Asthma Medikamente

Asthma: Weniger Kortison durch den Antikörper Benralizumab

19. Jun 2017

Der Antikörper Benralizumab kann Menschen mit schwerem eosinophilem Asthma dabei helfen, ihre Dosis an Kortisontabletten deutlich zu senken. Außerdem schützt die Therapie viele Betroffene vor weiteren schweren Krankheitsschüben. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die im 'New England Journal of Medicine' veröffentlicht wurde.

Benralizumab bei schwerem Asthma. Das Bild zeigt modellhaft einen Antikörper.

Foto: ©Dr Kateryna / fotolia.com

Viele Menschen mit schwerem eosinophilem Asthma müssen Kortison-Tabletten oder Kortikosteroide in anderer Verabreichungsform einnehmen um ihre Erkrankung zu kontrollieren. Langfristig ist dies jedoch mit möglichen Nebenwirkungen verbunden, die die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken können. Monoklonale Antikörper, die gezielt gegen einzelne Bestandteile des Immunsystems wirken, stellen seit einiger Zeit eine alternative Therapieoption dar. Einer dieser Antikörper ist Benralizumab. Er gehört, wie auch Mepolizumab zu den sogenannten Anti-IL5 Antikörpern. Im menschlichen Körper wirkt Benralizumab gegen den Rezeptor des entzündungsfördernden Botenstoffs Interleukin 5 (IL-5).

In einer aktuellen Studie untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun, ob Benralizumab dabei helfen kann, die Dosis von Kortison-Tabletten zu reduzieren. Insgesamt nahmen 220 Menschen mit schwerem eosinophilem Asthma, die seit mindestens sechs Monaten mit Kortison-Tabletten und langwirksamen Beta-2-Sympathomimetika (LABA) behandelt wurden, an der ZONDA-Studie teil. Über insgesamt 28 Wochen erhielten sie alle vier Wochen entweder Benralizumab oder ein Placebo. Bei einem Teil der Probanden der Antikörper-Gruppe, wurde nach der dritten Dosis die Zeitspanne zwischen der Medikamentengabe zudem auf acht Wochen erhöht.

Mit Benralizumab weniger Kortison und weniger Exazerbationen

Es zeigte sich, dass durch eine Therapie mit Benralizumab die Kortison-Dosis bei den meisten Teilnehmern tatsächlich gesenkt werden konnte, ohne dass sich das Asthma verschlimmerte. Etwa zwei von drei Probanden (66 Prozent), die den Antikörper alle acht Wochen erhielten, konnten die Dosis um 50 Prozent oder mehr senken. In der Placebo-Gruppe gelang dies nur etwa jedem Dritten (37 Prozent). 33 Prozent der Betroffenen konnten unter der Benralizumab-Therapie die Dosis an Kortison sogar um 90 Prozent und mehr reduzieren. Mit Placebo waren es nur 12 Prozent der Teilnehmer. Mit Benralizumab bestehe somit eine deutlich größere Chance darauf, dass die Dosis an oralem Kortison verringert werden kann, als ohne den Antikörper, so die Autoren.

Die Ergebnisse der Studie zeigen außerdem, dass unter Benralizumab die Zahl der schweren Krankheitsschübe (Exazerbationen) pro Jahr deutlich gesenkt werden konnte. In der Gruppe mit achtwöchigem Intervall ging die Anzahl an Exazerbationen auf 0,54 pro Jahr zurück (Placebo: 1,83 Exazerbationen pro Jahr). Dies entspricht einem Rückgang von etwa 70 Prozent. Zudem mussten Probanden der Benralizumab-Gruppe aufgrund ihrer Exazerbationen seltener in die Notaufnahme.

Trotz der positiven Ergebnisse weisen die Autoren auch auf Einschränkungen ihrer Studie hin. Zum einen sollten längere Studien durchgeführt werden (mehr als 28 Wochen), um zu untersuchen wie sicher und effektiv eine Benralizumab-Therapie ist, nachdem die Kortison-Dosis verringert wurde. Zum anderen sei auch noch unklar, warum etwa 20 Prozent der Patienten ihre Kortison-Dosis auch mit Benralizumab nicht reduzieren konnten. Die Zulassung von Benralizumab in Europa ist beantragt. Die Studie wurde von der pharmazeutischen Industrie unterstützt.

Quellen:

Nair P., et al.: Oral Glucocorticoid–Sparing Effect of Benralizumab in Severe Asthma. In: New England Journal of Medicine, 22. Mai 2017

Deutsches Ärzteblatt: Asthma: Antikörper Benralizumab senkt Bedarf an systemischen Steroiden. (Letzter Abruf 19.6.2017)


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