Lungenentzündung: Grundlagen

Eine Lungenentzündung oder Pneumonie ist eine Entzündung des Lungengewebes. Meist entsteht sie durch eine Infektion mit Erregern wie Bakterien, Viren oder Pilzen. Häufigster Auslöser einer Lungenentzündung sind die Bakterien Streptococcus pneumoniae. 

GUT ZU WISSEN:

Zwischen ein und zwei Drittel aller Lungenentzündungen bei jüngeren Menschen werden durch Pneumokokken verursacht.

Diese können auch andere sehr ernsthafte Erkrankungen hervorrufen, von Mittelohrentzündung bis hin zu Meningitis (Hirnhautentzündung) oder einer Sepsis (Blutvergiftung). Eine Lungenentzündung kann auch durch äußere Einflüsse, wie das Einatmen von Reizgasen, verursacht werden. Je nach Art der Entzündung sind die Lungenbläschen oder auch das Gewebe zwischen den Lungenbläschen und den Blutgefäßen betroffen.

Die meisten Pneumonien sind auf eine bakterielle Infektion zurückzuführen, überwiegend durch Pneumokokken, und werden als typische Pneumonien bezeichnet. Jede fünfte Lungenentzündung – eine atypische Pneumonie - wird durch Viren oder durch kleine Bakterien, wie Mykoplasmen, Chlamydien oder Legionellen, hervorgerufen. 

 

 

Die Zellen von der Art der Bakterien Streptococcus pneumoniae sind von einer Kapsel aus Polysacchariden umgeben. S. Pneumoniae  lässt sich sich anhand der chemischen Struktur in Serotypen unterteilen. Mehr als 90 Pneumokokken-Serotypen hat man bis heute identifiziert. Sie unterscheiden sich nicht nur in ihrer Struktur, sondern auch in ihrer Virulenz und in ihrer Pathogenität. S. Pneumoniae ist weniger ein einziges Bakterium als eine sehr heterogene "Bakterienfamilie". 

 

 

Als Folge von Lungenentzündungen können akute Lungenschädigungen (ALI) und akutes Lungenversagen (ARDS) auftreten.

 

Krankheitsmechanismen

Pneumokokken haben bestimmte Eigenschaften, so genannte Virulenzfaktoren, über die Viren und Bakterien ihre krankheitserzeugende Wirkung (Pathogenität) entfalten. Einer der wichtigsten dieser Virulenzfaktoren ist bei Pneumokokken die aus komplexen Zuckermolekülen bestehende Kapsel. Sie bewahrt die Bakterien davor, von den Abwehrzellen des Immunsystems vernichtet zu werden. Zwar gibt es noch andere Virulenzfaktoren, doch die Widerstandsfähigkeit der Kapsel bestimmt letztlich, wie pathogen ein bestimmter Untertyp (Serotyp) von S. pneumoniae ist. Gelingt es der körpereigenen Abwehr nicht, den Keim zu eliminieren oder in Schach zu halten, kann er sich in verschiedene Organe ausbreiten und dementsprechend eine Vielzahl von Erkrankungen auslösen – je nachdem, welches Organsystem betroffen ist.

GUT ZU WISSEN:

Lungenentzündungen gehören zu den sogenannten invasiven Pneumokokken-Erkrankungen, da die Keime sich dabei über den eigentlichen Infektionsort – den Nasen-Rachen-Raum – in ein normalerweise steriles Gewebe beziehungsweise sterile Körperflüssigkeit ausbreiten.

Lungenentzündung durch Pneumokokken

Die bei Erwachsenen häufigste Pneumokokken-Erkrankung ist die Lungenentzündung (Pneumonie). Sie betrifft vor allem Säuglinge und Kleinkinder sowie Menschen über 60 Jahren. Mitunter gehen ihr erkältungsartige Beschwerden voraus. Mögliche Hinweise sind plötzlich auftretendes Fieber, Schüttelfrost, Husten und eitriger Auswurf, bei Säuglingen und Kleinkindern auch Trinkschwäche, Blässe und ein beschleunigter Puls. Das Tückische an der Pneumokokken-Pneumonie ist, dass sie oft ohne Vorwarnung zu sehr schweren Symptomen wie akuter Luftnot und Sauerstoffmangel führt.

Die Pneumokokken-Pneumonie ist definitiv ein schweres Krankheitsbild, dessen Sterblichkeitsrate selbst in den Industrienationen inzwischen über zehn Prozent beträgt. Bei alten Menschen ist die Mortalität noch deutlich höher. Weltweit ist die Pneumonie die mit Abstand häufigste Ursache von durch S. pneumoniae bedingten Todesfällen.

Krankheitserreger

Pneumokokken-Erkrankungen werden durch Bakterien der Art Streptococcus pneumoniae bedingt. Charakteristisch ist, dass die Keime paarweise zusammengelagert sind. Deshalb gehören sie morphologisch zur Gruppe der sogenannten Diplokokken und wurden früher auch als Diplococcus pneumonia bezeichnet.

Umgeben sind die Zellen von einer Kapsel aus Polysacchariden – langkettigen Zuckermolekülen. Anhand der chemischen Struktur dieser Kapselpolysaccharide lässt sich S. pneumoniae in Serotypen einteilen. Mehr als 90 Pneumokokken-Serotypen hat man bis heute identifiziert. Sie unterscheiden sich nicht nur in ihrer Struktur, sondern auch in ihrer Virulenz und ihrer Pathogenität. So sind nach dem momentanem Erkenntnisstand elf Serotypen für ein Viertel der schweren (invasiven) Pneumokokkenerkrankungen beim Menschen verantwortlich.

Streptococcus pneumonia
Von Streptococcus pneumoniae gibt es über 90 verschiedene Typen, die aber längst nicht alle gefährlich für den Menschen sind. Quelle: Department of Health and Human Services / Janice Haney Carr

Bestimmte Typen treten bei manchen Pneumokokken-Erkrankungen wie etwa der Meningitis besonders häufig auf. Unterschiede in der Serotypenverteilung gibt es außerdem in Abhängigkeit vom Lebensalter und von der Geographie. Das bedeutet, Streptococcus pneumoniae ist weniger ein einziges Bakterium als eine – sehr heterogene – "Bakterienfamilie".

Übertragung der Pneumokokken

Übertragen werden Pneumokokken in der Regel via Tröpfcheninfektion, das heißt durch das Einatmen erregerhaltiger Tröpfchen, die von Trägern der Bakterien freigesetzt werden - beim Sprechen, Lachen und insbesondere beim Niesen und Husten. Die Bakterien siedeln sich dann in der Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raums an. Doch das bedeutet nicht, dass man zwangsläufig ein Krankheitsbild entwickelt. Tatsächlich sind viele Menschen Träger des Keims, bleiben dabei aber kerngesund, weil ihr Immunsystem den Erreger entweder vernichtet oder erfolgreich in Schach hält. So lässt sich S. pneumoniae in der Schleimhaut von 20-40 Prozent aller gesunden Kinder nachweisen. In manchen Populationen wie etwa dem Personal von Krankenhäusern liegt die Rate der gesunden Keimträger noch deutlich höher. Zur Gefahr werden Pneumokokken meist erst, wenn die körpereigene Abwehr noch nicht oder nicht mehr voll funktionsfähig ist. Denn dann kann sich der Erreger in andere Organe ausbreiten und dort eine Infektion bedingen.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

  • European Center for Disease Prevention and Control ECDC – Pneumococcal infection – Factsheet for Health professionals (Teil Clinical features and sequalae), Abruf: 27.01.2011
  • WHO Pneumococcal vaccines (Teil Background); Abruf: 27.01.2011
  • WHO Pneumococcal vaccines (Teil The Pathogen), Abruf: 27.01.2011
  • Kindergesundheit.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA – Pneumokokken-Erkrankungen, Abruf 27.01.2011
  • European Center for Disease Prevention and Control – Pneumococcal infection – Factsheet for Health professionals, Abruf: 27.01.2011


Letzte Aktualisierung:

26.01.2011

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