Lungenhochdruck: Diagnose

Die Symptome bei Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie, PH), wie Leistungsschwäche, Kurzatmigkeit oder Brustschmerzen, sind anfangs nicht spezifisch, daher sind näher liegende Diagnosen, etwa Asthma oder Linksherzerkrankungen, verbreitet. Dies kann zu einer deutlichen Verzögerung bis zur richtigen Diagnosestellung führen.

Bei Verdacht auf pulmonale Hypertonie sollte in jedem Falle ein komplexes diagnostisches Vorgehen erfolgen, wie es in den aktuellen Europäischen Leitlinien detailliert beschrieben und empfohlen wird. Damit lässt sich vermeiden, dass falsche Medikamente verordnet werden. Patienten mit Verdacht auf Lungenhochdruck sollten sich daher in einem spezialisierten PH-Zentrum untersuchen lassen.

EKG
Erst in fortgeschrittenem Krankheitsstadium liefert das Elektrokardiogramm typische Befunde. Foto: Bernd Müller

Die Herzstrommessung via EKG kann zwar Hinweise auf pulmonale Hypertonie geben, ein normales EKG schließt jedoch einen Lungenhochdruck nicht aus. Erst bei fortgeschrittenem Krankheitsstadium weist das EKG typische Befunde auf. Dasselbe gilt im Prinzip für die Thorax-Röntgenaufnahme: Zwar ist bei 90 Prozent der PH-Patienten bei der Diagnose das Röntgenbild aussagekräftig, ein normales Röntgenbild schließt aber eine pulmonale Hypertonie nicht aus.

Auch die Lungenfunktionsdiagnostik kann in erster Linie nur der Suche nach ursächlichen Lungenerkrankungen dienen. Aber selbst bei schwerem Lungenhochdruck können die Lungenfunktionswerte noch normal sein. Die Diagnosestellung ist zudem erschwert, da bei Lungenhochdruck der Lungenfunktionstest (Spirometrie) Veränderungen zeigt, die auch bei leichtem Asthma zutreffen können.

 

 

Pulmonale Hypertonie: Ultraschall bringt Klarheit

Erst eine spezielle Ultraschalluntersuchung des Herzens, die so genannte transthorakale Echokardiografie von außen durch den Brustkorb, gibt Hinweise auf Lungenhochdruck. Auch lassen sich damit mögliche Ursachen für die PH erforschen. Dagegen birgt die Echokardiografie des rechten Herzens noch viele Fehlerquellen. Zusätzlich wird in den europäischen Leitlinien für pulmonale Hypertonie als Bestandteil der PH-Diagnostik eine hochauflösende Computertomographie empfohlen. In unklaren Fällen kann auch eine gezielte Antikörperuntersuchung im Labor sinnvoll sein.

Die direkte Messung des Blutdrucks im Lungenkreislauf erfordert – im Unterschied zur routinemäßigen Körperblutdruckmessung – einen Herz-Lungen-(Rechtsherz-)Katheter. In der Hand von Spezialisten ist dies ein Routineverfahren, die Rate von schweren Komplikationen liegt bei weniger als einem Fall unter hundert Untersuchungen. Daher sollte diese Untersuchung nur in Zentren mit entsprechender diagnostischer Erfahrung (siehe unten) durchgeführt werden.

PH-Zentren: Wo findet man die größte Expertise?

Als Anhaltspunkte für ausreichende Erfahrung an einer Klinik oder einem Zentrum nennen die Europäischen Leitlinien folgende Kriterien für ein PH-Experten-Zentrum:

  • An dem Zentrum sind mindestens zwei spezialisierte Ärzte oder Ärztinnen (in der Regel Pneumologen und/oder Kardiologen) und zwei spezialisierte Pflegekräfte im Ambulanzbereich.
  • Eine Betreuung inklusive Intensivversorgung mit PH-Expertise ist rund um die Uhr gewährleistet.
  • Das Zentrum hat Zugang zu Echokardiografie, Nuklearmedizin und Radiologie mit PH–Expertise.
  • Fachkräfte für psychologische und soziale Betreuung stehen zur Verfügung.
  • Eine Kooperation mit klinischen Programmen, genetischer Untersuchung oder etwa einem Zentrum für angeborene Herzfehler ist vorhanden oder etabliert.
  • Das Zentrum beteiligt sich an klinischen Phase II/III-Studien für PH.
  • Es hat Erfahrung mit den zur Verfügung stehenden Lungenhochdruck-Medikamenten und
  • arbeitet mit Patienten-Selbsthilfeorganisationen zusammen.

Die Selbsthilfegruppe pulmonale Hypertonie (ph ev.) hat eine Liste von PH-spezialisierten Zentren in Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern zusammengestellt.

In der Zusammenschau der Ergebnisse aus verschiedenen diagnostischen Tests, der Einstufung in die funktionelle Klasse sowie Grenzwertfestlegungen erfolgt schließlich die Gesamtdiagnose des Lungenhochdrucks.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. Ralph Schermuly, Gießen
PD Dr. med. Hanno Leuchte, München

     

 

 

Letzte Aktualisierung:

14.06.2018

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