Wie wird Tuberkulose behandelt?

Dank der schrittweisen Einführung wirksamer Medikamente, ist die Schwindsucht, wie die Tuberkulose früher auch genannt wurde, heute eine sehr gut behandelbare Infektionskrankheit. Therapiert wird stets mit einer Kombination mehrerer Medikamente, die sich in ihren Wirkmechanismen und Wirkorten unterscheiden.

IN KÜRZE

Medikamente gegen Tuberkulose nennt man Antituberkulotika. Im klinischen Alltag wird der Begriff jedoch kaum noch verwendet.

So können die Tuberkulose-Erreger auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen abgetötet oder in ihrer Vermehrung gestoppt werden, was die Effektivität der Behandlung erhöht. Außerdem kommen im Körper von Tuberkulose-Patienten immer auch Erreger vor, die natürlicherweise gegen ein bestimmtes Medikament unempfindlich sind (resistent). Die Kombinationstherapie verhindert, dass diese resistenten Keime überleben.

Medikamente gegen Tuberkulose

Insgesamt vier sogenannte Standardmedikamente stehen derzeit für die Behandlung von Tuberkulose zur Verfügung:

  • Isoniazid (INH)
  • Rifampicin (RMP)
  • Ethambutol (EMB)
  • Pyrazinamid (PZA)

Bei der Standard-Therapie von Patienten mit Lungentuberkulose erhalten die Betroffenen zunächst für zwei Monate eine Kombination aus Isoniazid, Pyrazinamid, Rifampicin und Ethambutol als Vierfachtherapie. Im Anschluss daran werden sie weitere vier Monate mit Isoniazid (INH) und Rifampicin (RMP) behandelt (Kontinuitätsphase).

Insgesamt erstreckt sich die Tuberkulose-Behandlung, mit der unkomplizierte Erkrankungen komplett geheilt werden können, also über sechs Monate. Diese Zeitspanne ist nötig, um die sehr langsam wachsenden Mykobakterien vollständig abzutöten.

Schwere Begleiterkrankungen – an erster Stelle zu nennen ist hier die HIV-Infektion – verlängern die erforderliche Behandlungsdauer unter Umständen deutlich. Das ist meist auch der Fall, wenn die Tuberkulose-Erreger gegen eines oder mehrere der Standardpräparate resistent sind. Dann kommen die so genannten Medikamente der Nicht-Standardtherapie zum Einsatz. Ebenso, wenn Patienten die "normalen" Mittel nicht vertragen.

Für die Behandlung von Kindern mit Tuberkulose wurde Ende 2017 eine gesonderte Leitlinie veröffentlicht.

Geänderte Empfehlungen des Deutschen Zentralkomitees für Tuberkulose

2017 hat das Deutsche Zentralkomitee für Tuberkulose (DZK) die eigenen Empfehlungen zu Therapie und zu medikamentöser Prävention entsprechend den Ergebnissen internationaler Studien aktualisiert. In der neuen S2k-Leitlinie: Tuberkulose im Erwachsenenalter gibt es nun beispielsweise eigenständige Kapitel zur Labordiagnostik und zum therapeutischen Medikamentenmanagement. Außerdem wurden die Kapitel Mehrfachresistenzen gegen Medikamente der Standardtherapie, HIV-Koinfektion und die Übersicht der Arzneimittel erweitert.

GUT ZU WISSEN

Die Tuberkulose kann heute so effektiv behandelt werden, dass sich die Patienten bereits nach wenigen Wochen wieder fit und gesund fühlen. Dies führt nicht selten dazu, dass sie ihre Medikamente nicht mehr regelmäßig einnehmen oder die Therapie sogar vorzeitig abbrechen. Das wiederum birgt die Gefahr eines Rückfalls und fördert die Entwicklung einer Resistenz gegenüber einer oder mehrerer antituberkulotischer Substanzen.

Das Problem mit Resistenzen bei Tuberkulose

Inzwischen werden weltweit allerdings vermehrt Tuberkulose-Erregerstämme gefunden, die gegen die Standardmedikamente Isoniazid und Rifampicin (MDR-TB)  Resistenzen aufweisen. Darüber hinaus gibt es auch Tuberkuloseerreger, die zusätzlich noch gegen viele Nicht-Standard-Medikamente resistent sind (XDR-TB). Vor allem in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion werden diese sehr schwer zu behandelnde resistente Tuberkulose (MDR-TB und XDR-TB) zunehmend beobachtet.

Die Behandlung dieser resistenten Tuberkulose-Formen ist schwierig und kostspielig. Um einen weiteren Vormarsch der multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB) und der XDR-TB zu stoppen, müssen alle verordneten Medikamente regelmäßig in der verordneten Dosis eingenommen werden. Und das konsequent über den gesamten Behandlungszeitraum.

Anzahl und Anteil der resistenten Tuberkulosen von 2002 bis 2016. (Grafik: Robert Koch-Institut)
Anzahl und Anteil der resistenten Tuberkulosen in Deutschland, von 2002 bis 2016. (Grafik: Robert Koch-Institut)

Tuberkulose-Impfung

Seit Ende der 1920er Jahre gibt es einen Impfstoff gegen die Tuberkulose. Er besteht aus einem abgeschwächten Impfstamm, dem nach seinen Entwicklern Albert Calmette und Camille Guérin benannten Bacillus Calmette-Guérin (BCG).

Der BCG-Impfstoff wurde lange auch in Deutschland eingesetzt. Doch seit 1998 wird die BCG-Impfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO), der bei uns zuständigen Behörde, nicht mehr empfohlen. Damit folgt die STIKO dem Rat der Weltgesundheitsorganisation (WHO), in Ländern mit einem Tuberkulose-Infektionsrisiko von unter 0,1 Prozent keine generelle Tuberkulose-Impfung durchzuführen.

GUT ZU WISSEN

Bei ihrer Einführung in Deutschland im Jahre 1930 schrieb die BCG-Impfung ein Stück traurige Medizingeschichte. Beim Lübecker Impfunglück starben 77 Kinder, weil die aus Frankreich bezogene BCG-Kultur bei der Verarbeitung mit infektiösen Tuberkulose-Erregern verunreinigt wurde.

Medizinische Studien konnten die Effektivität und eine sichere Wirksamkeit der Tuberkulose-Impfung nicht nachweisen. Hinzu kommt, dass relativ häufig Komplikationen und Nebenwirkungen auftreten, die der eingeschränkte Nutzen alles in allem nicht aufwiegt. Ein weiteres Manko: Der Tuberkulin-Test wird nach der Tuberkulose-Impfung positiv. So ist es deutlich schwerer Patienten, die sich trotz Impfung mit Tuberkulose infizieren, zu erkennen.

In Ländern, in denen die Tuberkulose sehr häufig ist, empfiehlt die WHO allerdings, Kinder so schnell wie möglich nach der Geburt zu impfen. Denn dadurch lassen sich die besonders gefährliche Miliartuberkulose und die TB-Meningitis (Hirnhautentzündung) bei Kindern mit relativ hoher Zuverlässigkeit verhindern.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Tom Schaberg, Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg

     

     

Letzte Aktualisierung:

13.03.2018

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