Lungenentzündung: Symptome und Grundlagen

Eine Lungenentzündung oder Pneumonie ist eine Entzündung des Lungengewebes. Meist entsteht sie durch eine Infektion mit Erregern wie Bakterien, Viren oder Pilzen. Häufigster Auslöser einer Pneumonie sind Bakterien der Art Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken). Diese können auch andere sehr ernsthafte Erkrankungen hervorrufen, von Mittelohrentzündung bis hin zu Meningitis (Hirnhautentzündung) oder einer Sepsis (Blutvergiftung). 

GUT ZU WISSEN:

Zwischen ein und zwei Drittel aller Lungenentzündungen bei jüngeren Menschen werden durch Pneumokokken verursacht.

Weitere Erreger einer Lungenentzündung können zum Beispiel sein:

Eine Lungenentzündung kann auch durch äußere Einflüsse, wie das Einatmen von Reizgasen, verursacht werden. Je nach Art der Entzündung sind die Lungenbläschen (Alveolen) oder auch das Gewebe zwischen den Lungenbläschen und den Blutgefäßen betroffen.

Verschiedene Typen der Lungenentzündung

Meist ist eine Lungenentzündung auf eine bakterielle Infektion zurückzuführen, überwiegend durch Pneumokokken – die Erkrankung wird dann als typische Pneumonie bezeichnet. Jede fünfte Lungenentzündung wird durch Viren oder durch intrazelluläre Bakterien, wie Mykoplasmen, Chlamydien oder Legionellen, hervorgerufen – man spricht dann von einer atypischen Pneumonie.

Kurz gesagt:

Je nach Auslöser kann man zwischen typischen und atypischen Pneumonien unterscheiden.

Medizinisch werden außerdem noch die ambulant erworbene Pneumonie (englisch: „community-acquired pneumonia“ = CAP) und die sogenannte nosokomiale (in der Klinik erworbene) Pneumonie unterschieden. Wenn Personen, deren Immunsystem bereits durch Vorerkrankungen geschwächt sind (Immunsuppression), an einer Lungenentzündung erkranken, kann dies besonders gefährlich sein. Denn neben Pneumokokken treten vielfach andere Erreger, wie Pseudomonas, Staphylokokken, Pilze oder spezielle Viren, als Erreger in Erscheinung.

Als Folge von Lungenentzündungen können akute Lungenschädigungen (ALI) und akutes Lungenversagen (ARDS) auftreten.

Pneumokokken: Erreger der Lungenentzündung

Pneumokokken sind die häufigsten Auslöser einer Lungenentzündung. Charakteristisch für diese Bakterien ist, dass die Keime paarweise zusammengelagert sind. Deshalb gehören sie morphologisch zur Gruppe der sogenannten Diplokokken und wurden früher auch als Diplococcus pneumonia bezeichnet.

Umgeben sind die Zellen von einer Kapsel aus Polysacchariden – langkettigen komplexen Zuckermolekülen. Anhand der chemischen Struktur dieser Kapselmoleküle lassen sich Pneumokokken in verschiedene Untertypen, sogenannte Serotypen unterteilen. Bis heute sind mehr als 90 Pneumokokken-Serotypen identifiziert. Diese unterscheiden sich nicht nur in ihrer Struktur, sondern auch in ihrer Virulenz beziehungsweise Pathogenität, also darin wie sehr sie ansteckend sind und Erkrankungen verursachen können. So ist beispielsweise nur eine kleine Zahl der Serotypen, für die meisten schweren Pneumokokken-Erkrankungen beim Menschen verantwortlich.

GUT ZU WISSEN:

Lungenentzündungen gehören zu den sogenannten invasiven Pneumokokken-Erkrankungen, da die Keime sich dabei über den eigentlichen Infektionsort – den Nasen-Rachen-Raum – in ein normalerweise steriles Gewebe beziehungsweise sterile Körperflüssigkeit ausbreiten.

Die Polysaccharid-Kapsel ist einer der wichtigsten sogenannten Virulenzfaktoren der Pnemokokken. Denn sie beeinflusst die krankheitserzeugende Wirkung (Pathogenität) der Erreger. Die Kapsel bewahrt die Bakterien davor, von den Abwehrzellen des Immunsystems vernichtet zu werden. Zwar gibt es noch andere Virulenzfaktoren, doch die Widerstandsfähigkeit der Kapsel bestimmt letztlich, wie pathogen ein bestimmter Serotyp von S. pneumoniae ist.

Gelingt es der körpereigenen Abwehr nicht, den Keim zu vernichten oder in Schach zu halten, kann er sich in verschiedene Organe ausbreiten und dementsprechend eine Vielzahl von Erkrankungen auslösen – je nachdem, welches Organsystem betroffen ist.

Bestimmte Untertypen treten bei manchen Pneumokokken-Erkrankungen wie etwa der Meningitis besonders häufig auf. Unterschiede in der Serotypenverteilung gibt es außerdem in Abhängigkeit vom Lebensalter und von der Geographie. Streptococcus pneumoniae ist also weniger ein einziges Bakterium, sondern vielmehr eine – sehr heterogene – "Bakterienfamilie".

Pneumokokken: Übertragung

Übertragen werden Pneumokokken in der Regel via Aerosol als Tröpfcheninfektion übertragen, das heißt durch das Einatmen erregerhaltiger Tröpfchen, die von Trägern der Bakterien freigesetzt werden - beim Sprechen, Lachen und insbesondere beim Niesen und Husten.

Die Bakterien siedeln sich dann in der Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raums an. Das bedeutet allerdings nicht, dass man zwangsläufig auch erkrankt. Tatsächlich sind viele Menschen Träger des Keims, bleiben dabei aber kerngesund, weil ihr Immunsystem die Pneumokokken entweder vernichtet oder erfolgreich in Schach hält.

So lässt sich S. pneumoniae in der Schleimhaut von 40 bis 90 Prozent aller gesunden Kinder unter fünf Jahren nachweisen. Bei Erwachsenen sind es etwa zehn Prozent. In manchen Gruppen, wie etwa dem Personal von Krankenhäusern kann die Rate der gesunden Keimträger auch noch höher liegen.

Zur Gefahr werden Pneumokokken meist erst, wenn die körpereigene Abwehr noch nicht oder nicht mehr voll funktionsfähig ist. Denn dann kann sich der Erreger stark innerhalb der Lunge und auch in andere Organe ausbreiten und dort eine Infektion hervorrufen.

Lungenentzündung: Symptome

Die Lungenentzündung ist die häufigste Pneumokokken-Erkrankung. Sie betrifft vor allem Säuglinge und Kleinkinder sowie Menschen über 60 Jahre.

Mitunter gehen einer Lungenentzündung erkältungsartige Beschwerden voraus. Weitere mögliche Hinweise auf eine Pneumonie sind: 

  • plötzlich auftretendes Krankheitsgefühl mit Fieber,
  • Schüttelfrost,
  • Husten und eitriger Auswurf,
  • Atemnot,
  • Schmerzen im Brustkorb.

Bei Säuglingen und Kleinkindern können auch Trinkschwäche, Blässe und ein beschleunigter Puls Symptome für eine Lungenentzündung sein. Das Tückische an der Pneumokokken-Pneumonie ist, dass sie oft ohne Vorwarnung zu sehr schweren Symptomen wie akuter Luftnot und Sauerstoffmangel führt. Bei Kindern und älteren Menschen können Symptome auch fehlen oder schwächer ausfallen.

Ein Pleuraerguss – also die Ansammlung von Flüssigkeit in der Pleurahöhle, dem schmalen Spalt zwischen Lunge und Brustwand – ist die häufigste Komplikation einer durch Pneumokokken hervorgerufenen Lungenentzündung.

Die Lungenentzündung ist definitiv ein schweres Krankheitsbild. Bei Menschen, die deshalb im Krankenhaus behandelt werden, liegt die Sterblichkeit noch immer bei über 10 Prozent. Bei alten Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen kann die Rate noch höher liegen. Weltweit ist die Pneumonie die mit Abstand häufigste Ursache von durch S. pneumoniae verursachten Todesfällen.

Wissenschaftliche Beratung:

Prof. Dr. med. Gernot Rohde, Universitätsklinikum Frankfurt und Deutsches Zentrum für Lungenforschung

Quellen:

     

  • Ewig, S. et al.: S3-Leintlinie - Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie und Prävention – Update 2016. 
  •  

  • Dalhoff, K.: Ambulant erworbene Pneumonie bei Erwachsenen. CME (Berl). 2017; 14(11): 46–54. 
  •  

  • Weltgesundheitsorganisation (EHO): Pneumonia. 
  •  

  • Amboss: Pneumonie (Lungenentzündung). 
  •  

  • European Center for Disease Prevention and Control: Invasive pneumococcal disease 
  •  

  • Gritzfeld, J.F. et al.: Density and duration of experimental human pneumococcal carriage. In: Clin Microbiol Infect 2014; 20: O1145–O1151

Letzte Aktualisierung: 16.12.2020

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