Vitamin D und Atemwegserkrankungen

Tuberkulose: Kein Schutz durch Vitamin D

03. Aug 2020

Die Einnahme von Vitamin D kann nicht vor einer Tuberkulose-Infektion oder anderen schweren Atemwegserkrankungen schützen. Dies ergab eine Phase-3-Studie mit rund 8.800 Kindern aus der Mongolei, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde.

Verschiedene Vitaminpräparate als gefüllte Pastillen auf Löffeln.

Vitamin-D gegen Tuberkulose? © pat_hastings - Fotolia.com

Die Infektionskrankheit Tuberkulose (TB) wird durch Mykobakterien wie Mycobacterium tuberculosis ausgelöst. Weltweit ist TB noch immer die häufigste zum Tode führende bakterielle Infektionskrankheit. In der Mongolei tritt die Erkrankung auch heute noch sehr häufig auf und stellt ein ernstes Gesundheitsproblem dar. Zudem leiden viele Menschen dort an einem Vitamin-D-Mangel.

Forschende gehen davon aus, dass Vitamin-D-Stoffwechselprodukte die angeborene Immunantwort gegen Mycobacterium tuberculosis unterstützen. Eine vorangegangene Pilotstudie des Autorenteams der Harvard School of Public Health in Boston hatte Hinweise darauf ergeben, dass eine Behandlung des Vitamin-D-Mangels das TB-Infektionsrisiko positiv beeinflussen kann. Diese Ergebnisse wollten die Forschenden in der aktuellen Studie überprüfen.

8851 Kinder zwischen 6 und 13 Jahren nahmen an der dreijährigen Studie teil. Alle waren noch nicht mit Tuberkulose infiziert und bei fast 96 Prozent lag zu Beginn der Studie die Konzentration des Stoffwechselprodukts 25-Hydroxy-Vitamin D im Blut unter 20 Nanogramm pro Milliliter. Die Kinder wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt, die eine Hälfte erhielt einmal wöchentlich ein Vitamin-D-Präparat, die andere ein wirkungsfreies Placebo. Am Ende der Untersuchung wurde mit einem Gamma-Interferon-Test überprüft, ob sich die Kinder mit Tuberkulose-Erregern infiziert hatten.

Auch keine Schutz gegen andere Atemwegsinfektionen

Obwohl die Gabe von Vitamin-D ihr Ziel erreicht hatte – die durchschnittliche Konzentration von 25-Hydroxy-Vitamin D war auf 31,0 Nanogramm pro Milliliter angestiegen gegenüber 10,7 in der Placebo-Gruppe – zeigte sich kein positiver Effekt auf das Infektionsrisiko. In der Vitamin-D-Gruppe infizierten sich 147 von 4.074 Kindern (3,6 Prozent) mit Tuberkulose-Bakterien, in der Placebo-Gruppe 134 von 4.043 Kindern (3,3 Prozent). An einer symptomatischen Tuberkulose erkrankten 21 Kinder der Vitamin-D-Gruppe und 25 Kinder der Placebo-Gruppe.

Auch auf andere schwere Atemwegskrankheiten hatte die Vitamin-D-Behandlung keinen positiven Einfluss. Insgesamt wurden während der dreijährigen Studie 29 Kinder in der Vitamin D-Gruppe und 34 in der Placebo-Gruppe wegen einer akuten Atemwegsinfektion im Krankenhaus behandelt.

Quellen:

Ganmaa, D. et al.:  Vitamin D Supplements for Prevention of Tuberculosis Infection and Disease. In: New England Journal of Medicine, 2020; 383:359-368 

Harvard T.H. Chan School of Public Health: Trial of Vitamin D Supplementation to Prevent TB Infection in Schoolchildren


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