Was ist Lungenkrebs?

Das Wort Krebs steht für eine große Gruppe ganz unterschiedlicher Erkrankungen, die eines gemeinsam haben: die unkontrollierte Teilung von Zellen eines Organs oder Gewebes. Was daraus entsteht, ist ein Tumor, zu Deutsch: eine Geschwulst. Sogenannte solide Tumoren gehen von den Zellen eines einzelnen Organs aus. Sie können gut- oder bösartig sein, auch als benigne oder maligne bezeichnet. Lungenkrebs gehört zu den bösartigen soliden Tumoren. Gutartige Tumoren der Lunge sind selten.

Bösartige Tumoren  zeichnen sich dadurch aus, dass sie der normalen Wachstumskontrolle des Organismus entzogen sind. Die veränderten Zellen vermehren sich ungebremst. Sie wachsen in umliegendes Gewebe ein und zerstören es. Sie können in Blutbahnen und Lymphgefäße eindringen und mit dem Blut- und Lymphstrom in andere Organe des Körpers gelangen. Dort können sich Zellen der soliden Tumoren ansiedeln und erneut vermehren - es entstehen Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen. Auch Lungenkrebs führt bei Betroffenen unter Umständen zu Metastasen beispielsweise in Lymphknoten, im Gehirn oder den Knochen.

Im Gegensatz zu den soliden Tumoren stehen Leukämien oder Lymphomen, die vom Knochenmark ausgehen und die Zellen der Blutbildung und des Immunsystems und damit den ganzen Körper betreffen. Bei einigen Lymphomen können aus Tumorzellen jedoch Knoten oder Geschwülste entstehen, die soliden Tumoren ähnlich sind. Solche Lymphomerkrankungen können auch die Lunge betreffen, sie gelten jedoch nicht als Lungenkrebs im engeren Sinn und werden in diesem Text daher nicht behandelt.

 

IN KÜRZE:

Husten, Luft- und Atemnot, Gewichtsverlust oder Schmerzen in der Brust oder den Knochen können Warnzeichen sein.

Woran erkennt man Lungenkrebs?

Lungenkrebs wird oft erst spät erkannt, wenn die Krankheit weit fortgeschritten ist. Das macht sie so gefährlich. Frühsymptome gibt es nur wenige. Ein neu auftretender Husten, der über Wochen anhält oder ein chronischer Husten, der sich plötzlich verschlimmert, sind jedoch verdächtig. Damit sollte man unbedingt zum Arzt gehen, vor allem als Raucher. Wenn jemand, der keine Diät zum Abnehmen macht, innerhalb einiger Wochen oder Monate deutlich an Gewicht verliert, kann auch dies ein Zeichen für eine schwerwiegende Erkrankung sein. Atemnot, Brustschmerzen oder Knochenschmerzen oder eine lang anhaltende Müdigkeit und Abgeschlagenheit können ebenfalls Symptome von Lungenkrebs sein, weisen aber meist auf eine fortgeschrittene Erkrankung hin.

 

Nach dem Erscheinungsbild des Tumorgewebes unter dem Mikroskop lassen sich im Wesentlichen vier Formen von Lungenkarzinomen unterscheiden: Am häufigsten sind die von Schleimhautdeckzellen ausgehenden Plattenepithelkarzinome und die von drüsenartigen Zellen abstammenden Adenokarzinome. Sie finden sich bei mehr als sieben von zehn betroffenen Patienten. Rund zwei von zehn Patienten sind an kleinzelligen Karzinomen erkrankt. Eher selten (etwa ein Betroffener unter zehn) sind großzellige Karzinome und andere Unterformen.

IN KÜRZE:

Von der Tumorart – nicht kleinzelliges oder kleinzelliges Karzinom – hängt ab, wie behandelt wird.

Welche Formen gibt es?

Ärzte teilen die verschiedenen Lungenkrebsarten im Wesentlichen in zwei Gruppen ein: in die der kleinzelligen Lungenkarzinome und die der nicht-kleinzelligen, dazu gehören Adenokarzinome, Plattenepithelkarzinome und großzellige Karzinome. Diese Unterscheidung ist für die Behandlungsplanung wichtig, da die Therapie des kleinzelligen Lungenkrebses grundsätzlich anders aussieht als die anderer Lungentumoren. In Deutschland sind auch die englischen Abkürzungen gebräuchlich: SCLC steht für kleinzelligen Lungenkrebs (small cell lung cancer), NSCLC steht für nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (non small cell lung cancer). Es ist allerdings zu erwarten, dass sich durch die immer feineren Methoden der Molekularbiologie in Zukunft alle Unterformen besser charakterisieren und differenzieren lassen. Die Hoffnung ist, dass sich daraus gezieltere Behandlungsmöglichkeiten ergeben werden, die auf die Biologie und die Wachstumsregulation des einzelnen Tumors abgestimmt sind.

Auch gutartige Tumoren können sich in der Lunge entwickeln, etwa aus dem faserigen Bindegewebe, aus Knorpelgewebe oder aus fehlgebildeten Geweben. Sie sind allerdings selten. Kennzeichnend für gutartige Tumoren ist, dass sie in der Regel langsam wachsen und gesundes Gewebe zwar verdrängen, aber nicht zerstören.

Ist Früherkennung möglich?

Für Patienten mit einem Bronchialkarzinom gibt es umso mehr Behandlungsmöglichkeiten und bessere Heilungschancen, je früher ihre Erkrankung erkannt wird. Trotz aller Forschung eignet sich allerdings keine Untersuchung für die breite Anwendung bei symptomlosen Gesunden. Bisher getestete Verfahren, von denen man sich viel versprochen hatte, wie etwa Röntgenreihenuntersuchungen oder Untersuchungen von abgehustetem Schleim, blieben ohne Erfolg: Sie waren nicht aussagekräftig genug und boten nur eine geringe "Trefferquote". Insgesamt sind alle bisher geprüften Verfahren als Früherkennungs- oder Screening-Untersuchung für die gesunde Bevölkerung im Vergleich zum Nutzen zu aufwendig und zu belastend.

Neue Untersuchungen konzentrieren sich daher heute vor allem auf Menschen, die ein besonders hohes Risiko tragen, vor allem auf Raucher. Seit einiger Zeit werden neuere Methoden erprobt, so etwa die Spiral-Computertomographie (CT) mit niedriger Strahlendosis. Auch die Möglichkeit, Bronchialsekret oder Sputum mit molekularbiologischen Methoden zu untersuchen, wird weiter verfolgt. Bisher steht der Beleg für einen Nutzen auch bei Risikogruppen noch aus. Außerhalb von kontrollierten Studien werden daher regelmäßige CT-Untersuchungen selbst für starke Raucher nicht empfohlen. Auch zur Routine-Untersuchung des Sputums raten Experten in der derzeit gültigen Leitlinie für die Früherkennung von Lungenkrebs nicht.

Aktuell bleibt Menschen, die sich um ihr Lungenkrebsrisiko sorgen, nur die Vorbeugung, also die Vermeidung der bekannten Risikofaktoren.



IN KÜRZE:

Bislang gibt es keine Untersuchungen zur Früherkennung von Lungenkrebs.

Warnzeichen oft wenig typisch

Lungenkarzinome verursachen in frühen Stadien nur selten Beschwerden. Kleine Tumoren werden fast immer zufällig entdeckt, zum Beispiel bei einer Röntgenuntersuchung des Brustkorbs aus anderem Anlass. Umso wichtiger ist es, vor allem für Raucher, Symptome ernst zu nehmen und mit dem Arzt zu besprechen. Die Krankheitszeichen sind leider oft so vieldeutig, dass sie häufig zunächst verkannt werden, etwa als chronische Bronchitis.

Neu einsetzender und über Wochen anhaltender Husten oder die Verschlimmerung eines chronischen Hustens führen Betroffene am häufigsten zum Arzt. Auf Nachfrage stellt sich oft heraus, dass sie sich seit längerem abgeschlagen fühlen, kurzatmig waren oder an Gewicht verloren haben. Häufig verschleimte Bronchien kennen vor allem Raucher. Klagen Patienten auch über Auswurf mit Blutbeimengungen oder verstärkt sich der Auswurf, kommen Schmerzen, Fieberschübe oder Atemnot hinzu, sind dies Warnsignale, die sofort zum Arzt führen sollten.

Welche Symptome können noch auftreten?

Wenn der Tumor sich über die Lunge hinaus ausgebreitet hat, können auch Absiedlungen in anderen Organen Symptome verursachen, sogenannte Metastasen. Bei nicht wenigen Betroffenen sind diese Beschwerden sogar der erste Hinweis auf die Erkrankung.

Bei Befall der Knochen leiden Patienten häufig unter Schmerzen, die zunächst zum Beispiel als „Arthrose“ gedeutet werden. Ist die Leber betroffen, kommt es oft zu Gewichtsverlust, Schwäche und Müdigkeit, ebenfalls eher unspezifischen Symptomen. Erst eine Gelbverfärbung der Augen, der Ikterus, ist ein deutlicherer Hinweis auf eine Leberschädigung. Metastasen im Gehirn können neurologische Symptome verursachen, zum Beispiel Lähmungen, Kopfschmerzen, aber auch Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Wesensveränderungen.

Vor allem kleinzellige Lungenkarzinome können hormonartige Substanzen bilden, die ins Blut abgegeben werden. Da diese Substanzen im Übermaß produziert werden, führen sie zu typischen Veränderungen im Blut oder unterschiedlichen, aber für den Arzt wegweisenden Beschwerden. Dazu gehören zum Beispiel Blutarmut, zu viel Kalzium im Blut (Hyperkalziämie), Blutgerinnungsstörungen, neurologische Symptome oder Hautveränderungen. Solche sogenannten paraneoplastischen Syndrome sind bei einem kleinen Teil der Betroffenen sogar das erste Zeichen der Erkrankung.

 

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

  • Leitlinien der American Society of Clinical Oncology (ASCO) zum Thema Lungenkrebs stehen in englischer Sprache und an Fachleute gerichtet unter www.asco.org zur Verfügung, Stichwort Practice Guidelines.

Letzte Aktualisierung:

26.05.11

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