Lungentransplantation
Bei einer Lungentransplantation werden einzelne oder beide Lungenflügel gegen ein Spenderorgan ausgetauscht.
Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. med. Jens Gottlieb, Medizinische Hochschule Hannover
Bei einer Lungentransplantation werden einzelne oder beide Lungenflügel gegen ein Spenderorgan ausgetauscht.
Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. med. Jens Gottlieb, Medizinische Hochschule Hannover
Lungentransplantation bei Lungenkrankheiten im Endstadium
Die Transplantation der Lunge ist eine etablierte Behandlungsmethode für ausgewählte Patient:innen mit Lungenkrankheiten in Endstadien, bei denen keine weiteren Therapien erfolgsversprechend sind.
Weltweit werden jährlich über 4.600 Lungentransplantationen durchgeführt. In Deutschland gab es nach aktuellen Statistiken der Deutschen Stiftung Organtransplantation im Jahr 2021 insgesamt 283 Lungentransplantationen.
Video: Lungentransplantation - kurz und verständlich
Interview mit Prof. Nikolaus Kneidinger
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Transkript: Lungentransplantation - kurz und verständlich
Die Lungentransplantation ist ein therapeutisches Verfahren, in dem eine erkrankte Lunge, die die Funktion nicht mehr aufrechterhalten kann, durch eine neue Lunge von einem Spender ersetzt wird.
Eine Lungentransplantation kommt für Patienten in Frage, die eine chronische Lungenerkrankung haben, für die es keine weiteren therapeutischen Möglichkeiten mehr gibt. Für eine Lungentransplantation kommen allerdings nur Patienten in Frage, die keine relevanten Begleiterkrankungen haben. Das sind Erkrankungen, die den Transplantationserfolg beeinflussen können. Und für Patienten, die nicht zu alt sind. Deswegen ist unsere Altersgrenze zwischen 65 und 70 Jahren. Vorrangig wird aber das biologische und weniger das chronologische Alter betrachtet.
Die Komplikationen einer Lungentransplantation sind sehr vielfältig. Während in der Frühphase der Transplantation operative Schwierigkeiten auftreten können, Infektionen auftreten können, sind in der Spätphase der Transplantation eher chronische Abstoßungsreaktion der limitierende Faktor.
Komplikationen die im Rahmen der Transplantation, also der Operation auftreten, sind häufig Komplikationen, die mit der Narkose in Verbindung zu setzen sind. Aber auch Blutungskomplikationen und Wundheilungsstörungen.
Nach einer Lungentransplantation ist eine sehr engmaschige Nachsorge notwendig. Patienten müssen sogenannte Immunsuppressiva einnehmen. Das sind Medikamente, die das Immunsystem bewusst reduzieren, damit das eigene Immunsystem die transplantierte Lunge nicht abstößt. Das heißt, es gibt ein engmaschiges Monitoring der Immunsuppression und es gibt einen engmaschiges Monitoring der Funktion der transplantierten Lunge. Diese Nachsorge findet im Wesentlichen im Transplantationszentrum in sehr engmaschigen Abständen statt.
Die Erfolgsaussichten nach einer Lungentransplantation sind mittlerweile sehr gut. Wenn man Registerdaten aus den letzten zwei Jahrzehnten betrachtet, ist das mittlere Überleben eines Patienten auf Lungentransplantation 7 bis 8 Jahre. Mittlerweile ist zu erwarten, dass Patienten, die heute transplantiert werden, Lebenserwartungen von deutlich über zehn Jahren haben. Wir haben mittlerweile die ersten Patienten, die 20 bis 25 Jahre sehr erfolgreich transplantiert sind.
Die Lebensqualität ist im Vergleich zu vor der Transplantation sehr gut. Es gibt natürlich Einschränkungen, die auftreten, die mit Nebenwirkungen der vielen Medikamente zu tun haben, die auch mit Langzeitfolgen der immunsuppressiven Therapie wie Nierenfunktionstörungen, das Auftreten von Tumorerkrankungen und auf dem Auftreten von chronischer Abstoßung zu tun haben. Aber im Vergleich zu vor der Transplantation ist es ein deutlicher Zugewinn der Lebensqualität.
Die Forschungsansätze zu Lungentransplantation sind sehr vielfältig und begleiten einen Patienten auf seiner gesamten Reise: vom Patienten mit einer Lungenerkrankung im Endstadium bis zur chronischen Abstoßung nach der Lungentransplantation. Zum einen gibt es Ansätze, Patienten noch besser vorzubereiten für eine Lungentransplantation, Begleiterkrankungen besser zu behandeln. Nach der Transplantation gibt es erfolgreiche Ansätze auch das Auftreten von chronischen Abstoßungsreaktionen frühzeitig zu erkennen und frühzeitig behandeln zu können.
Wichtige Fakten zur Lungentransplantation
- Die Erfolgsraten haben sich seit der ersten erfolgreichen Transplantation einer Lunge in den vergangenen Jahrzehnten stetig verbessert. Heute leben ein Jahr nach der Lungentransplantation im Schnitt rund 85 Prozent der Patient:innen, nach fünf Jahren annähernd 60 Prozent.
- Trotz des erfreulichen Fortschritts fallen die langfristigen Überlebensraten immer noch deutlich schlechter aus als etwa bei Nieren-, Leber- oder Herztransplantationen.
- Grund dafür sind Komplikationen wie Infektionen, Tumoren und insbesondere das chronische Transplantatversagen (CLAD, engl.: chronic lung allograft dysfunction). Entstehung, Früherkennung und Behandlung des chronischen Transplantatversagens sind Gegenstand intensiver Forschung.
Weitere Informationen
- Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie
Georgstraße 11, 32545 Bad Oeynhausen
- Deutsches Herzzentrum Berlin
Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie
Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin
- Universitätsklinikum Essen
Klinik für Thorax- und kardiovaskuläre Chirurgie
Hufelandstraße 55, 45122 Essen
- Klinikum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Thoraxchirurgie
Hugstetterstraße 55, 79106 Freiburg i. Br.
- Klinikum der Justus-Liebig-Universität Gießen
Transplantationszentrum
Klinikstraße 326, 35385 Gießen
- Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Norddeutsches Lungentransplantationszentrum
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
- Medizinische Hochschule Hannover
Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
- Universitätsklinikum des Saarlandes - Homburg
Klinik für Thorax- und Herz-Gefäßchirurgie
Kirrberger Straße, 66421 Homburg/Saar
- Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie
Erlanger Allee 101, 07747 Jena
- Universitätsklinikum Schleswig-Holstein – Campus Kiel
Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie
Arnold-Heller-Str. 7, 24105 Kiel
- Universitätsklinikum Leipzig
Chirurgische Klinik II
Liebigstr. 20, 04103 Leipzig
- Universitätsmedizin Mainz
III. Med. Klinik und Poliklinik
Langenbeckstr. 1, 55131 Mainz
- Klinikum der Universität München
Campus Großhadern, Herzchirurgische Klinik und Poliklinik
Marchioninistraße 15, 81377 München
- Universitätsklinikum Münster
Klinik und Poliklinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
Albert-Schweitzer-Str. 33, 48149 Münster
Eine Übersicht der Transplantationszentren und deren Berichte finden Sie bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation hier.
- Bundesverband der Organtransplantierten e.V.
www.bdo-ev.de
- Deutsche Stiftung Organtransplantation
www.dso.de
- Deutsche Transplantationsgesellschaft
www.d-t-g-online.de
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
www.organspende-info.de
- Stiftung Eurotransplant – Vermittlungsstelle für Organspenden in Deutschland, Österreich, den Beneluxländern, Slowenien und Kroatien
www.eurotransplant.org
- International Society for Heart & Lung Transplantation
ishlt.org
Quellen
- Chambers DC, Cherikh WS, Goldfarb SB, et al. The International Thoracic Organ Transplant Registry of the International Society for Heart and Lung Transplantation: Thirty-fifth Adult Lung and Heart–Lung Transplant report – 2018; Focus theme: Multiorgan transplantation. J Heart Lung Transplant 2018; 37: 1169–1183.
- Van der Mark, S. C. et al.: Developments in lung transplantation over the past decade. In: European Respiratory Review, 2020
- Bos, S. et al.: Survival in adult lung transplantation: where are we in 2020? Current Opinion in Organ Transplantation: June 2020 - Volume 25 - Issue 3 - p 268-273
- Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO)
- Susan Moffatt-Bruce: Lung Transplantation. E-Medicine
- Gottlieb, J. et al.: Lung Transplantation in Germany Since the Introduction of the Lung Allocation Score. In: Deutsches Ärzteblatt International, 2017, 114(11) 2017
Letzte Aktualisierung: 18.05.2022