzen
  • Abgeschlagenheit und
  • ein Abfall der körperlichen Leistungsfähigkeit.

Bei einer schweren Unterversorgung führen schon geringe Belastungen zu Luftnot und Erschöpfung.

Cor pulmonale: Überlastung des Herzens

Auf Dauer belastet ein Sauerstoffmangel häufig auch das Herz: Um den Sauerstoffmangel auszugleichen, pumpt die rechte Herzkammer verstärkt Blut in die Lungenarterien. Dies bewirkt einen Lungenhochdruck. Dabei verdicken sich die Gefäßwände im Lungenkreislauf. Dies erschwert die Sauerstoffaufnahme zusätzlich.

Kritisch ist ein Lungenhochdruck vor allem für das Herz, das auf der rechten Seite immer härter arbeiten muss und überlastet wird. Die rechte Herzkammer vergrößert sich und verliert auf Dauer ihre Pumpleistung. Fachleute sprechen auch von einem Cor pulmonale (Lungenherz).

Polyglobulie: Anstieg der roten Blutkörperchen

Ein weiterer Anpassungsmechanismus an die Sauerstoffunterversorgung besteht – ähnlich wie beim Höhentraining von Leistungssportlern – darin, vermehrt rote Blutkörperchen zu bilden. Fachleute sprechen medizinisch von Polyglobulie. Die erhöhte Zahl an roten Blutkörperchen verschlechtert aber die Fließeigenschaften des Blutes und behindert so zusätzlich den Sauerstofftransport.

Welches Ziel hat die Langzeit-Sauerstofftherapie?

Ziel der Langzeit-Sauerstofftherapie ist es, den Teufelskreis von Sauerstoffmangel und dessen körperlichen Folgen zu durchbrechen. Dazu gehört

  • Beschwerden wie Atemnot und Schwächegefühl zu lindern,
  • das Herz und die Gefäße zu entlasten,
  • die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu unterstützen und
  • die Lebensqualität und auch die Lebenserwartung zu verbessern.

Wann ist eine Langzeit-Sauerstofftherapie sinnvoll?

Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin empfehlen eine Langzeit-Sauerstofftherapie, wenn trotz optimaler Therapie in einer stabilen Krankheitsphase ein anhaltender Sauerstoffmangel besteht.

Die entscheidende Messgröße ist der sogenannte arterielle Sauerstoffpartialdruck (PaO2). Dieser zeigt an, wie viel Sauerstoff im arteriellen Blut gelöst ist. Die Ärztin oder der Arzt bestimmt ihn durch eine Blutgasanalyse. Anhand einer Blutprobe aus dem Ohrläppchen oder einer Arterie lässt sich binnen weniger Minuten der PaO2 bestimmen, angegeben in der Einheit mmHg (Millimeter Quecksilbersäule).

Die Grenzwerte liegen bei:

  • 55 mmHg oder weniger in Ruhe beziehungsweise
  • 60 mmHg oder weniger in Ruhe, wenn bereits ein Cor pulmonale oder eine Polyglobulie besteht.

Wichtig ist, dass die Werte in einer stabilen Krankheitsphase mindestens zweimal im Abstand von drei Wochen gemessen werden. Dabei kontrolliert die Ärztin oder der Arzt auch, wie sich die Werte in einer Belastungssituation verhalten und ob sie sich durch eine Sauerstofftherapie messbar verbessern.

Nachdem die chronische Hypoxämie diagnostisch bestätigt ist, kann der Arzt oder die Ärztin die Langzeit-Sauerstofftherapie verordnen. Ziel ist es, durch die Gabe von zusätzlichem Sauerstoff das Sauerstoffangebot im Körper auf mindestens 60 mmHg oder mehr zu erhöhen. Um dies zu erreichen, müssen zu Beginn der Therapie noch die notwendigen Sauerstoffflussraten, die später am Sauerstoffgerät eingestellt werden können, genau ermittelt werden.

Wie viele Stunden am Tag dauert die Sauerstoff-Therapie?

Bei einer Langzeit-Sauerstofftherapie nutzt die behandelte Person das Gerät für mindestens 15 Stunden pro Tag. Dabei zählen auch die Nachtstunden mit. Wie lang und in welchem Zeitraum die Sauerstoffgabe im Einzelfall sinnvoll ist, entscheiden die behandelnden Fachärzt:innen.

Im Idealfall trägt man die Sauerstoffbrille rund um die Uhr. Neuere Studien stellen jedoch infrage, ob eine 24-Stunden-Anwendung gegenüber einer 15-Stunden-Anwendung tatsächlich Vorteile in Bezug auf Krankenhaus-Einweisungen und die Sterblichkeit hat. Um dies sicher zu klären, stehen noch größere kontrollierte Studien aus.

Welches Gerät bekommt man bei einer Langzeit-Sauerstofftherapie?

Menschen, die eine LTOT erhalten, sind viele Stunden am Tag mit einem Sauerstoffgerät verbunden. Hierfür gibt es verschiedene Systeme: Stationäre für zu Hause, aber auch mobile, tragbare Sauerstoffgeräte, die kleiner und leichter sind und den Behandelten mehr Bewegungsfreiheit geben.

Je nach Bedarf sind ergänzend Sauerstoffmasken oder Tragehilfen für ein mobiles Sauerstoffsystem sinnvoll (zum Beispiel ein Caddy, Rollator oder eine Rückentragehilfe).

Gängige Sauerstoff-Systeme

Am häufigsten kommen als stationäre Sauerstoffgeräte für die Heimanwendung zwei Systeme zum Einsatz:

  • Sauerstoff-Konzentratoren, welche die Raumluft zu nahezu reinem Sauerstoff komprimieren – mit einer Flussrate von bis zu sechs Litern Sauerstoff pro Minute
  • Flüssigsauerstoff-Systeme, die sich aus einem Tank mit flüssigem Sauerstoff speisen; diese erreichen auch höhere Flussraten von bis zu 15 Liter pro Minute

Sauerstoff-Konzentratoren haben den Vorteil, dass sie nicht – wie Systeme mit Flüssigsauerstoff – regelmäßig befüllt werden müssen. Allerdings brauchen sie eine durchgängige Stromversorgung und eignen sich nicht für Patient:innen, die hohe Sauerstoff-Flussraten benötigen. Zudem sind sie lauter als die Flüssigsauerstoffgeräte.

Der Sauerstoff gelangt in der Regel über eine kleine Nasenbrille, die über einen Schlauch mit dem Gerät verbunden ist, in die Atemwege. Manchmal lässt sich auch eine Nasensonde in ein bestehendes Brillengestell integrieren.

Mobile Sauerstoffgeräte

Für unterwegs – zum Beispiel für Spaziergänge und Autofahrten – gibt es spezielle Sauerstoffgeräte, die sich etwa mit einem Rucksack oder einem Rollwagen transportieren lassen. Sie werden auf verschiedene Arten betrieben, zum Beispiel: 

  • mit kleinen Gasdruckflaschen
  • mit Flüssigsauerstoff-Behältern 
  • als mobile Sauerstoff-Konzentratoren, welche die Umgebungsluft nutzen

Demand-Systeme

Viele mobile Sauerstoffgeräte können auch mit einem sogenannten Demand-System arbeiten. Bei dieser Einstellung gibt das Gerät nur während der Einatmung Sauerstoff ab. Im Demand-Modus hält eine Sauerstoff-Füllung deutlich länger als bei einem dauerhaften Fluss.

Diese Systeme eignen sich aber nicht für alle Patient:innen. Ob die Sauerstoffversorgung im Demand-Modus ausreicht, muss vorher lungenärztlich getestet werden.

Was ist ein Sauerstoffpass?

Bei einer Langzeit-Sauerstofftherapie erhalten Betroffene einen Sauerstoffpass, in dem die wichtigsten Eckpunkte der Therapie festgehalten sind:

  • Angaben zum Sauerstoffgerät
  • verordnete Sauerstoff-Flussmengen (in Ruhe, unter Belastung und im Schlaf)
  • aktuellen Blutgaswerte
  • Kontaktdaten der verordnenden Ärztin oder des verordnenden Arztes
  • Kontrolltermine
  • Rufnummer des Sauerstoff-Versorgers

Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es bei einer Langzeit-Sauerstofftherapie?

Vor allem bei hohen Flussraten kann die LTOT die Nasenschleimhäute austrocknen. Durch Vorschalten eines Befeuchters und durch entsprechende Pflegemaßnahmen kann man dem jedoch entgegnen.

Davon abgesehen ist die Langzeit-Sauerstofftherapie auch bei jahrelanger Anwendung prinzipiell frei von Nebenwirkungen, wenn die Patienten die ärztlich verordneten Sauerstoffflussraten konsequent einhalten. Das bedeutet

  • einerseits, die Behandlung niemals in Eigenregie zu unterbrechen,
  • andererseits darf die Sauerstoffmenge selbst bei Luftnot nicht über einen vorgegebenen Maximalwert erhöht werden.

Denn eine länger andauernde Überdosierung des Medikaments Sauerstoff kann schwerwiegende Folgen haben. Zu viel Sauerstoff kann ebenso schädlich sein wie zu wenig.

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Quellen

  • Koczulla, A. R. et al.: Langzeitsauerstofftherapie. In: Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 871-7
  • Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. et al. (Hrsg.): S2k-Leitlinie Langzeit-Sauerstofftherapie, AWMF-Register-Nr. 020-002, Version 3.0, Stand 07/2020 (in Überarbeitung) (Letzter Abruf: 17.12.2025)
  • Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) et al. (Hrsg.): S3-Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie COPD, Version 2.0, Stand 12/2024
  • Patientenorganisation COPD Deutschland e.V.: Patientenratgeber Langzeit-Sauerstofftherapie fördert die körperliche Belastbarkeit (PDF), 11. Auflage, Stand 09/2025 (Letzter Abruf: 17.12.2025) 
  • Ekström, M. et al.: Long-Term Oxygen Therapy for 24 or 15 Hours per Day in Severe Hypoxemia. In: N Engl J Med. 2024; 391 (11): 977-988
  • Sami, R. et al.: Effect of Long-Term Oxygen Therapy on Reducing Rehospitalization of Patients with Chronic Obstructive Pulmonary Disease: A Systematic Review and Meta-Analysis. In: Pulm Ther. 2023; 9 (2): 255-270

Letzte Aktualisierung: 17.12.2025

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