Lungenentzündung: Vorbeugung

Pneumokokken sind die häufigsten Erreger von Lungenentzündungen. In Deutschland sind derzeit zwei Impfstoffe gegen Pneumokokken zugelassen. Das sogenannte Pneumokokken-Polysaccharid-Vakzin (PPV) besteht aus Zuckermolekülen aus der Kapsel von S. pneumoniae. Als Reaktion auf diese Kapselmoleküle bildet das Immunsystem Antikörper, die vor Infektionen mit dem Keim schützen. Der Polysaccharid-Impfstoff deckt insgesamt 23 Serotypen von Pneumokokken ab, die nach derzeitigem Kenntnisstand für 80-90 Prozent aller (schweren) Pneumokokken-Erkrankungen verantwortlich sind.

Seit Anfang der 1980er-Jahre empfiehlt die Ständige Impfkommission STIKO am Robert Koch-Institut, das ist die in Deutschland zuständige Behörde, die Impfung mit PPV für Personen mit Grundleiden, die eine Pneumokokken-Erkrankung begünstigen. Das heißt zum Beispiel für Menschen mit chronischen Herz- und Lungenerkrankungen, Leberzirrhose, Krankheiten der Niere, der Milz und des blutbildenden Systems und bei angeborenen und erworbenen Immunschwächen wie etwa einer HIV-Infektion. Dies gilt nach wie vor. 1998 hat die STIKO ihre Empfehlung auf alle über 60jährigen erweitert. Die Impfung erfolgt durch eine einmalige Injektion in den Muskel. Die lange Zeit üblichen Auffrischimpfungen alle drei bis sechs Jahre werden heute nur noch bei Patienten mit bestimmten Indikationen angeraten.

Wie wirksam ist der Impfstoff wirklich?

Ziel der Impfempfehlung ist, die Häufigkeit und Schwere invasiver Pneumokokken-Erkrankungen zu reduzieren. Dieser Effekt konnte in verschiedenen Studien belegt werden, wobei die Schutzwirkung je nach Untersuchung unterschiedlich stark ausgeprägt war. Dennoch ist der PPV-Impfstoff in Expertenkreisen umstritten, und auch die STIKO räumt ein, dass hinsichtlich seiner Wirksamkeit noch viele Fragen offen sind. So senkt die Impfung weder die Rate von Lungenentzündungen insgesamt, noch die Sterblichkeit - auch nicht bei Personen mit chronischen Erkrankungen, die eigentlich am meisten von dem Impfstoff profitieren müssten. 2009 kamen Sozialmediziner von der Universität Bern bei einer Meta-Analyse von insgesamt 22 Studien mit mehr als 100.000 Teilnehmern gar zu dem Schluss, dass die Impfung nicht einmal das Risiko für invasive Pneumokokken-Erkrankungen signifikant verringert. Trotzdem halten sowohl die STIKO als auch die WHO an ihrer Empfehlung für den PPV-Impfstoff fest, wobei die Weltgesundheitsorganisation explizit die Notwendigkeit effektiverer Vakzine gegen Pneumokokken betont.

IN KÜRZE:

Die ständige Impfkommission STIKO empfiehlt allen Erwachsenen ab dem 60. Lebensjahr, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen.

Die Impfung bei Kindern

Ein Manko des Pneumokokken-Impfstoffes PPV ist die nicht ausreichende Wirkung bei Kindern bis zwei Jahren. Diese Lücke wurde in Deutschland 2001 durch die Zulassung eines zweiten Impfstoffs geschlossen. Das sogenannte Konjugat-Vakzin (PCV für pneumococcal conjugate vaccine) deckt sieben der in dieser Altersgruppe häufigsten und gefährlichsten Serotypen von Streptococcus pneumoniae ab. Im Sommer 2006 hat die STIKO die Impfung mit PCV in den Impfkalender aufgenommen, empfiehlt sie also generell für alle Säuglinge und Kleinkinder unter zwei Jahren.

In der Regel werden im ersten Lebensjahr drei Einzeldosen im Abstand von mindestens einem Monat verabreicht. Im zweiten Lebensjahr folgt eine vierte Impfung. Im Gegensatz zum PPV-Impfstoff ist der Nutzen des Konjugat-Vakzins nur wenig umstritten. Doch auch PCV bietet keinen hundertprozentigen Schutz vor Pneumokokken-Erkrankungen – da er zwar sieben der wichtigsten, aber nicht alle Serotypen von S. pneumoniae abdeckt. Seit kurzem steht allerdings ein neuer Konjugat-Impfstoff zur Verfügung, der gegen 13 Serotypen wirkt. Die STIKO empfiehlt bei besonders gefährdeten Kindern, die in den ersten beiden Lebensjahren nicht oder nur mit dem 7-valenten Impfstoff geimpft wurden, eine zusätzliche Impfung mit diesem 13-valenten Vakzin.

 

 


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