Sarkoidose: Forschungsansätze

Vor allem die bislang ungeklärte Ursache der Sarkoidose ist Gegenstand vieler Forschungsprojekte.

Epidemiologische Beobachtungen zum Auftreten der Erkrankung deuten darauf hin, dass ein Zusammenhang mit Auslösern aus der Umwelt bestehen könnte. Ein Ansatzpunkt ist hierbei ein infektiöses Geschehen. Im Verdacht steht dabei besonders die Familie der grampositiven Mykobakterien, deren Vertreter Mycobacterium tuberculosis die Tuberkulose verursacht, eine ebenfalls granulomatöse Erkrankung. Besonderer Augenmerk wird hierbei auf bestimmte Kommensale, also ubiquitär vorkommende und mit dem Menschen in Symbiose lebende und als nicht notwendigerweise pathogen (krankheitserregend) identifizierte Bakterien, wie Propionibakterien (P. acnes) gelegt.

Es zeigte sich auch, dass bestimmte Zellwandbestandteile (chord factor) grampositiver Bakterien wie Mykobakterien oder eben Propionibakterien, hier vor allem Trehalose-6,6´dimycolat oder Trehalose dicorynomycolat, die Granulombildung unter bestimmten Bedingungen auslösen können. Als weitere Erreger werden Herpesviren diskutiert.

Mediziner aus New York meldeten einen deutlichen Anstieg der Diagnose Sarkoidose nach dem Anschlag auf das World Trade Center. Daher werden auch Luftpartikel wie Staub und Ruß als Auslöser in Betracht gezogen. Zudem ist ein der Sarkoidose annähernd identisches Krankheitsbild, das auf der chronischen Einatmung von Beryllium beruht, die sogenannte Berylliose, seit vielen Jahren bekannt und betrifft Arbeiter in der Keramik-, Fliesen- und Raumfahrt bzw. Werkzeugindustrie.

Auch genetische Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen. Eine amerikanische Studie (ACCESS-Studie) untersuchte an über 700 Sarkoidosepatienten und 30.000 Angehörigen zahlreiche Merkmale wie Genvarianten und Biomarker. Bisher konnte jedoch kein einzelner Faktor mit dem Auftreten der Erkrankung in Verbindung gebracht werden. Ein Zusammenhang der Sarkoidose-Erkrankung mit den Genen Butyrophilin-like 2 (BTNL2) und Annexin 11 (ANXA11) wird diskutiert.

Therapieforschung

Ein weiterer Schwerpunkt der Sarkoidose-Forschung ist die Entwicklung zukünftiger Behandlungsprinzipien. So sprechen nicht alle therapiepflichtigen Sarkoidose-Patienten auf die Standardtherapie mit Cortison an. Zudem gibt es bis heute in Deutschland keine spezifischen Sarkoidose-Medikamente.

Mit Hilfe klinischer Studien werden alternative Therapieoptionen untersucht. Diese beinhalten hauptsächlich andere immunsuppressive Substanzen wie Methotrexat, Azathioprin oder Leflunomid. Sie zeigen insgesamt eine gute Wirksamkeit bei Sarkoidose. Daher bieten sie die Möglichkeit, die Dosis der Kortikosteroide zu reduzieren oder stehen als Alternative zur Verfügung, wenn die Behandlung der Sarkoidose mit Cortison nur einen unzureichenden Effekt zeigt.

In den letzten Jahren sind auch vermehrt Biologika in den Fokus der Sarkoidose-Forschung gerückt. So hat sich zum Beispiel gezeigt, dass eine Anti-TNF-alpha-Antikörpertherapie mit Infliximab oder Adalimumab wirksam sein kann.

Vor kurzem wurden in Deutschland zudem zwei Studien gestartet, die untersuchen sollen, ob eine Lungensarkoidose mit bereits vorhandenen Medikamenten behandelt werden kann, die bisher nur für andere Krankheitsbilder zugelassen sind. Eine der Studie beschäftigt sich mit der Frage, ob eine Inhalation des Peptid-Hormons Aviptadil den lang andauernden, schweren Husten bei Sarkoidose lindern kann. Dieses Therapiekonzept soll jetzt in einer größer angelegten Studie weiter untersucht werden.

Weltweit finden zum Zeitpunkt Mitte Juli 2018 derzeit mindestens zehn verschiedene klinische interventionelle Studien bei Sarkoidose-Betroffenen statt. Überprüft werden hierbei

  • verschiedene Cortison-Regimen,
  • Methylphenidat,
  • antimykobakterielle Therapien,
  • Kortikotropin,
  • Nikotin,
  • Pirfenidon,
  • Canakinumab und
  • Riociguat.

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Quellen:

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Andreas Günther, Universitätsklinikum Gießen

Letzte Aktualisierung:

04.07.2018

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