Aspergillose

Grippe erhöht Risiko für Schimmelpilzinfektion der Lunge

06. Dez 2018

Menschen die wegen einer schweren Grippe auf der Intensivstation behandelt werden, haben ein erhöhtes Risiko für eine akute Schimmelpilzinfektion in der Lunge. Experten des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) raten den behandelnden Ärzten daher aktuell zu erhöhter Aufmerksamkeit.

Grippe und Lungenaspergillose - Grafik eines Aspergillus Pilzes

© Kateryna_Kon - Fotolia.com

Die Sporen des Schimmelpilzes Aspergillus fumigatus finden sich überall in der Umwelt, und wir atmen sie täglich ein. Zu einer Infektion kommt es bei Gesunden aber meist nicht. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa wenn sie Immunsuppressiva einnehmen, hat der Pilz jedoch oft leichtes Spiel. Nistet er sich erst einmal in der Lunge ein, verursacht er dort die invasive Aspergillose (IPA) - eine gefährliche Infektionskrankheit, bei der eine frühe Diagnose und Behandlung entscheidend sind.

Im Hinblick auf die kommende Grippesaison sollten Ärzte auf Intensivstationen bei Menschen mit schwerer Grippe auch auf Anzeichen einer Schimmelpilzinfektion achten. Dies empfehlen die Experten des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Denn Studien deuten vermehrt darauf hin, dass auch diese Patientengruppe anfälliger für eine invasive Lungenaspergillose ist.

„Mediziner rechnen nicht mit Aspergillose“

So hatten im vergangenen Sommer belgische Forschende in einer retrospektiven Studie gezeigt, dass annähernd jeder fünfte Grippe-Patient auf der Intensivstation eine IPA entwickelte. In der Gruppe der Patienten ohne zusätzlichen Risikofaktor erkrankten 14 Prozent an Aspergillose. Bei jenen, die neben der Grippe auch ein geschwächtes Immunsystem hatten, waren es sogar 32 Prozent. In der Kontrollgruppe ohne Grippe, trat eine IPA nur bei rund fünf Prozent der Intensiv-Patienten auf. Die Schimmelpilzinfektion verschlechterte die Prognose der Grippe-Patienten zudem deutlich.

Als Grund für die schlechtere Prognose vermuten die ECDC-Experten, dass die behandelnden Mediziner bei Grippe-Patienten nicht mit einer Schimmelpilzinfektion der Lunge rechnen, da sie nicht zur bisher „klassischen“ Risikogruppe gehören. Hierdurch verzögern sich die Diagnose und Behandlung. Eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Aspergillose könnte dies vermeiden.

Quellen:

European Centre for Disease Prevention and Control: Rapid risk assessment: Influenza-associated invasive pulmonary aspergillosis, Europe. Meldung vom 30. November 2018

Deutsches Ärzteblatt: Aspergillose: Grippe fördert tödliche Schimmelpilz­infektionen auf Intensivstationen. 3. Dezember 2018


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