Röntgen-Untersuchung des Brustkorbs

Röntgenaufnahme
Eine Röntgenaufnahme kann Aufschluss über verschiedene Lungenkrankheiten geben. Foto: Fotolia

IN KÜRZE:

Röntgenstrahlen sind energiereicher als die Strahlen des sichtbaren Lichts und können den Körper "durchleuchten".

Röntgen-Aufnahmen des Thorax (Brustkorbs) sind Teil der Standarduntersuchungen bei Lungenerkrankungen. Bei diesem radiologischen Verfahren werden Körpergewebe mit Röntgenstrahlen "durchleuchtet". Diese Röntgenstrahlen sind – genau wie sichtbares Licht, ultraviolette Strahlung und Radiowellen – sogenannte elektromagnetische Wellen. Röntgenstrahlen sind aber energiereicher als die anderen Strahlungsarten und können den Körper durchdringen. Abhängig von der Beschaffenheit der einzelnen Organe werden die Strahlen dabei mehr oder weniger stark abgeschwächt.

GUT ZU WISSEN

Der Röntgen-Thorax dient der orientierenden Erstdiagnostik vor allem bei Pneumonie, Krebs und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD).

Je dichter ein Gewebe ist, desto stärker ist die Abschwächung, das bedeutet, Knochen werden auf einem Röntgenfilm zum Beispiel hell dargestellt. Auch fibrosierendes Lungengewebe ist beispielsweise dichter als gesundes Gewebe und erscheint daher auf dem Röntgenfilm als Aufhellung (auf dem Röntgenschirm hingegen als "Verschattung"). Der Arzt erhält so Einsicht in innere Organe und Strukturen und kann Veränderungen erkennen und beurteilen. Die Bestrahlungszeit kann von einer Millisekunde bis zu einer Sekunde dauern, wird aber so kurz wie möglich gehalten. Besonders empfindliche Körperbereiche, die für die Untersuchung nicht relevant sind, werden durch strahlenundurchlässige Bleiabdeckungen vor unnötiger Bestrahlung geschützt. Bei einer Thoraxaufnahme wird beispielsweise der Unterleib durch eine Bleischürze abgedeckt.

IN KÜRZE:

Je dichter das Körpergewebe, desto heller erscheint es im Bild - Knochen und Organe, die keine oder kaum Röntgenstrahlen durchlassen, erzeugen im Röntgenbild entsprechend "helle Schatten".

Erfahrung vorausgesetzt

Nicht jeder Arzt darf bei seinen Patienten Röntgenstrahlen anwenden. Er muss dazu eine besondere Zusatzausbildung machen und die Genehmigung erwerben, ein Röntgengerät in seiner Praxis zu betreiben.

Meist werden Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen gemacht: von hinten nach vorne mit der Strahlenquelle im Rücken, und von der Seite. Erkennen lassen sich dadurch zum Beispiel Lungenentzündungen, Tuberkulose, Tumoren, Verletzungen der Lunge, Blutansammlungen und Erkrankungen des Rippenfells. Die Beurteilung von Thorax-Röntgenaufnahmen bedarf allerdings einiger Erfahrung, da die Struktur der Lunge nur als relativ diffuses Hintergrundmuster abgebildet wird.

Da Atembewegungen zum Verwackeln der Aufnahme führen könnten, wird der Patient vom medizinischen Personal gebeten, kurz die Luft anzuhalten und sich nicht zu bewegen. Während der eigentlichen Aufnahme verlässt das Personal wegen der Röntgenstrahlen den Raum.

GUT ZU WISSEN:

Über den klassischen Röntgen-Thorax hinaus können die Schnittbildverfahren Computertomographie (CT) und Magnetresonanz-tomographie (MRT) zunehmend funktionelle Prozesse wie Durchblutung, Atmung oder Stoffwechsel darstellen. In der Lungendiagnostik liefert die MRT – neben der CT – unter anderem wertvolle Informationen über die Lage und Ausdehnung von Lungentumoren und wird auch zur Verlaufskontrolle herangezogen.

Strahlenbelastung

Die Strahlenbelastung durch eine Röntgenuntersuchung ist normalerweise niedrig. Die genaue Dosis hängt von verschiedenen Parametern ab, beispielsweise von der untersuchten Körperregion, vom Körperbau des Patienten und von den technischen Einstellungen. Genaue Angaben zur Strahlendosis kann nur das untersuchende Personal machen. Schwangere dürfen aber nur in dringenden Ausnahmefällen Röntgenuntersuchungen durchführen lassen. Sie sollten den Arzt oder das medizinische Personal unbedingt auf eine bestehende (oder eventuell mögliche) Schwangerschaft hinweisen.

Kontrastmittel bei Röntgenuntersuchungen

Manche Gewebe lassen sich durch die Gabe von Kontrastmitteln im Röntgenbild besser darstellen. Je nach Fragestellung wird das Kontrastmittel getrunken oder in die Blutbahn gespritzt. Es gibt sogenannte positive Kontrastmittel, die Jod oder Barium enthalten und für Röntgenstrahlen kaum durchlässig sind. Trinkt ein Patient beispielsweise Barium-haltiges Kontrastmittel, erscheint dieses im Röntgenbild sehr hell, sodass die Wände von Speiseröhre, Magen oder Darm gut zu erkennen sind. So lassen sich auch Verdickungen oder Ausstülpungen der Wände erkennen, wie sie zum Beispiel durch einen Tumor entstehen können. Sogenannte negative Kontrastmittel wie Luft oder Kohlendioxid sind für die Röntgenstrahlung durchlässig und erzeugen daher keinen Schatten, erscheinen auf dem Bild also dunkel.

Die meisten Menschen vertragen die Kontrastmittel ohne Nebenwirkungen. Personen, die schon einmal Kontrastmittel erhalten und dieses schlecht vertragen haben, oder Personen, die von Allergien oder Unverträglichkeiten wissen, sollten dies ihrem Radiologen mitteilen. Bei manchen Vorerkrankungen oder inneren Verletzungen dürfen die Kontrastmittel nicht verwendet werden. Vor der Röntgenuntersuchung spricht der Arzt daher mit dem Patienten über mögliche Risiken und klärt, ob andere Untersuchungsverfahren eine Alternative darstellen könnten.

Nebenwirkungen sind selten

Wird das Kontrastmittel injiziert, verspüren manche Menschen ein vorübergehendes Kribbeln oder Wärmegefühl im Körper. Nach dem Trinken eines Kontrastmittels klagen manche Patienten über Übelkeit, Durchfall oder Bauchschmerzen. Allergische Reaktionen, die von Hautausschlägen über Übelkeit oder Kreislaufstörungen bis hin zu Symptomen eines allergischen Schocks reichen können, sind jedoch sehr selten. Auch andere Nebenwirkungen, wie eine Beeinträchtigung der Nieren- oder Schilddrüsenfunktion durch jodhaltige Kontrastmittel, kommen selten vor. Patienten, die während oder nach der Untersuchung ungewöhnliche Symptome bemerken, sollten auf jeden Fall den Arzt darüber informieren.

Neue Entwicklungen – Dunkelfeld-Röntgenaufnahmen

Diese neuartige Methode der Dunkelfeld-Bildgebung, bei der es sich noch um einen experimentellen Ansatz handelt, ist ebenfalls eine Art des Röntgens, die Strahlen werden allerdings anders eingesetzt. Beim konventionellen Röntgenverfahren werden wie erwähnt die Strahlen beim Auftreffen auf verschiedene Gewebearten unterschiedlich abgeschwächt. Bei der Dunkelfeld-Bildgebung wird zusätzlich die genaue Streuung der Strahlen im Gewebe sichtbar gemacht. Zum Beispiel tritt die Streuung an den Grenzflächen zwischen Luft und Gewebe auf, die durch den Gasaustausch in der Lunge gehäuft vorhanden sind. Jede Grenzfläche zwischen Körpergewebe und Luft kann so erkannt werden, strukturelle Veränderungen des Lungengewebes werden früh sichtbar. Bei einer gesunden Lunge wird die Strahlung in alle Richtungen gestreut, wodurch sich ein starkes Dunkelfeld-Signal ergibt.

Beim Lungenemphysem nimmt die Zahl der Luft-Gewebe-Grenzflächen durch die Funktionsschwäche der Lungenbläschen, also dort, wo der Gasaustausch zwischen Blut und Atemluft stattfindet, immer weiter ab. Die Röntgenstrahlen werden weniger gestreut, das Dunkelfeld-Signal wird abgeschwächt. So kann die Erkrankung theoretisch bereits in einem sehr frühen Stadium erkannt werden, auch die Einteilung in verschiedene Schweregrade wird dadurch möglich. Diese Methode muss allerdings noch weiter entwickelt werden, bevor sie in der klinischen Praxis zur Anwendung kommen kann.

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Quellen:

Letzte Aktualisierung:

27.08.2015

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