Wie wirkt Radon auf die Gesundheit?

Radon ist nach dem Tabakrauch die wichtigste Ursache für Lungenkrebs. Über die Atmung nehmen wir Radon und die an winzige Partikel gehefteten Folgeprodukte auf. In der Lunge führt der radioaktive Zerfall zur Bestrahlung der Lungenzellen. Je höher die Radonkonzentration in der Raumluft ist, und je länger wir uns dort aufhalten, desto höher wird das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Besonders gefährlich sind die an Partikel gebundenen Folgeprodukte: Die jeweilige Lebensdauer der Zerfallsprodukte und die Verweilzeit im Atemtrakt beeinflussen die Krebsentstehung. Der Ort der Ablagerung und Anreicherung der Folgeprodukte ist entscheidend dafür, wo sich gegebenenfalls Lungenkrebs entwickelt. Bis zum tatsächlichen Ausbruch der Krankheit können jedoch Jahrzehnte vergehen.

Radon bildet eine Reihe kurzlebiger Zerfallsprodukte, die sich an Aerosolpartikel anlagern und in die Lunge gelangen können.
© Helmholtz Zentrum München

GUT ZU WISSEN

Radon bildet eine Reihe kurzlebiger Zerfallsprodukte, die sich an Aerosolpartikel anlagern und in die Lunge gelangen können.

Dass Radon Krebs erzeugen kann, ist seit langem bekannt: Bald nach Entdeckung des Elements (um 1900) wurde Radon in den Bergbaustollen im Erzgebirge nachgewiesen. Genaue Messungen in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts führten zu der Hypothese, dass Radon die Ursache für den Lungenkrebs unter Arbeitern im Erzbergbau war – ein Krebs, der seit dem 19. Jahrhundert unter der Bezeichnung „Schneeberger Krankheit“ bekannt war. In den fünfziger Jahren zeigten Tierexperimente und Studien an Arbeitern in Uranbergwerken, dass insbesondere Radon-Zerfallsprodukte Lungenkrebs verursachen können.

Wenige Jahre später erkannte man, dass auch für die allgemeine Bevölkerung ein Risiko durch Radon in Wohnräumen besteht. Seit den 1980er Jahren geben Messprogramme in West- und Ostdeutschland Aufschluss darüber, welche Radon-Konzentrationen in der Bodenluft und in Wohnräumen vorliegen. Daneben haben epidemiologische Studien genaue Abschätzungen des radonbedingten Lungenkrebsrisikos der Allgemeinbevölkerung ergeben. Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass akute gesundheitliche Beschwerden, wie z. B. Kopfschmerzen und Asthma, nicht durch Radon verursacht werden.

Deutsche Radon-Studie

Das Institut für Epidemiologie des Helmholtz Zentrums München hat in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München in Teilen West- und Ostdeutschlands zwei epidemiologische Studien zum Zusammenhang zwischen Radon in Wohnhäusern und Lungenkrebs vorgenommen. Sie werden als deutsche Radon-Studie zusammengefasst und geben deutliche Hinweise auf einen Anstieg des Lungenkrebsrisikos in Abhängigkeit von der Höhe der Radonkonzentration in Wohnungen. Die Studien umfassen insgesamt fast 3.000 Lungenkrebspatienten und eine Bevölkerungsstichprobe von über 4.000 nicht an Lungenkrebs erkrankten Kontrollpersonen. In über 9.000 Wohnungen, die von den Studienteilnehmern entweder zum Zeitpunkt der Studie oder früher bewohnt worden waren, wurde die Höhe der Radonkonzentration gemessen. Die Risikoanalyse berücksichtigte unter anderem die Radonkonzentration in den letzten fünf bis 35 Jahren und das lebenslange Rauchverhalten.

Ergebnisse der Studie: Das Lungenkrebsrisiko stieg pro 100 Becquerel (Bq) pro Kubikmeter Luft um zehn Prozent an, was einer Verdoppelung bei einer Radonkonzentration von 1.000 Bq/m³ entspricht. Höhere Schätzungen für das relative Risiko wurden für den Subtyp des kleinzelligen Bronchialkarzinoms beobachtet, der mit einer besonders ungünstigen Krankheitsprognose einhergeht.

Für die höchste Radonkategorie (140–3.000 Bq/m³, Mittelwert 252 Bq/m³) ergab sich im Vergleich zur Referenzkategorie (0–50 Bq/m³, Mittelwert 38 Bq/m3) ein um 40 Prozent erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Diese Schätzung ist statistisch signifikant.

Radon-Studien in Europa

Die gemeinsame Auswertung von dreizehn epidemiologischen Fall-Kontroll-Studien in Europa erlaubt eine noch präzisere quantitative Abschätzung des Lungenkrebsrisikos durch Radon. Die Studien wurden in Deutschland (zwei Teilstudien), England, Schweden (drei Teilstudien), Finnland (zwei Teilstudien), Frankreich, Italien, Spanien, Österreich und der tschechischen Republik durchgeführt. Die individuellen Daten aller Probanden wurden nach einem einheitlichen Schema erfasst. Es wurden Daten zu den Rauchgewohnheiten erhoben sowie zur Radonexposition, basierend auf Langzeitmessungen der Radongaskonzentration.

Das zusätzliche Risiko für Lungenkrebs lag bei acht Prozent pro 100 Bq/m³- Zunahme der beobachteten mittleren Radonkonzentration. Berücksichtigt man im Modell die zufälligen Unsicherheiten in der Messung der Radonkonzentration, bleibt die Dosis-Wirkungs-Beziehung linear, und die geschätzte Zunahme des relativen Risikos pro 100 Bq/m³ steigt auf 16 Prozent. Die Daten zeigen deutlich, dass die Exposition gegenüber Radon in Wohnungen ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko für die Allgemeinbevölkerung darstellt.

GUT ZU WISSEN

In den Höhlenwohnungen der zentralchinesischen Region Gansu werden aufgrund des Gesteinsmaterials und der fehlenden Lüftungsmöglichkeiten hohe Konzentrationen verschiedener Radon-Isotope gemessen. Lungen-krebserkrankungen treten hier deutlich häufiger auf.

Risiko für die Bevölkerung

Abschätzungen, die auf den Studien basieren, ergeben, dass circa fünf Prozent aller Lungenkrebstodesfälle in Deutschland auf Radon in Wohnungen zurückzuführen sind. Das entspricht rein rechnerisch etwa 1900 Lungenkrebstoten pro Jahr. Die zugrunde liegende Berechnung basiert auf dem Modell einer linearen Dosis-Wirkungsbeziehung.

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