Historie

Zwar führte der Amerikaner James Hardy bereits 1963 die erste Operation durch, bei der einem Menschen ein fremder Lungenflügel übertragen wurde. Jedoch verstarb der Empfänger früh und das Verfahren blieb bis in die 1980er Jahre hinein experimentell. Die wenigen Patienten, bei denen der Eingriff versucht wurde, überlebten meist nur einige Wochen.

Erst die Einführung von Ciclosporin, dem ersten Medikament, das wirksam die Immunabwehr unterdrückte und so einer Abstoßung des fremden Organs entgegen wirkte, brachte Anfang der 1980er Jahre eine Wende. 1983 wurde in Toronto die erste erfolgreiche Transplantation eines einzelnen Lungenflügels vorgenommen. Die internationale Gesellschaft für Herz- und Lungentransplantation (ISHLT) verzeichnet in ihrer neuesten Statistik seit Mitte der 1980er Jahre bis Juni 2016 weltweit knapp über 60.100 Lungentransplantationen.

Für wen kommt eine Lungentransplantation in Frage?

Die Lungentransplantation ist eine Operation, die mit einem hohen Komplikationsrisiko behaftet ist. Darüber hinaus besteht ein Mangel an Spenderorganen. Deshalb kommt der Eingriff nur für Patienten mit einer Lungenerkrankung im Endstadium in Frage, bei denen auf anderem Wege keine Verbesserung des Gesundheitszustands mehr zu erzielen ist, und die eine eingeschränkte Lebenserwartung haben. Das heißt, alle anderen therapeutischen Möglichkeiten sind bereits ausgeschöpft. Dies trifft vor allem auf Patienten mit Mukoviszidose, Lungenemphysem, Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, Lungenhochdruck oder verschiedenen Formen der Lungenfibrose zu.

Patienten mit schweren Begleiterkrankungen, welche die Erfolgsaussichten der Behandlung deutlich verringern, werden m Allgemeinen von Lungentransplantationen ausgeschlossen. Das betrifft z.B. Tumorleiden oder Sepsis und Versagen anderer Organe. Auch aktives Rauchen, Alkohol- oder Drogenmissbrauch gelten als Ausschlusskriterium, als absolute Kontraindikation wie man in der medizinischen Fachsprache sagt. Ärzte müssen die Risiken der Operation und den zu erwartenden Nutzen – das heißt die Chance einer deutlichen Verbesserung der Überlebenswahrscheinlichkeit und der Lebensqualität – sorgfältig gegeneinander abwägen.

IN KÜRZE:

Eine Lungentransplantation wird bei Patienten mit schweren, fortgeschrittenen Lungenerkrankungen durchgeführt, bei denen andere Behandlungsansätze zu keiner Verbesserung des Gesundheitszustands mehr führen.

Welche Patienten sind geeignet?

Potenzielle Transplantationskandidaten sollten gesundheitlich stabil genug sein, um die schwere Operation gut zu überstehen. Ebenfalls sehr wichtig ist die Motivation, nach dem Eingriff zuverlässig verschiedene immunsuppressive Medikamente einzunehmen – und zwar ein Leben lang – und die entsprechenden Nachuntersuchungen wahrzunehmen.

Zum Zeitpunkt der Operation waren nach aktuellen Statistiken der internationalen Gesellschaft für Herz- und Lungentransplantation (ISHLT) die von Januar 2000 bis Juni 2013 transplantierten Patienten weltweit im Durchschnitt 55 Jahre alt. Der Anteil der Transplantierten über 60 ist seit der Jahrtausendwende vor allem in den USA deutlich gestiegen und lag im ersten Halbjahr 2010 bei rund 33 Prozent.

Vorbereitung einer Lungentransplantation

Der behandelnde Lungenfacharzt oder die behandelnde Lungenfachärztin überweist Patienten, die für eine Transplantation in Frage kommen, für gewöhnlich an ein Lungentransplantationszentrum. Denn nur in diesen spezialisierten Einrichtungen kann und darf die Operation überhaupt durchgeführt werden. Zu den größten Zentren in Deutschland zählen die Medizinische Hochschule Hannover und das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Wenn in einem Transplantationszentrum die entsprechenden Voruntersuchungen, bei denen der Gesundheitszustand noch einmal eingehend überprüft wird, positiv ausfallen, werden die Patienten bei der Eurotransplant-Zentrale in den Niederlanden gemeldet. Diese gemeinnützige Organisation vermittelt und koordiniert die Vergabe von Spenderorganen in mehreren europäischen Ländern, unter anderem auch in Deutschland und Österreich.

Der Lungen-Allokations-Score (LAS)

Seit 2011 gilt zur Vergabe einer Spenderlunge der sogenannte LAS (Lungen-Allokations-Score). Mit Hilfe dieses Fragebogens werden die Dringlichkeit und die Erfolgsaussichten einer anstehenden Lungentransplantation bewertet. Die erforderlichen Daten sind unter anderem:

  • Alter, Größe, Gewicht,
  • Laborwerte, Untersuchungsergebnisse,
  • Art der Lungenerkrankung und
  • Schweregrad der Lungenfunktionsstörung,
  • Sauerstoffbedarf
  • Beatmung
  • Nierenfunktion,
  • Fähigkeit, Tätigkeiten des täglichen Lebens auszuführen

Der LAS wurde in den USA entwickelt und wird dort in einigen europäischen Ländern, darunter Deutschland, verwendet als Maß des Überlebensvorteils. Mit Hilfe dieses Bewertungssystems kann der Wartelistenstatus transparent gestaltet und objektiviert werden. Zur Berechnung des LAS leitet das Transplantationszentrum die Patientendaten an das Vermittlungszentrum weiter, welches den Score erhebt. Steht der/die Kranke bei Eurotransplant dann auf der Warteliste, beginnt die Suche nach einem geeigneten Organ.

Wie lange es dauert, bis einem Patienten eine Spenderlunge angeboten wird, hängt von vielen Parametern ab, so dass eine generelle Aussage kaum möglich ist: Größe, Blutgruppe und verschiedene Gewebemerkmale des Spenders müssen zum Empfänger passen. Ebenso wird berücksichtigt, wie dringend ein Patient die Operation benötigt und wie die Erfolgsaussicht ist - also das Ergebnis des lung allocation scores (LAS).

Ist ein Spenderorgan gefunden, bleibt nur wenig Zeit (in der Regel weniger als zwölf Stunden) bis zur Transplantation. Denn die Lungenflügel können außerhalb des Körpers nicht so lange konserviert werden wie etwa Nieren, da Lungenzellen nur vorübergehend das Fehlen der Blut- beziehungsweise Sauerstoffversorgung verkraften.

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Informationen zum Inhalt

Quellen:

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. med. Jens Gottlieb, Medizinische Hochschule Hannover

Letzte Aktualisierung:

03.04.2018

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