Thoraxschmerzen

Thoraxschmerzen, also alle Schmerzen im Bereich des Brustkorbes, müssen nicht zwangsläufig mit einem Lungenleiden einhergehen. Sie können als Symptom auch bei anderen Erkrankungen etwa des Herzens und der Gefäße, der Speiseröhre, der Knochen oder der Muskeln auftreten. Um neu aufgetretene Brustschmerzen korrekt einordnen zu können, wird der Arzt zunächst mithilfe präziser Fragen versuchen, die Ursache der Schmerzen einzugrenzen:

  • Wo genau treten die Schmerzen auf – über der Brust, am Rücken oder auf der Seite?
  • Strahlt der Schmerz aus oder tritt er an einer klar zu benennenden Stelle auf?
  • Welcher Art ist der Schmerz (stechend, dumpf, brennend)?
  • Ist der Schmerz nur von kurzer Dauer oder tritt er dauerhaft auf?
  • Nimmt die Intensität des Schmerzes zu?
  • Wird der Schmerz durch das Atmen, von einer Körperhaltung oder einer Belastung beeinflusst?

Beurteilung von Thoraxschmerzen

Die Beurteilung von "Thoraxschmerz" stellt den Arzt vor eine schwierige Aufgabe. Denn um beispielsweise einen akuten Herzinfarkt zu diagnostizieren, reicht kein einzelnes Element einer Brustschmerzsymptomatik aus. Der Arzt kann nur individuell und aufgrund seiner klinischen Erfahrung eine Bewertung vornehmen.

Einige Erkrankungen können anhand ihrer charakteristischen Schmerzsymptomatik im Thoraxbereich relativ sicher zugeordnet werden. Dazu gehören zum Beispiel Entzündungen von Bronchien, Luftröhre, Herzbeutel, Rippenfell oder Speiseröhre, Herzinfarkt oder Angina pectoris, ein Einriss in der Schlagaderwand (Aorta), aber auch Muskelverspannungen oder Rippenbrüche.

Tumorschmerzen

Tumorschmerzen können die Lebensqualität von Lungenkrebspatienten erheblich einschränken. Dies muss nicht sein, denn es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, Schmerzen wirkungsvoll zu begegnen. In erster Linie sind dies medikamentöse Strategien. Darüber hinaus gibt es weitere Möglichkeiten:

  • Lokale Schmerzbetäubung: unterbricht die Weiterleitung des Schmerzes in den Nervenbahnen
  • Bestrahlung und Radionuklidtherapie: Radioaktive Partikel werden vom Tumorgewebe aufgenommen, die die Krebszellen zerstören, Anwendung bei der Behandlung von diffusen Tumorschmerzen, beispielsweise, wenn Knochenmetastasen auftreten
  • Verfahren der elektrischen Nervenstimulation: Schmerz wird durch einen Gegenreiz unterdrückt
  • Ergänzende physiotherapeutische Behandlungen: Bäder, Massagen oder Lymphdrainagen ergänzen die medikamentöse Schmerzbehandlung sinnvoll und verbessern das psychische und seelische Wohlbefinden

Behandlungsstufen zur Schmerzbehandlung bei Krebspatienten

1986 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Regeln für die medikamentöse Therapie von Tumorschmerzen aufgestellt. Diese sind inzwischen auch für andere Schmerzarten allgemein anerkannt. Die WHO unterscheidet drei Stufen: die Behandlung mit leichten, mittelstarken und starken Schmerzmitteln. (siehe auch Grafik unten)

Stufe 1
Neu auftretende Schmerzen werden umgehend mit opiatfreien Medikamenten (zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen oder Paracetamol) behandelt. Sie wirken entweder vorrangig entzündungshemmend am Ort der Entstehung des Schmerzes oder / und fiebersenkend. Auch krampflösende Medikamente (zum Beispiel mit dem Wirkstoff Metamizol) können insbesondere bei heftigen, intervallartigen Schmerzen sinnvoll sein. Damit Schmerzfreiheit auch dauerhaft erreicht wird, sollten die Medikamente nicht einfach nach Bedarf, sondern besser regelmäßig, zum Beispiel alle drei oder sechs Stunden, eingenommen werden.

Stufe 2
Bei stärkeren und anhaltenden Schmerzen können begleitend oder ersatzweise leichte Opioide (Codeine) zum Einsatz kommen. Opioide unterbrechen die Schmerzweiterleitung und bekämpfen insbesondere Dauerschmerz wirkungsvoll. Leichte Opioide unterliegen der Verschreibungspflicht.

Stufe 3
Wenn die Schmerzen weiter andauern und sehr viel stärker werden und leichte Opioide selbst bei Tageshöchstdosis den Schmerz nicht mehr deutlich lindern, verschreiben Ärzte stark wirkende Opiate wie z.B. Morphin, Oxycodon, Buprenorphin oder Fentanyl, bis die Patienten wieder schmerzfrei werden. Die Dosierung richtet sich klar nach der Stärke des Schmerzes, Höchstgrenzen sind nicht festgelegt.
Patienten wie auch Ärzte müssen sich bei der Einnahme und Verabreichung starker Opioide an die Vorschriften des Betäubungsmittelgesetzes halten.



WHO-Schmerzleiter
WHO-Schmerzleiter

Begleitende Medikamente

Begleitend können in allen drei WHO-Stufen auch Wirkstoffe hilfreich sein, die nicht vorrangig der Schmerzbekämpfung dienen, diese aber positiv unterstützen. Dazu zählen beispielsweise Antidepressiva, krampflösende Antikonvulsiva oder Medikamente gegen Schmerzen, die durch eine Nervenkrankheit bedingt sind.
Medikamente zur Schmerzlinderung bei Tumorschmerzen werden meist in Tabletten oder Tropfenform verabreicht, Opioide mitunter auch als Pflaster. Um eine anhaltende Schmerzlinderung zu ermöglichen ist es wichtig, die Medikamente nach einem festen Zeitplan einzunehmen und nicht erst dann, wenn Schmerzen auftreten. Falls die genannten Darreichungsformen nicht wirken oder unverträglich sind, können Opiate auch als Dauerinfusion in eine Vene oder unter die Haut verabreicht werden.

Praktische Details zu Fragen der Schmerztherapie wie zum Beispiel der Art der Verabreichung, möglichen Nebenwirkungen und ihrer Behandlung sowie der Frage nach Abhängigkeiten von morphinhaltigen Medikamenten finden sich beim Krebsinformationsdienst.

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