Was ist Mukoviszidose?

Mukoviszidose, auch cystische Fibrose kurz CF genannt, ist eine der häufigsten angeborenen Stoffwechselerkrankungen.  Ursache ist ein Defekt des CFTR-Gens (CFTR = Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator), das für die Produktion eines Ionenkanals an der Oberfläche von Körperzellenzuständig ist.

Die Mukoviszidose-Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv, ist also unabhängig vom Geschlecht und die Krankheit bricht nur aus, wenn beide Kopien des CFTR-Gens fehlerhaft sind.

Mehr zur Vererbung der Mukoviszidose erfahren Sie im Kapitel „Mukoviszidose: Risikofaktoren“.

Bei Gesunden reguliert der aus dem CFTR-Gen hergestellte Ionenkanal den Salzhaushalt der Zellen, indem durch ihn Salz und Wasser strömen. Ist das CFTR-Gen defekt,  bildet sich zäher Schleim im Körper, der verschiedener Organe verstopfen und damit ihre Funktion beeinträchtigen kann. Daraus ergeben sich die typischen Mukoviszidose-Symptome. Betroffen sind vor allem

  • die Lunge,
  • die Bauchspeicheldrüse,
  • die Leber,
  • die Fortpflanzungsorgane und
  • der Darm.

Durch den vielen Schleim können sich bei Betroffenen in den Atemwegen leicht Viren, Bakterien und Pilze ansiedeln, weshalb oft Lungenentzündungen und Infektionen auftreten, die lebensbedrohlich werden können.

Mukoviszidose-Ursache: Das CFTR-Gen

Das für Mukoviszidose verantwortliche CFTR-Gen ist seit dem Jahr 1989 bekannt. Es liegt auf Chromosom 7 und dient als Bauplan für einen Transportkanal, durch den Chlorid- und Bikarbonat-Ionen aus den Schleimhautzellen hinausbefördert werden.

Beim gesunden Menschen scheiden die Zellen über diesen Kanal Chlorid-Ionen aus, die sich außerhalb der Zelle mit Natrium zu Kochsalz (Natrium-Chlorid, NaCl) verbinden. Um die steigende Salzkonzentration außerhalb der Zelle auszugleichen und mit der Konzentration in der Zelle in Einklang zu bringen, strömt Wasser aus den Zellen aus und befeuchtet so die Schleimhäute.

Bei Menschen mit Mukoviszidose ist die Funktion des Ionenkanals durch Fehler im CFTR-Gen gestört. Außerhalb der Zelle bildet sich eine angesäuerte wasserarme Umgebung. Infolgedessen wird der von den Schleimhautzellen gebildete Schleim zähflüssig, verklumpt und kann nur noch schwer abtransportiert werden. Im weiteren Verlauf verstopft er die feinen Äste der Bronchien in der Lunge, die Gänge der Bauchspeicheldrüse und die Gallengänge. So kommt es letztendlich zu schweren Beeinträchtigungen der Atemwege sowie der Verdauungsorgane (Darm, Bauchspeicheldrüse, Leber, Nieren). 

GUT ZU WISSEN:

Viele genetische Ausprägungen der Mukoviszidose konnten bereits identifiziert werden, woraus sich neue Therapieansätze ergeben können.

Bis heute sind mehr als 2.000 verschiedene Veränderungen des CFTR-Gens sind bekannt. Allerdings führt nur ein kleiner Teil davon auch tatsächlich zum Ausbruch von Mukoviszidose.

Die häufigste Mutation in Deutschland ist die sogenannte Phe508del-Mutation. Durch die Mutation fehlen in der Sequenz des CFTR-Gens drei Basenpaare und damit die Aminosäure Phenylalanin an Position 508 des CFTR-Eiweißes. Das Protein kann durch diesen Fehler nicht richtig gefaltet werden, und wird abgebaut, noch bevor es die Zelloberfläche erreicht. 

Welche Symptome treten bei Mukoviszidose auf?

Durch den kaputten Ionenkanal und den dadurch gestörten Salzhaushalt der Zellen, treten bei Betroffenen mit cystischer Fibrose zahlreiche typische Beschwerden auf, die unterschiedliche Organe betreffen. Viele Mukoviszidose-Symptome gleichen allerdings den Beschwerden, die auch bei anderen Krankheiten wie Bronchitis, Asthma und Zöliakie auftreten können. Deshalb kann es anfänglich auch zu Fehldiagnosen kommen.

Mukoviszidose-Symptome der Lunge

Betroffene mit cystischer Fibrose leiden besonders oft unter Beschwerden in den Atemwegen, die dem zähen Schleim geschuldet sind. Dazu gehören

  • anhaltender chronischer Husten,
  • erhöhte Schleimproduktion,
  • pfeifende Atemgeräusche,
  • Trommelschlegelfinger,
  • chronische Nasennebenhöhlenentzündungen und
  • wiederholt auftretende Lungenentzündungen

Funktionsstörungen des Verdauungstraktes

Auch das Verdauungssystem wird durch den Schleim in Mitleidenschaft gezogen, da er die Bauchspeicheldrüse und die Leber verstopft und Verdauungsenzyme daran hindert in den Darm zu gelangen.  Bereits bei Babys können sich hier Mukoviszidose-Symptome bemerkbar machen. Häufig macht der erste Stuhl, das sogenannte Kindspech (Mekonium) Probleme, die bis zum Darmverschluss (Ileus) führen können.

Mit zunehmendem Alter stehen

  • Blähungen,
  • hartnäckige Durchfälle,
  • übelriechender Stuhl,
  • Untergewicht und
  • Wachstumsverzögerungen

im Vordergrund, da die Nahrung nicht richtig verarbeitet werden kann. Die Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel sind bei Mukoviszidose daher ein zentraler Punkt der Therapie.

Mehr dazu erfahren Sie im Kapitel „Mukoviszidose: Therapie“.

Salzverlustsyndrom

Der gestörte Salzhaushalt führt bei Menschen mit Mukoviszidose auch dazu, dass sie viel Salz über den Schweiß verlieren. Diese Elektrolytstörung kann sich in Symptomen wie gesteigertem Durstgefühl, Kopfschmerzen, Schwindel oder Muskelkrämpfen äußern.

Cystische Fibrose ist eine voranschreitende Krankheit, bei der sich die Stoffwechselvorgänge immer weiter verschlechtern. Im Krankheitsverlauf können daher Folgeerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes, Osteoporose, Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) oder Fruchtbarkeitsstörungen auftreten.

Unterschiedlicher Erkrankungsverlauf

Allen Mukoviszidose-Ausprägungen liegt zwar ein Defekt im gleichen Gen zugrunde. Der klinische Verlauf der Krankheit und die betroffenen Organe sowie die Ausprägung der Symptome können aber sehr unterschiedlich sein und die Überlebenszeit der Patienten stark beeinflussen.

Die verschiedenen Krankheits-Ausprägungen werden nicht nur durch den Fehler im CFTR-Gen, sondern auch durch sogenannte Modifier-Gene verursacht. Modifier-Gene sind an der Ausprägung der Mukoviszidose-Gene beteiligt und führen trotz gleichen ursprünglichen Gendefekts zu unterschiedlichen Krankheitsverläufen.

Die Schwere des Krankheitsverlaufs ist individuell sehr unterschiedlich, und die Anzahl der betroffenen Organe kann variieren.

Aufgrund der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten und der früheren Diagnose hat sich die Prognose für Menschen mit Mukoviszidose in den letzten 25 Jahren stetig verbessert, sodass sich die cystische Fibrose inzwischen von keiner Kinderkrankheit zur Erwachsenenkrankheit gewandelt hat.

Im Durchschnitt erreichen die Betroffenen heute ein Lebensalter von über 40 Jahren. Der Anteil erwachsener Patienten liegt derzeit bei deutlich über 60 Prozent.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Burkhard Tümmler, Medizinische Hochschule Hannover

Letzte Aktualisierung:

12.10.2018

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