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Michael Haggenmueller
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Was ist das RS-Virus?

Das Respiratorische Synzytial-Virus (kurz RS-Virus oder RSV) ist ein weltweit verbreiteter Erreger von Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege. In Mitteleuropa treten RSV-Infektionen besonders oft zwischen November und April auf.

Wissenschaftliche Beratung: 
PD Dr. med. Lutz Nährlich, UKGM Uniklinikum Gießen und Marburg

Das Respiratorische Synzytial-Virus (kurz RS-Virus oder RSV) ist ein weltweit verbreiteter Erreger von Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege. In Mitteleuropa treten RSV-Infektionen besonders oft zwischen November und April auf.

Wissenschaftliche Beratung: 
PD Dr. med. Lutz Nährlich, UKGM Uniklinikum Gießen und Marburg

Grundsätzlich können Infektionen mit RS-Viren jeden treffen – unabhängig vom Alter. Am häufigsten treten RS-Virus-Infektionen jedoch in den ersten zwei Lebensjahren auf. Bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum Alter von zwei Jahren ist das RSV der häufigste Auslöser von akuten Infektionen der unteren Atemwege. In den ersten drei Lebensmonaten können diese besonders schwer verlaufen. Frühgeborene, Kinder mit Vorerkrankungen der Lunge (zum Beispiel bronchopulmonale Dysplasie oder zystische Fibrose) sowie Kinder mit Herzfehlern haben ein besonderes Risiko für schwere RSV-Verläufe.

Lesen Sie dazu mehr im Kapitel RS-Virus: Risikofaktoren.

Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres haben nahezu alle Kinder mindestens eine RS-Virus-Infektion durchgemacht. Etwa zwei Prozent von ihnen werden deshalb im Krankenhaus behandelt. Ältere Kinder und Erwachsene entwickeln in aller Regel nur leichte, erkältungsähnliche RS-Virus-Symptome

RS-Virus, Inkubationszeit und Übertragung

Das RS-Virus gehört zur selben Virenfamilie (Paramyxoviridae) wie jene Erreger, die auch Masern oder Mumps hervorrufen. Der Erreger ist weltweit verbreitet. Die Übertragung erfolgt vor allem durch Tröpfcheninfektion von einer infektiösen Person auf eine andere Person oder indirekt über kontaminierte Hände, Gegenstände oder Oberflächen.

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten erster Symptome beträgt in der Regel zwei bis acht Tage, im Durchschnitt etwa fünf Tage.

Ist man infiziert, kann man bereits einen Tag nach der Ansteckung und damit noch bevor erste Symptome auftreten, infektiös sein. Die Dauer der Ansteckungsfähigkeit beträgt in der Regel drei bis acht Tage und klingt meist innerhalb einer Woche ab. Frühgeborene, Neugeborene und Menschen mit geschwächtem Immunsystem können das RS-Virus aber auch noch über mehrere Wochen, im Einzelfall sogar über Monate ausscheiden.

Eine RSV-Impfung existiert bislang nicht. Für Hochrisikopatientinnen und -patienten wie Frühgeborene oder Babys mit angeborenem Herzfehler gibt es eine RSV-Prophylaxe, die kurzfristig Schutz bietet, aber keine aktive Impfung im eigentlichen Sinne ist.

Lesen Sie mehr dazu im Kapitel RS-Virus-Prävention.

RSV-Infektion: Krankheitsmechanismen

Das RS-Virus besitzt eine doppelschichtige Lipidhülle, die mit der Zellmembran der Wirtszelle verschmelzen kann. Auf diesem Weg wird das genetische Material des Virus in die Lungenzelle eingeschleust. Spezielle Eiweiße der Virusmembran führen darüber hinaus zum Verschmelzen benachbarter Zellen des Lungengewebes und damit zur Bildung von Riesenzellen mit mehreren Zellkernen (sogenannten Synzytien).

Abgestorbene Zellen, einwandernde Zellen des Immunsystems und Schleim verstopfen in der Folge die Bronchien. Im Verlauf von vier bis acht Wochen regenerieren sich die geschädigten Lungenzellen jedoch wieder.

RSV-Infektionen bei Kleinkindern

Bei sehr jungen Kindern greifen RS-Virus-Infektionen in den ersten Lebensmonaten leicht von den oberen auf die unteren Atemwege über.

Da die Atemwege von Säuglingen relativ eng sind, werden ihre Bronchiolen und ihr Lungengewebe bei RSV-Infektionen besonders in Mitleidenschaft gezogen. Es kommt zur Entzündung der kleinen Endäste des Bronchialbaums (Bronchiolitis) und zur Lungenentzündung und selten auch zu Atemaussetzern (Apnoen).

Auf Grund von physiologischen Veränderungen – wie etwa der zunehmenden Größe der unteren Atemwege – nimmt diese Gefahr mit zunehmendem Lebensalter ab.

Quellen

Letzte Aktualisierung: 02.11.2021