Rhinovirus

Erkältung: Virusinfektion künftig direkt behandeln?

24. Mai 2018

Schnupfen, Husten, Heiserkeit – eine Erkältung lässt sich bisher nur symptomatisch behandeln. Am Imperial College London forscht man jedoch gerade an einem Wirkstoff, der direkt in die Infektion eingreift und verhindert, dass sich die Erkältungsviren vermehren. Die ersten Ergebnisse wurden vor kurzem in der Zeitschrift ‚Nature Chemistry‘ veröffentlicht.

Medikament gegen Erkältung? Bild zeigt einen hustenden Mann mit Taschentuch in der Hand.

© Lydie - Fotolia.com

Eine Erkältung, oft auch als grippaler Infekt bezeichnet, kann durch eine Vielzahl verschiedener Viren, vornehmlich Rhinoviren, ausgelöst werden. Aufgrund der vielfältigen Erreger ist es beinahe unmöglich, gegen die Erkrankung immun zu werden oder gar eine wirksame Impfung zu entwickeln. Da sich Viren sehr schnell vermehren, können sie außerdem sehr schnell Resistenzen gegen Wirkstoffe entwickeln. Bis heute gibt es daher noch kein Medikament, das direkt gegen die Erreger wirkt. Lediglich die Symptome der Erkältung können bisher behandelt werden.

Englischen Forschenden ist es jetzt gelungen, einen Wirkstoff zu entwickeln, der direkt in die virale Infektion eingreift. Um sich im menschlichen Körper zu vermehren, nutzen Viren Eiweißstrukturen ihres Wirts. Für die Virushülle benötigen Rhinoviren beispielsweise das menschliche Protein namens N-Myristoyltransferase (NMT). Genau dieses Eiweiß verwendeten die Forschenden für ihre Untersuchungen. Sie entwickelten einen Wirkstoff, der NMT blockiert und konnten so verhindern, dass sich das Rhinovirus in menschlichen Zellen vermehrt. Es zeigten sich keine schädlichen Nebenwirkungen auf die Zellen.  

Wirkung gegen alle Rhinoviren – Resistenzen beinahe ausgeschlossen

Das Team hofft nun, die Ergebnisse bald auch außerhalb der Zellkultur, am lebenden Modell, testen zu können. Ein Medikament auf Grundlage dieses Mechanismus könnte viele Vorteile mit sich bringen, so die Autoren. Zum einen wirke es gegen alle Arten der Rhinoviren, da sie alle das NMT-Protein für ihre Hülle benötigen. Zum anderen sei es fast ausgeschlossen, dass die Viren resistent gegen den Stoff werden, da er nicht den Erreger selbst, sondern ein menschliches Protein als Ziel hat.

Eine Erkältung ist für die meisten Menschen lediglich lästig, bei Betroffenen mit COPD oder Asthma kann eine Infektion aber auch zu schweren Komplikationen führen. Eine frühe Behandlung mit einem Stoff, der direkt gegen die Erkältung wirkt, könnte daher von großem Nutzen sein, so die Forschenden. Ihr langfristiges Ziel ist es, eine inhalierbare Version des Medikaments zu entwickeln, damit es möglichst schnell an den Wirkort, die Lunge, gelangen kann. Ob dies tatsächlich gelingt, werden weitere Studien zeigen.

Quellen:

Mousnier, A. et al.: Fragment-derived inhibitors of human N-myristoyltransferase block capsid assembly and replication of the common cold virus. In: Nature Chemistry, online publiziert am 14. Mai 2018 

Imperial College London: Molecule that acts on human cells might provide hope for irresistible cold cure. Pressemitteilung vom 14. Mai 2018


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