Lymphangioleiomyomatose (LAM): Behandlung

Durch Medikamente ist Lymphangioleiomyomatose (LAM) bis heute leider nicht heilbar. Ziel der Therapie ist es vor allem, die LAM-Symptome und die Progression der Erkrankung bestmöglich zu verlangsamen. Wichtige Säulen der LAM-Behandlung sind die medikamentöse Therapie zur Kontrolle des Zellwachstums und die Lungentransplantation.

Symptomorientierte Therapie

Die am häufigsten eingesetzte Therapie ist die Behandlung der LAM-Symptome. Den Körper bestmöglich mit Sauerstoff zu versorgen, spielt dabei die größte Rolle. Bei starkem Sauerstoffmangel kann dies bis hin zu einer Langzeit-Sauerstofftherapie gehen.

Individuell werden zudem Bronchodilatatoren eingesetzt, Medikamente, die die Bronchien erweitern und die Atemnot lindern.

Behandlung möglicher Folgekomplikationen

Treten Komplikationen der LAM auf, können diese mit speziellen Verfahren behandelt werden. Haben Patientinnen beispielsweise häufig einen Lympherguss oder Lungenkollaps (Pneumothorax), kann dies im Einzelfall mit einer sogenannten Pleurodese behandelt werden. Das ist ein Eingriff, bei dem der Rippenfellspalt verklebt wird, sodass die Lunge nicht mehr zusammenfallen kann.

Bei Patientinnen die die LAM infolge einer Tuberösen Sklerose (TSC) entwickeln, können weitere Beschwerden auftreten, die ebenfalls behandelt werden müssen. So zum Beispiel 

  • die operative Entfernung oder Verödung bei einem gutartigen Tumor in der Niere (Angiomyolipom)

oder

  • Antiepileptika bei Epilepsie durch Hirntumore.

LAM: Medikamente zur Kontrolle des Zellwachstums

Mit der Substanz Sirolimus, auch Rapamycin genannt, kann zur LAM-Behandlung inzwischen auch ein Medikament eingesetzt werden, das spezifisch in die bekannten molekularen Prozesse der Krankheit eingreift und das ungehemmte Zellwachstum unterdrückt. Auf molekularer Ebene hemmt es einen speziellen Signalweg, der das Zellwachstum fördert und bei LAM durch den Gendefekt überaktiv ist. Sirolimus gehört zur Klasse der Immunsuppressiva.

Studien konnten zeigen, dass eine Behandlung mit Rapamycin den Abfall der Lungenfunktion bremst. Wurde die Therapie beendet, kam es allerdings zu einem erneuten Krankheitsfortschritt, was nahelegt, dass eine Dauertherapie mit Sirolimus notwendig ist. Die in den Studien bei LAM Patienten ermittelte wirksame Dosis liegt offenbar unter der Dosis, die bei Organtransplantationen angestrebt wird.

Eine Therapie mit Immunsuppressiva ist allerdings generell mit Nebenwirkungen verbunden. Daher empfiehlt die Leitlinie der European Respiratory Society Sirolimus nur für LAM-Patientinnen mit einem schwereren Krankheitsverlauf und deutlicher Einschränkung von Lungenfunktion und Gasaustausch. Bei Kontrolluntersuchungen soll die Wirkung und mögliche Nebenwirkungen der Substanz regelmäßig überprüft werden. Zudem wird empfohlen die Therapie möglichst im Rahmen einer klinischen Studie durchzuführen.

Noch immer laufen weitere klinische Studien, die vor allem die Langzeitwirkung und Arzneimittelsicherheit von Sirolimus untersuchen, um langfristig eine generelle Empfehlung für das Medikament aussprechen zu können. 

Molekulare Mechanismen und Ansatzpunkte der medikamentösen Therapie bei Lymphangioleiomyomatose: Durch den Defekt des TSC-Gen-Komplexes kommt er zu einer ungehemmten Aktivität des mTOR-Signalweges. Die Folgen sind Zellwachstum und -vermehrung, unter anderem durch Bildung von Östrogenrezeptoren. Östrogen wirkt über eine Gentranskription ebenfalls wachstumsfördernd.  Antiöstrogene drosseln die wachstumsfördernde Wirkung des Östrogens, Sirolimus hemmt den mTOR-Signalweg und damit das unkontrollierte Zellwachstum.
Molekulare Mechanismen und Ansatzpunkte der medikamentösen Therapie bei Lymphangioleiomyomatose ©Lungeninformationsdienst/Helmholtz Zentrum München



Ist eine Hormontherapie eine Option?

Die für LAM typischen wuchernden glatten Muskelzellen tragen an ihrer Zelloberfläche Bindestellen für das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Binden die weiblichen Hormone an die Zellen, bewirkt dies, dass sich die LAM-Zellen weiter vermehren. Denkbar wäre also, diese Reaktion mit Hilfe einer Hormontherapie, mit sogenannten Antiöstrogenen, medikamentös zu unterbinden. Bislang sind jedoch alle Studienergebnisse hierzu enttäuschend.

Es konnte keine wesentliche Verlangsamung des Krankheitsprozesses beobachtet werden. Hinzu kamen erhebliche Nebenwirkungen für die Patientinnen, da die Therapie den Hormonkreislauf im gesamten Körper stört. Die Hormontherapie wird daher derzeit nicht generell empfohlen.

Eine Ausnahme bildet das Hormon Progesteron, das antiöstrogene Eigenschaften besitzt. Dieses Hormon kann laut Leitlinie der European Respiratory Society im Einzelfall bei einigen wenigen Patientinnen mit einem sehr schnellen Krankheitsverlauf eingesetzt werden. Es sollte jedoch nicht routinemäßig angewandt werden.

Nehmen LAM-Patientinnen aus anderen Gründen Hormonpräparate ein (Antibabypille, Hormonersatztherapie), kann die Erkrankung schneller fortschreiten. Bei der Verordnung von Hormonpräparaten ist bei LAM somit besondere Vorsicht geboten.

Lungentransplantation

Die Lungentransplantation ist die derzeit einzige Heilungsoption bei Lymphangioleiomyomatose. Allerdings kommen hierfür nur wenige Patientinnen in Frage, zudem ist die Zahl an Spenderorganen begrenzt.

Nach einer erfolgreich durchgeführten Lungentransplantation ist das Risiko, dass die Lymphangioleiomyomatose wieder auftritt, laut aktuellen Studienergebnissen gering.

LAM-Behandlung: Weitere Maßnahmen

Um die die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern, gibt es eine Reihe von weiteren Maßnahmen, die bei der chronischen Lungenerkrankung LAM nach Absprache mit den behandelnden Ärzten ergriffen werden können. Dazu zählen unter anderem

Wissenschaftliche Beratung für dieses Kapitel:

Prof. Dr. Andreas Günther, Clinical Research Unit "Pulmonary Fibrosis", Universitätsklinikum Gießen und Marburg

Dr. Ekaterina Krauss, Clinical Research Unit "Pulmonary Fibrosis", Universitätsklinikum Gießen und Marburg

Quellen:

     

  • Bee, J. et al.: Lung function response and side effects to rapamycin for lymphangioleiomyomatosis: a prospective national cohort study. In: Thorax 2018; 73:369-375. 
  •  

  • European Respiratory Society (Hrsg.): “Guidelines for the diagnosis and management of Lymphangioleiomyomatosis”, 2010
  • Hammes, S. et al.: Targeted Approaches toward Understanding and Treating Pulmonary Lymphangioleiomyomatosis (LAM). In: Hormones and Cancer, 2012, doi: 10.1007/s12672-012-0128-4
  • McCormack, F. et al.: Efficacy and Safety of Sirolimus in Lymphangioleiomyomatosis. In: New England Journal of Medicine, 2011, 364 (17): 1595-1606
  • Oprescu, N. et al.: Clinical Predictors of Mortality and Cause of Death in Lymphangioleiomyomatosis: A Population-based Registry. In: Lung, 2012, doi 10.1007/s00408-012-9419-3
  •  

  • Meraj, R. et al.: Lymphangioleiomyomatosis: new concepts in pathogenesis, diagnosis, and treatment. In: Seminars in Respiratory and Critical Care Medicine, 2012, 33 (5): 486-97

Letzte Aktualisierung: 27.04.2020

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