Wie wird Tuberkulose festgestellt?

Am Anfang der Diagnose von Tuberkulose steht immer ein ausführliches Anamnesegespräch. Dabei wird sich der Arzt/die Ärztin nach den Beschwerden erkundigen. Leit-Symptome der Tuberkulose sind:

  • länger anhaltender Husten,
  • erhöhte Körpertemperatur (subebril) und
  • Gewichtsverlust

Es wird aber auch abgefragt, ob der Patient/die Patientin Kontakt mit Tuberkulose-Kranken gehabt hat. An das Anamnesegespräch schließt sich eine ausführliche körperliche Untersuchung an.

Tuberkulin-Hauttest nach Mendel-Mantoux

Die Standardmethode zum Nachweis einer Tuberkulose-Infektion war lange Zeit der Mendel-Mantoux-Tuberkulin-Hauttest. Dabei bekommen Betroffene eine standardisierte Menge von Proteinen aus der Zellwand von Mykobakterien unter die Haut gespritzt. Hatte das Immunsystem zuvor bereits Kontakt mit dem Tuberkulose-Erreger, reagiert es auf diese so genannten Antigene.

Innerhalb von drei Tagen führt die Abwehrreaktion zu einer tastbaren Verdickung der Haut an der Injektionsstelle. Dies bedeutet, dass eine Infektion mit Mykobakterien stattgefunden hat. Die Reaktion wird je nach Durchmesser der Hautverhärtung im Testbereich (Induration) ausgewertet. Eine alleinige Rötung sagt nichts aus. Das Ausmessen der Induration entscheidet, ob ein positiver oder negativer Tuberkulose-Test vorliegt. Hierbei sind zusätzliche gesicherte individuelle Risikofaktoren zu berücksichtigen, die bei einer konkreten Person das Risiko für eine behandlungsbedürftige Tuberkulose beschreiben. Eine Aussage darüber, ob es sich um eine latente Infektion oder um eine aktive Erkrankung handelt, erlaubt der Tuberkulin-Hauttest aber nicht.

Positivitätskriterien für den Tuberkulin-Hauttest nach den Richtlinien der "American Thoracic Society" und des "Centers for Disease Control":

Positivitätskriterien für den Tuberkulin-Hauttest nach den Richtlinien der "American Thoracic Society" und des "Centers for Disease Control"
Positivitätskriterien Patientengruppe
5 mm Patienten mit Röntgenbild vereinbar mit einer Tuberkulose, enger Kontakt zu Patienten mit offener Tuberkulose, Patienten mit HIV-Infektionen, Patienten mit zellulärem Immundefekt
10 mm Personen aus einem Land mit hoher Tuberkulose-Prävalenz, intravenöse Drogenabhängige, Wohnsitzlose, Bewohner eines Altenheims oder Gefängnisses, Patienten mit Diabetes mellitus, Silikose oder vollständigem Nierenversagen
15 mm Patienten ohne Risikofaktoren

GUT ZU WISSEN

Das von Robert Koch als Heilmittel entwickelte Tuberkulin erwies sich als wirkungslos. Felix Mendel (1862 – 1925) setzte die Substanz für einen Hauttest ein. Charles Mantoux (1877 – 1947) bewies, dass diese Methode eine Tuberkulose-Infektion zuverlässiger anzeigt, als das seinerzeit gängige Verfahren. Deshalb wird der Tuberkulin-Test auch Mendel-Mantoux-Test genannt.

Leider führt der Tuberkulin-Hauttest immer wieder auch zu falsch-positiven Befunden. Grund sind Kreuzreaktionen. Dies kann zum Beispiel an früheren Tuberkulose-Impfungen liegen, den sogenannten Bacille-Calmette-Guerin-Impfungen (BCG-Impfungen) mit lebenden abgeschwächten Tuberkulose-Bakterien. Diese werden zwar seit 1998 in Deutschland nicht mehr empfohlen, könnten aber etwa bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund noch eine Rolle spielen.

Ein anderer Grund für mögliche Kreuzreaktionen kann auch der Kontakt zu überall verbreiteten nicht-tuberkulösen Mykobakterien sein.

Auch ein negativer Tuberkulose-Test kann trügen

Umgekehrt schließt ein negativer Tuberkulin-Hauttest eine Tuberkulose nicht mit absoluter Sicherheit. Ein Grund dafür ist, dass die Hautreaktion frühestens 8 Wochen nach Ansteckung erfolgen kann. Auch bei einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche wie HIV kann der Tuberkulose-Test trotz Infektion negativ bleiben. Ähnliches gilt bei schweren Verläufen wie einer Miliartuberkulose.

Immunologische Tuberkulose-Tests als Alternative



GUT ZU WISSEN

IGRA-Tests werden von vielen Laboren angeboten, die auch die hierzu erforderlichen Vakutainer-Röhrchen liefern. Die Ergebnisse werden international, auch in den USA, problemlos akzeptiert.

 

Seit 2005 gibt es geeignetere immunologische Verfahren zum Nachweis einer Tuberkulose-Infektion, die nach Abnahme einer Blutprobe im Labor durchgeführt werden. Diese IGRA-Tests (engl.: Interferon-Gamma-Release-Assay; z.B. der Quantiferon-Test, TB-Spot-Test), basieren darauf, dass nach einem ersten Kontakt mit Tuberkulose-Bakterien bestimmte Abwehrzellen, die T-Lymphozyten, als Reaktion auf M. tuberculosis-Antigene verstärkt Interferon-Gamma freisetzen. Kreuzreaktionen werden damit fast vollständig vermieden.

Ein positiver IGRA-Test stellt, wie auch ein positiver Tuberkulin-Hauttest, nur eine latente tuberkulöse Infektion fest. Eine Tuberkulose als aktive Erkrankung können beide Tests nicht erkennen.

Antikörpertest gegen Tuberkulose

Antikörpertests zum Ausschluss einer latenten Tuberkuloseinfektion werden weltweit nicht empfohlen, da Antikörper in nennenswertem Maße nur bei einer aktiven Tuberkulose-Erkrankung gebildet werden.

 

Röntgenuntersuchung bei positivem Testergebnis

Wichtigstes Hilfsmittel zur Diagnose einer Lungentuberkulose ist das Röntgen. Diese Untersuchung wird bei positivem Tuberkulin-Test immer durchgeführt, und ebenso, wenn trotz negativem Tuberkulose-Test Symptome und Krankengeschichte den dringenden Verdacht auf Tuberkulose nahe legen.

Auch bei der Beurteilung des Krankheitsverlaufs und des Erfolgs der Therapie spielt das Röntgen des Brustkorbs eine entscheidende Rolle. Wenn sich eine Lungentuberkulose im Röntgenbild nicht sicher von anderen Lungenerkrankungen unterscheiden lässt, sollte ergänzend eine Computertomografie durchgeführt werden.

Kavernöse Form der postprimären Tuberkulose aufgenommen mit konventioneller Tomografie; Foto: Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der RWTH Aachen
Kavernöse Form der postprimären Tuberkulose aufgenommen mit konventioneller Tomografie; Foto: Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der RWTH Aachen

Labornachweis des Tuberkulose-Erregers

Zur vollständigen Abklärung einer Tuberkulose gehört immer der bakteriologische Nachweis des Tuberkulose-Erregers M. tuberculosis im Labor. Bei der Lungentuberkulose erfolgt er aus dem Sputum, dem Bronchialsekret, bei Organtuberkulosen je nach Lokalisation aus dem Magensaft, dem Urin, der Hirnflüssigkeit, oder – falls notwendig - aus Gewebeproben, die durch eine Biopsie gewonnen werden.

Mykobakterien lassen sich zwar unter dem Mikroskop schnell erkennen, doch eine sichere Unterscheidung zwischen Tuberkulose-Erregern und harmlosen Arten ist so nicht möglich. Deshalb müssen die Bakterien in einer Kultur angezüchtet werden. Dort wird auch getestet, gegen welche antituberkulösen Medikamente sie empfindlich sind. Wegen des langsamen Wachstums der Bakterien dauert das allerdings mehrere Wochen. Deshalb gibt es ein Schnellverfahren, das auf molekularbiologischen Techniken (Polymerase-Kettenreaktion, PCR) beruht. Es wird in besonders dringenden Fällen ergänzend zum klassischen Erregernachweis per Anzucht durchgeführt.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Tom Schaberg, Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg

Letzte Aktualisierung:

13.03.2018

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