COPD: Symptome, Entstehung, Formen
COPD steht für den englischen Begriff "chronic obstructive pulmonary disease". Wörtlich übersetzt bedeutet das chronisch obstruktive Lungenkrankheit.
Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. med. Timm Greulich, Universitätsklinikum Gießen und Marburg
PD Dr. med. Henrik Watz, LungenClinic Grosshansdorf
Was ist COPD?
In der Bezeichnung stecken zwei Schlüsselworte, die die COPD definieren. Der Begriff "obstruktiv" beschreibt, dass die Atemwege bei COPD verengt sind. Entsprechende COPD-Medikamente können sie vorübergehend erweitern, die Verengung bildet sich aber nicht vollständig zurück.
Die entstandenen Veränderungen in der Lunge bleiben lebenslang bestehen und schreiten in der Regel auch weiter fort. Dies beschreibt das Wort "chronisch". COPD ist bislang nicht heilbar. Die COPD-Forschung hat in den vergangenen Jahrzehnten aber große Fortschritte verzeichnet.
Es gibt vier COPD-Schweregrade (GOLD 1 bis GOLD 4) und drei Gruppen (A, B, E), in die COPD eingeteilt werden kann. Für die COPD-Therapie spielen besonders die Gruppen A, B, E eine entscheidende Rolle.
Video: COPD kurz und verständlich
Interview mit Prof. Klaus Rabe
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Transkript: COPD - kurz und verständlich
COPD ist eine chronische Erkrankung, die zu Veränderungen der Lungenfunktion, des Atemweges führt. Sie ist gar nicht so einfach zu beschreiben, weil sie heterogen ist. Wir kennen wahrscheinlich zwei Hauptformen der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung - chronic obstructive pulmonary disease. Eine etwas unglückliche Abkürzung für den deutschen Sprachraum. Es tatsächlich so, dass wir zwei größere Form unterscheiden können: die chronische Bronchitis eine, entzündliche Veränderungen des Atemweges, und das Emphysem, eine strukturelle Veränderung in der Peripherie der Lunge mit einer sogenannten Rarifizierung diese kleinen Lungenbläschen mit zum Teil sehr unterschiedlichen physiologischen Konsequenzen. Allerdings gehören diese beiden Formen zur COPD. Bei manchen Patienten ist die Atemwegskomponente deutlich stärker ausgeprägt als das Emphysem und umgekehrt. Und - um es ganz komplex zu machen - auch beide Formen können in einem Patienten vorhanden sein. Bisschen lange Erklärung, aber es ist tatsächlich etwas heterogen. Und COPD in einem Satz zu definieren ist in den letzten Jahren - in den letzten 50 Jahren -schwer gefallen.
Der COPD-Patient, der ein Emphysem hat - eine Veränderung der kleinen Lungenbläschen in der Peripherie mit der Konsequenz der Abnahme der Lungenoberfläche, wo der Gastaustausch funktionieren soll, und Abnahme der sogenannten "Compliance", dass diese Lunge sich einfach schlechter bewegt - diese Patienten haben vor allen Dingen Luftnot. Sie sitzen problemlos, aber sobald sie sich belasten, merken sie, dass die Luft knapper wird. Belastungen, wenn man seine Wohnung im ersten Stock hat, die problemlos gingen vor einem Jahr werden auf einmal schwer. Luftnot ist das häufigste Zeichen dieser Patientinnen und Patienten. Das kann assoziiert sein mit Infekten. Das merken Patienten dann mit Husten und Auswurf, wobei dieses mehr die Domäne der chronischen Bronchitis ist. Der Bonchitiker ist ein Patient, der häufig Infekte hat - Husten und Auswurf, zum Teil gefärbtes Sputum. Das ist immer ein Hinweis darauf, vor allen Dingen wenn er Risikofaktor hat - Rauchen in aller Regel - dass sich dort eine chronische Bronchitis entwickelt, die dann mit einer Veränderung der Lungenfunktion zu einer chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung führt. Die Symptome sind zum Teil unterschiedlich zwischen den einzelnen Erscheinungsformen. Aber Husten und Auswurf, Kurzluftigkeit und akute Verschlechterungen, die wir dann als Infekte oder Exazerbationen nennen, sind wahrscheinlich die häufigsten Symptome.
COPD ist klassischerweise eine Erkrankung in unserer Perzeption in der Klinik des älteren Erwachsenen. Alter heißt 50 plus. Große klinische Studien inkludieren Patienten weltweit mit dem Durchschnittsalter von 64. Das ist schon beeindruckend. Diese sind in diesem Lebensalter, wo die Diagnose manifest ist. Ich komme gleich noch dazu, wann die Erkrankung eigentlich beginnt. Letztendlich aber wird die Diagnose gestellt von jemand mit Symptomen, wie zum Beispiel Luftnot unter körperlicher Belastung ohne anderen Grund, Husten und Ausrufung bei einer chronischen Bronchitis, und einem Risikofaktor. Der Risikofaktor ist häufig der, dass jemand zum Beispiel Zigaretten raucht - aktiv oder in der Vergangenheit. Die zweite Säule der Diagnostik ist die Lungenfunktion - sowohl die Überblähung der Lunge im Emphysem als auch die Obstruktion führt zu Veränderungen der Lungenfunktion die wir im Atemstoß messen können - kleines FEV1. Allerdings gibt es, wenn die Peripherie der Lunge verändert ist, dass die Lungen überbläht ist. Das ist das, was mehr Menschen merken - eine gewisse Überfüllung des Thorax. Eine Funktion, die wir auch messen können als sogenanntes Residualvolumen. Das heißt, wir haben Lungenfunktionsparameter, die das auch messen können. Also: Klassisches Alter, Risikofaktor, klassische Symptome und Lungenfunktionseinschränkungen sind die Basis dafür. Plus, in den letzten Jahren zunehmend, Bildgebung: das CT, das sehr gute und relevante Hinweise liefern kann über das Maß des Emphysems oder primär die Atemwegspathologie inklusive chronischer Veränderungen, die dann aber Patienten mit der COPD auch in Bronchiektasen münden können - anders Kapitel. Aber das "Imaging" ist mittlerweile in den letzten vielen Jahren zu einem wesentlichen Mitbestandteil der Diagnostik geworden.
Die COPD ist eine obstruktive Lungenerkrankung mit Überblähung, so dass man primär versucht durch Bronchodilatation das Maß Überblähung rückzuführen: dass Patienten wieder mit ihrer Pumpe arbeiten können und zweitens dass der Atemstoß durch Erweiterung des Atemwegs verbessert wird - das FEV1. Neben diesen Faktoren gibt es natürlich Leute und Patientinnen und Patienten, die exazerbieren, Infekte haben. Da stellt sich die Frage nach der mikrobiologischen Diagnostik, einer akuten Therapie mit einem Antibiotikum und/oder auch eine Dauertherapie, zum Beispiel mit Makroliden. Das Dritte ist, dass wir mehr und mehr wissen, dass wir, beginnend und der Asthma-Literatur ein bisschen folgend, Biomarker entwickeln, mit denen man sagen kann, vielleicht profitieren manche Patienten mit einer COPD auch von entzündungshemmender Therapie, zum Beispiel auch von inhalierbarem Kortison. Das sind Patienten mit häufigen Exazerbationen. Das sind häufiger Patienten, die primäre eine Atemwegsproblematik haben und das sind häufig Patienten, die als Biomarker Eosinophilen-Anzahlen haben im peripheren Blut bei ungefähr 300 Zellen pro Mikroliter. Das ist für unseren Hinweis das neben der Bronchodilatation und Entblähung auch eine entzündungshemmende Therapie eine Rolle spielen kann - in der Regel mit den besten Daten für einen bestimmten Schweregrad, eine sogenannte Triple-Therapie: zwei Bronchodilatatoren plus inhalierbares Cortison, wenn man die physiologischen und biologischen Voraussetzungen erfüllt.
Die COPD-Welt hat sich in den letzten Jahren phänomenal verändert, weil wir gesehen haben, dass diese chronische Erkrankung, die wir normalerweise erst dann diagnostizieren, wenn Patientinnen und Patienten symptomatisch werden, dass es Risikofaktoren gibt, die zum Beispiel viel viel früher liegen. Wir haben uns natürlich auch - meines Erachtens zu Recht - auf das inhalative Zigarettenrauchen fokussiert. Wir wissen allerdings auch, dass die Lungenfunktionseinschränkung sehr früh beginnen kann. Zum Beispiel gibt es gute Daten, dass jemand, der immer wieder Infekte hatte im früheren Lebensalter, in der Kindheit auch diese passive Rauchexposition zur chronisch obstruktiven Lungenerkrankung führen kann. Wir wissen mittlerweile, dass die Frühgeburtlichkeit, wenn also ein Kind vor dem Termin von 40 Wochen, mit einem niedrigen Geburtsgewicht ausgestattet auf die Welt kommt, ein höheres Risiko hat, tatsächlich eine schlechtere Lungenfunktion zu haben.
Nicht, dass sie eine eigenständige Dysplasie haben, was wir BPD nennen, sondern die Startbedingungen der Kinder sind einfach schlechter. Was man dazu wissen muss ist: Das Lungenwachstum, das Bilden dieser Bläschen, dieser Prozess, der letztendlich beginnt mit Geburt - intrauterin angefangen wird - er beginnt bei der Geburt, wenn sozusagen die Luft in die Lunge strömt. Dieser Prozess dieser Blasenbildung hört auf ungefähr im 21. Lebensjahr. Das ist relativ konstant beim Menschen, was für mich immer noch ein absolutes Phänomen ist. Was das aber auch heißt: Die Lungenfunktion im Erwachsenenalter kann nur so gut sein wie die Lungenfunktion, die wir im 21. Lebensjahr gehabt haben. Das heißt, wir gehen mehr und mehr davon aus, dass wir Faktoren kennen wollen und müssen der frühen Entwicklung eines Menschen und der frühen Entwicklung auch das Wachstums der Lunge, um zu erklären, warum Patientinnen und Patienten mit einer sehr schlechten Lungenfunktion im Erwachsenenalter auftauchen. Es ist tatsächlich so, dass wir das früher nicht gemacht haben. Wir interessieren uns für Frühgeburtlichkeit, Geburtsgewicht, frühere Effekte außerhalb des Zigarettenrauchens. Die Welt hat sich verändert und wir haben in der Wissenschaft mehr und mehr einen Fokus auf sogenannte frühe Formen der Erkrankung, um genau das zu verstehen. Denn wir sind alle der Meinung, dass wenn der Patient, der kurzluftig ist, nicht mehr den ersten Stock kommt - ich hatte darüber berichtet - das bei dem der Erkrankungsprozess eigentlich abgeschlossen ist. Da ist ganz viel passiert. Wir wollen natürlich viel früher intervenieren und neue Arzneimittel und neue Interventionsstrategien für diese Patientinnen und Patienten zu entwickeln, die leider sehr häufig sind.
Die Forschungsansätze heute habe ich auch schon ein bisschen skizziert. Es geht darum zu verstehen, was denn der Beginn dieser Erkrankung ist, weil wir das Gefühl haben, dass wir besser dort intervenieren könnten, wenn der Prozess gerade beginnt. Wir wissen aus aktuellen Untersuchungen, dass es auch ein genetisches Risiko gibt. Es gibt bestimmte genetische Risikogene und Risikolokalisationen, die einen suszeptibler machen für die Entstehung einer COPD.
Es gibt, glaube ich, kein Argument, warum wir nicht bessere Strategien zu Raucherentwöhnung und sozusagen Rauchprävention betreiben sollten, weil das ist ohne Zweifel einer der Risikofaktoren. Es ist für mich persönlich ein bisschen bedrückend zu sehen, wie wenig interventionelle, auch medikamentöse Therapieformen wir haben, um von dieser Sucht loszukommen. Ich glaube, das ist nach wie vor ein Thema. Das Dritte in der Forschung ist, dass die Patienten, die diese chronischen Erkrankung haben, die ja zum Teil Jahre und Jahrzehnte damit leben, haben häufig neben der Lungenerkrankung auch andere Manifestation eines Erkrankungsprozesses: kardiovaskuläre Erkrankungen.
Diese Patienten haben häufiger Osteoporose, häufiger dermatologische Aufbauprobleme der Haut, die haben eine Gewebe-Minusvariante. Ihre Erkrankung, die man im Prinzip verstehen muss. Und man muss eben auch verstehen, wann beginnt auch dieser Prozess. Wir reden in der COPD von Komorbiditäten als wenn die COPD erst da wäre und das alles andere würde sich dann dazu gesellen als Partner. Dies ist sehr wahrscheinlich sehr falsch, wenn wir glauben, dass sie die COPD früh beginnt ist es sehr annehmlich, dass auch diese Komorbiditäten früh beginnen, so dass man eher von Multimobilität sprechen sollte - von Patienten, die mehrere Probleme haben. Die Amerikaner nennen das ein bisschen diskutabel "badly constructed", dass jemand tatsächlich mit schlechten Startbedingungen, mit einem Risikofaktor wie Rachen, Passivrauch-Exposure, häufigen Infekten, mehrere Manifestationsarten hat. Wir fokussieren uns auf die Lunge. Aber jemand, der eine relevante, schwergradige COPD hat, hat sozusagen nie nur eine COPD, der hat auch andere Formen dieser Erkrankung. Da muss man hin, das muss man besser verstehen.
Das erste COPD-Anzeichen ist meist täglicher Husten. Zu Beginn tritt er vor allem morgens auf, wird dann aber im Laufe der Zeit immer häufiger, hartnäckiger und schlimmer. Betroffene husten vermehrt weißen bis bräunlichen Schleim ab (Sputum).
Atemnot macht sich am Anfang der COPD oft nur bei körperlicher Belastung bemerkbar, also beispielsweise beim Treppensteigen oder Fahrradfahren. Bei fortgeschrittener COPD haben viele betroffene Menschen auch in Ruhe das Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen.
Weitere mögliche COPD-Symptome sind Geräusche beim Ausatmen und ein Engegefühl in der Brust.
Video: COPD-Symptome
Interview mit Prof. Klaus Rabe
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COPD trifft auf lange Sicht den ganzen Körper
COPD ist zwar in erster Linie eine Lungenkrankheit, doch vor allem in fortgeschrittenen COPD-Stadien beeinträchtigt sie auch andere Organe. Vor allem schwächt COPD das Herz. Aber auch an
- Muskulatur,
- Skelett und
- Stoffwechselorganen
kann es zu COPD-Folgeerkrankungen kommen. So leiden viele Menschen mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung auch an Blutarmut, Muskelabbau und Gewichtsverlust.
COPD-Beginn: chronische Bronchitis
Oft beginnt COPD mit einer chronischen Bronchitis. Definitionsgemäß liegt eine chronische Bronchitis vor, wenn eine Person in zwei aufeinander folgenden Jahren für jeweils mindestens drei Monate unter anhaltendem Husten, vermehrter Schleimbildung und Auswurf leidet.
Meist bleibt es bei diesem Stadium der sogenannten nicht-obstruktiven Bronchitis – das heißt, die Bronchien sind zwar entzündet, aber nicht dauerhaft verengt.
Formen von COPD
COPD ist kein einheitliches Krankheitsbild, sondern umfasst verschiedene Untergruppen. Prinzipiell unterscheidet man zwei COPD-Hauptformen:
- COPD mit chronischer Bronchitis/Bronchiolitis (Entzündungen in den kleinen Atemwegen/Bronchien und Bronchiolen)
- COPD mit Lungenemphysem (Zerstörung von Lungengewebe)
Bei einem Lungenemphysem werden die Trennwände zwischen den Lungenbläschen unwiderruflich zerstört und es bilden sich große luftgefüllte Blasen. Dadurch verkleinert sich die Fläche für den Gasaustausch, wodurch weniger Sauerstoff ins Blut gelangt.
In einigen Fällen kann COPD auch Komponenten von Asthma aufweisen. Ähnlich wie bei Menschen mit Asthma reagieren die Bronchien mancher Menschen mit COPD beispielsweise verstärkt auf Schadstoffe von außen. Da sich Ursachen und Behandlung der beiden Lungenkrankheiten aber unterscheiden, muss zwischen Asthma und COPD so gut wie möglich unterschieden werden.
In seltenen Fällen kann COPD auch die Folge eines Alpha-1-Antitrypsinmangels (AAT-Mangel) sein. Bei allen Menschen mit COPD empfehlen Fachleute daher mindestens einmal im Leben einen Bluttest auf AAT-Mangel. Das gilt insbesondere bei jenen, die früh COPD entwickeln (vor dem 45. Lebensjahr).
COPD-Stufen und Schweregrade
Fachleute teilen COPD in vier Schweregrade ein (GOLD 1 bis GOLD 4). Diese richten sich danach, wie stark der Lungenfunktionswert FEV1 vom Sollwert abweicht. Der wichtigere Maßstab für eine erfolgreiche Therapie ist jedoch, wie schwer die Symptome ausgeprägt sind und wie oft die Erkrankung sich im Verlauf akut verschlechtert (Exazerbationen).
Wie entsteht COPD?
Es gibt verschiedene Faktoren, die das COPD-Risiko begünstigen. Der wichtigste ist das Rauchen. Allerdings erkranken auch Menschen, die nie geraucht haben, an COPD. Das zeigt, dass auch andere Einflüsse von Bedeutung sind, etwa
- eine genetische Veranlagung,
- Luftverschmutzung oder
- berufsbedingte Schadstoffe (zum Beispiel Asbest).
COPD-Entstehung: Was passiert im Körper?
Ausgangspunkt von COPD ist eine chronische, also andauernde Entzündung der Atemwege. Diese stört die normalen Abwehr- und Reparaturmechanismen der Lunge, wodurch es zu Umbauprozessen in den Bronchien und den Bronchiolen kommt (sogenanntes Remodeling).
Video: Entzündungen bei Lungenerkrankungen: Das sollten Sie wissen
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Transkript: Entzündungen bei Lungenerkrankungen: Das sollten Sie wissen
Eine gesunde Lunge versorgt den Menschen mit Sauerstoff und transportiert Kohlendioxid ab. Dieser Gasaustausch ist lebenswichtig und bedarf einer riesigen Lungenoberfläche: Beim Erwachsenen erreicht sie die Größe eines Tennisplatzes. Doch die Atmung ist störanfällig. So gelangen neben Sauerstoff und anderen Gasen auch Krankheitserreger und kleine Partikel wie Pollen oder Feinstaub in die Lunge. Die Schleimhaut der Atemwege hält das Atmungsorgan sauber und befördert eingeatmete Partikel wieder hinaus. Am Ende der Atemwege, im Bereich des Gasaustauschs, würde dieser Schleim jedoch stören. Daher ist die Lungenoberfläche dort ungeschützt. Funktioniert die Beseitigung von eingeatmeten Erregern nicht schnell genug, kann es zu einer Infektion kommen und die Atemwege können sich entzünden. Sind die Bronchen entzündet, schwillt die Schleimhaut an und verengt sie. Außerdem entsteht mehr zäher Schleim, der die Atemwege verstopft. Es gibt akute Entzündungen, die wieder abklingen, und chronische Entzündungen, die dauerhaft auftreten. Akute Entzündungen können vorübergehende Erkrankungen wie eine Bronchitis oder Lungenentzündung verursachen. Sie können aber auch eine schon bestehende Lungenerkrankung verschlimmern, zum Beispiel COPD oder Asthma. Sind die Bronchien chronisch - also dauerhaft - entzündet, kann dies der Auslöser einer ganzen Reihe von chronischen Lungenerkrankungen sein, zum Beispiel von Asthma. Das Wissen um die Bedeutung von Entzündungen hilft Forschenden, neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Entzündungen sind Abwehrreaktion des Immunsystems gegen schädliche Einflüsse. Viele verschiedene Zelltypen und Botenstoffe wirken hier zusammen. Welche genau, unterscheidet sich, je nachdem ob Bakterien, Viren oder andere Partikel bekämpft werden. Ein Zelltyp, der eine Rolle spielen kann, sind spezielle weiße Blutkörperchen: die T-Helferzellen. Es gibt verschiedene Arten von T-Helferzellen, zum Beispiel die TH1- und TH2-Zellen. Sie befinden sich normalerweise in einem Gleichgewicht. Manchmal gewinnen jedoch die TH2-Zellen die Oberhand. Dann entsteht eine sogenannte Typ 2-Entzündung. Daran kann die Behandlung ansetzen. Es gibt verschiedene Medikamentengruppen zur Behandlung von Lungenerkrankungen, zum Beispiel bronchienerweiternde Medikamente oder antientzündliche Mittel. Inzwischen gibt es sogar Wirkstoffe, die gezielt die Typ 2-Entzündung bekämpfen: bestimmte Biologika oder monoklonale Antikörper. Forschende arbeiten mit Hochdruck daran, für immer mehr Lungenerkrankungen diese neuartigen Antikörper zu entwickeln und zu erproben.
Umbauprozesse im Lungengewebe bei COPD
Diese Umbauprozesse lösen schließlich eine ganze Reihe von krankhaften Veränderungen im Lungengewebe aus:
- Durch wiederholte Schäden und Reparaturvorgänge wird vermehrt Kollagen in das Lungengewebe eingelagert. Es bildet sich eine Art Narbengewebe, das die Atemwege verengt. Eine dauerhaft angespannte Bronchialmuskulatur kann die Verengung der Atemwege weiter verstärken.
- Durch die chronische Entzündung schwillt die Schleimhaut in den Bronchien an, wodurch die Atemwege weiter verengen. Mit fortschreitender COPD entstehen vermehrt schleimproduzierende Becherzellen, sodass in der Lunge mehr Schleim gebildet wird.
- Gleichzeitig sind bei COPD auch die Selbstreinigungsmechanismen der Bronchien eingeschränkt, da die Flimmerhärchen (Zilien) verloren gehen können. Der zähe Schleim sammelt sich in den bereits verengten Atemwegen. Im Extremfall kann er die unteren Bronchien komplett verschließen.
Auch die Lungenbläschen, in denen der Gasaustausch stattfindet, können bei COPD geschädigt sein. All diese Veränderungen der Lunge bedingen gemeinsam die typischen COPD-Symptome.
Video: Was passiert im Körper bei obstruktiven Lungenkrankheiten?
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Transkript: Was passiert im Körper bei obstruktiven Lungenkrankheiten wie COPD oder Asthma?
Viele Menschen leben mit einer Lungenerkrankung, bei der die Atemwege dauerhaft oder anfallsartig wiederkehrend verengt sind. Zu diesen sogenannten obstruktiven Lungenkrankheiten zählen unter anderem COPD oder Asthma.
Ursache der Atemwegsverengung ist eine Entzündung der Schleimhaut, die die Atemwege auskleidet. Die Entzündung führt dazu, dass die Schleimhaut anschwillt und mehr Schleim entsteht. Die Muskelschicht der Bronchien verkrampft sich zusätzlich und verengt die Atemwege damit weiter. Betroffenen fällt das Atmen schwer - besonders das Ausatmen. Auch Husten und ein Engegefühl in der Brust können Zeichen einer obstruktiven Lungenkrankheit sein.
Sind die Bronchien verengt, gelangt nicht nur weniger Luft in die Lunge. Auch die eingeatmete Luft kann nicht mehr vollständig abgeatmet werden. Die Lunge überbläht sich wie ein Luftballon, der zu stark aufgeblasen wird. Die feinen Lungenbläschen erweitern sich und werden schließlich zerstört. Fachleute sprechen dann von einem Lungenemphysem.
Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, die Atemwegsverengung frühzeitig zu behandeln. Medikamente können teilweise helfen, die Symptome zu lindern. Es gibt bronchienerweiternde und entzündungshemmende Wirkstoffe, meist in Form von Sprays zum Einatmen.
Moderne Antikörpertherapien können spezielle Formen der Entzündung gezielt unterdrücken. Für bestimmte Typen von Asthma und COPD gibt es inzwischen zielgerichtete Antikörper, die unter die Haut gespritzt werden. Sie wirken jedoch nicht bei allen Entzündungsarten. Deshalb arbeiten Forschende an neuen Wirkstoffen, damit alle Betroffenen genau die Behandlung erhalten, die sie benötigen.
Warum entzünden sich die Atemwege bei COPD?
Zelluläre Mechanismen
Schadstoffe, zum Beispiel aus Zigarettenrauch, sind wahrscheinlich die Hauptursache von COPD. Auch bei gesunden Menschen bewirken sie eine Entzündung in der Lunge. Diese eigentlich normale Reaktion verläuft bei Menschen, die COPD entwickeln, übermäßig stark ab.
Warum es bei COPD zu den verstärkten Entzündungsprozessen kommt, ist noch nicht genau geklärt. Wissenschaftlich anerkannt sind derzeit zwei Erklärungsmodelle:
- das sogenannte Protease-Antiprotease-Ungleichgewicht und
- oxidativer Stress.
Die Protease-Antiprotease-Hypothese geht davon aus, dass eingeatmete Schadstoffe wie Zigarettenrauch und Feinstaub bestimmte Zellen des Immunsystems (Makrophagen und T-Helferzellen) aktivieren, die wiederum Entzündungsbotenstoffe abgeben. Durch diese Signale wandern neutrophile Granulozyten, die ebenfalls zu den Immunzellen gehören, in die Bronchialschleimhaut ein. Zusammen mit den Makrophagen setzen sie zellschädigende Proteasen frei. Dies sind Enzyme, die Proteine abbauen und damit Gewebe zerstören. Gleichzeitig werden schützende Antiproteasen, Enzyme die den Abbau von Proteinen verhindern, außer Gefecht gesetzt. Ein wichtiges Enzym aus dieser Gruppe ist das Alpha-1-Antitrypsin.
Nach aktuellem Wissenstand begünstigt dieses Ungleichgewicht aus Proteasen und Antiproteasen die Bildung eines Lungenemphysems. Bei vielen Menschen mit COPD sind verschiedene, von Entzündungszellen und Epithelzellen produzierte Proteasen erhöht.
Auch oxidativer Stress beschleunigt den Gewebeabbau und die Schädigung der Lungenbläschen: Eingeatmete Schadstoffe und Entzündungsreaktionen, so die These, rufen ein Ungleichgewicht zwischen Oxidantien und Antioxidantien hervor. In Folge werden Zellen geschädigt und die Entzündung wird weiter vorangetrieben. Dies bewirkt oder beschleunigt die Entstehung von COPD beziehungsweise eines Emphysems. Oxidativer Stress verstärkt zudem die Schleimproduktion, die Bildung von Proteasen und die Einwanderung von neutrophilen Granulozyten in die Bronchialschleimhaut.
Während das Protease-Antiprotease-Ungleichgewicht nach derzeitigem Wissen für das Lungenemphysem verantwortlich ist, begünstigt oxidativer Stress beide Formen der COPD. Jedoch kann weder die eine noch die andere These die Entstehung und die krankhaften Veränderungen im Lungengewebe bei COPD vollständig erklären.
So kommt ein Oxidantien-Antioxidantien-Ungleichgewicht beispielsweise auch bei anderen Lungenkrankheiten vor, etwa bei der Lungenfibrose oder bei Asthma. Deshalb werden für die COPD-Entstehung noch weitere Erklärungsmodelle diskutiert.
Akute Verschlechterung (Exazerbation) bei COPD
Ohne Behandlung schreitet die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung COPD immer weiter fort. Dies führt nicht nur dazu, dass die Lungenfunktion immer weiter abnimmt, sondern erhöht auch das Risiko für eine sogenannte Exazerbation, also eine akute Verschlimmerung beziehungsweise einen COPD-Schub.
Eine exazerbierte COPD äußert sich durch
- die Zunahme der COPD-Symptome Husten, Atemnot und Auswurf,
- eine farbliche Veränderung des abgehusteten Schleims und
- allgemeine Krankheitszeichen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Fieber.
Nicht immer liegen alle Kriterien vor.
Video-Interview: Exazerbationen - akute Krisen bei Lungenerkrankungen
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Transkript: Exazerbationen – Akute Krisen bei Lungenerkrankungen
Für akute Exazerbationen oder akute Krisen wie man auch sagen kann, sind Infektionen die häufigste Ursache. Das können bakterielle Infektionen sein oder auch virale Infektionen. Auf jeden Fall aber Infektionen der Atemwege. Neben den Infektionen sind auch andere Umwelteinflüsse mögliche Auslöser für Exazerbationen. Klar, beim allergischen Asthma der Pollenflug zum Beispiel ist ein erhebliches Problem, aber auch Umweltschadstoffe wie Ozon oder auch Smog kann natürlich zu einer vermehrten Häufigkeit von Exazerbationen von Lungenerkrankungen beitragen. Für die Folgen einer Exazerbation ist es ganz entscheidend, welche Grunderkrankung vorliegt - ob es ein Asthma, eine COPD oder eine Lungenfibrose ist. So können sich Asthmatiker und COPD-Patienten von einer Exazerbation in der Regel sehr gut wieder vollständig erholen, während bei der Lungenfibrose oft ein bleibender Schaden übrig bleibt und ein erheblicher Teil der Patient sogar an dieser Exazerbation verstirbt. Wenn eine solche Krise eintritt, und das ist immer dann der Fall, wenn die Verschlechterung die normale Tagesschwankung überschreitet, also man muss sich im Klaren sein, natürlich kann mal ein schlechter Tag dazwischen sein. Das kann jedem passieren. Aber wenn diese Schwankung stärker ist als man das gewohnt ist, dann muss man aufmerksam werden. Dann kann man zunächst mal die Medikamente steigern, unter Umständen, vor allem bei COPD oder auch bei Asthma. Aber wenn das nicht ausreicht, dann sollte man rechtzeitig wirklich den Arzt aufsuchen. Man braucht unter Umständen Medikamente zusätzlich. Das können Cortison-Tabletten sein, das können aber auch Antibiotika sein. Um Exazerbationen zu vermeiden, gibt es viele Ansätze. Zum einen natürlich sollte man die Medikamente, die man verordnet bekommt, regelmäßig einnehmen. Das stimmt vor allem für die COPD, bei der man weiß, dass diese Therapie dann auch tatsächlich zu einer Verminderung der Häufigkeit von Operationen führt. Aber man sollte auch mit dem Hausarzt besprechen, dass man eine Grippeschutzimpfung rechtzeitig im Jahr macht, auch eine Pneumokokkenimpfung ist in der Regel anzuraten in der Situation. Das sind alles vorbeugende Maßnahmen. Und ganz am Anfang steht natürlich auch, wenn das ein Problem ist, das Rauchen einzustellen. Im Bereich der Forschung gibt es im Prinzip drei wesentliche Aspekte: Das eine ist zu untersuchen, welche Patienten sind besonders gefährdet eine solche Krise zu erleben. Es gibt Patienten, die es sehr häufig haben, und andere, die es sehr selten haben. Da wird also untersucht, ob irgendwelche genetischen oder andere Prädispositionen das auslösen. Das Zweite ist die Vorbeugung. Da haben wir schon gesprochen über Impfungen und über Verhaltensmaßnahmen. Natürlich auch nicht rauchen, sich bei entsprechenden Wetterlagen vielleicht nicht ins Freie begeben, wenn es Smoggefahr ist und so weiter. Und das Dritte ist natürlich die Therapie. Das kann einerseits eine Therapie sein, die dazu führt, dass die Exazerbation oder die Krise vermieden wird, und es kann eben die Therapie sein, direkt in der Krise, wie kann ich den Patienten am besten behandeln.
Wie wird eine COPD-Exazerbation erkannt?
Manchmal ist eine COPD-Exazerbation schwer zu diagnostizieren, da es ganz normal ist, dass die Symptome mal besser und mal schlechter sind.
Die Wahrscheinlichkeit einer Exazerbation steigt mit dem Schweregrad der COPD. Auch können die Beschwerden schwerer ausfallen. Dies kann bis hin zu Bewusstseinstrübungen und komatösen Zuständen reichen. Eine so ausgeprägte COPD-Exazerbation ist lebensbedrohlich.
Quellen
- Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Nationale VersorgungsLeitlinie COPD, Stand 12/2024 (Letzter Abruf: 01.10.2025)
- Vogelmeier, C. et al.: Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD), Stand 01/2018 (in Überarbeitung)
- Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD): Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of COPD 2025 (Letzter Abruf: 10.01.2025)
- Beutel, B. et al.: Übersicht COPD - Diagnostik, Prävention und Therapie. In: Der Pneumologe, 2017, 14 (1)
- Greulich, T. et al.: Chronisch obstruktive Lungenerkrankung. In: Der Pneumologe, 2013, S1, 10-15 (2013)
- Fischer B.M. et al.: Pathogenic triad in COPD: oxidative stress, protease-antiprotease imbalance, an inflammation. In: International Journal of Chronic Obstructive Pulmonary Disease, 2011, 6: 413 – 421
- Loukides S. et al.: Oxidative stress in patients with COPD. In: Current Drug Targets, 2011, 12(4): 469 – 477
- Finkel, T. et al.: Recent progress in the biology and physiology of sirtuins. In: Nature, 2009, 460, 587-591
- Nakamaru, Y. et al.: A protein deacetylase SIRT1 is a negative regulator of metalloproteinase-9. In: FASEB J., 2009, 23, 2810-2819
Letzte Aktualisierung: 01.10.2025